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Menschliche Wärme berührt

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Von: Sascha Jouini

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Mitglieder der Marienstiftskantorei und der Cappella Instrumentalis bei ihrem Vortrag in der Marienstiftskirche. © Sascha Jouini

Lich (jou). Das zur Tradition gewordene Weihnachtskonzert in der Marienstiftskirche erhielt am Sonntag ungewohnte Facetten durch den Einsatz der neuen Chororgel. Verstärkt durch Solisten boten die Marienstiftskantorei, die Cappella Instrumentalis und Organistin Eva-Maria Anton unter Leitung von Christof Becker ein rundum hörenswertes Programm mit romantischem Schwerpunkt.

Festlichen Glanz ins Gotteshaus zauberte der eröffnende Chor von Felix Mendelssohn Bartholdys Kantate »Vom Himmel hoch, da komm ich her« (1831) über das gleichnamige Weihnachtslied von Martin Luther. Die menschliche Wärme der Darbietung berührte unmittelbar. Zuversicht spendete die folgende Arie, in der es heißt: »Es ist der Herr Christ, unser Gott, der will euch führ’n aus aller Not«. Der kurzfristig eingesprungene Bariton Jonathan Macker meisterte sie souverän. Durch Johann Sebastian Bach inspiriert erschien der schlichte Choral »Er bringt euch alle Seligkeit, die Gott der Vater hat bereit«. Überhaupt ist die Komposition geprägt durch Mendelssohn Bartholdys Auseinandersetzung mit dem barocken Vorbild im Rahmen der Wiederentdeckung der »Matthäuspassion«. Den hervorragenden Eindruck rundete Sopranistin Suh Yoon Chang mit ihrer innigen Gesangsweise ab. Der Schlusschor mit der kraftvollen Steigerung trug viel zur geistigen Erbauung bei, die Kantor Becker den zahlreichen Besuchern gewünscht hatte.

Ausdrucksstarke Solisten

Solistisch rückte die neue Orgel bei Bachs viersätziger »Pastorale« BWV 590 in den Mittelpunkt. In ihrer geradlinig-klaren Interpretation zeichnete Eva-Maria Anton die Motivik von Beginn an makellos. Das gleichermaßen ausgewogene wie schöne Klangbild des Instruments brachte sie im flötenartigen zweiten Stück voller Zartheit zur Geltung. Überraschend schien der Einbruch schwermütiger Ausdruckszüge in die bis dahin friedvolle Klangwelt beim dritten Satz. Erneut begeisterte hier, wie perfekt sich die Orgel in die Saalakustik einfügt. Am Schluss stand eine fugenartige Gigue von betörendem spielerischem Charme.

Hauptwerk des Abends war Camille Saint-Saëns’ 1858 komponiertes »Oratorio de Noël«. Zu den genannten Solisten traten hier Dorotea Pavone (Sopran), Dalila Djenic (Alt) und Jongyoung Kim (Tenor) hinzu. Eine wunderbare Einstimmung in das Werk lieferte das feinsinnig dargebotene Prélude für Streicher und Orgel.

Die ausdrucksstarken Solisten und die kammermusikalisch-dezente Begleitung verbanden sich im Verlauf unter dem behutsamen Dirigat Christof Beckers zu einer engen Einheit. Besonders eindrucksvoll schien, wie der Chor den Tenor im vierten Satz verstärkte. Das Duo für Sopran und Bariton »Benedictus, qui venit in nomine Domini!« gefiel durch die reizvolle Kombination von Harfe und Orgel. Dramatische Akzente setzte daraufhin der Chor. Von Satz zu Satz verstärkte sich die Besetzung der Ensemblestücke - bis hin zum Quintett mit Chor.

Nach dem erhebenden Finale spendeten die Besucher lang anhaltend Beifall.

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