Rußrindenkrankheit

Kranke Bäume bei Lich: Warum kein Grund zur Panik besteht

  • Jonas Wissner
    vonJonas Wissner
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Wegen der Rußrindenkrankheit sind bei Lich rund 30 000 Ahornbäume gefällt worden. Was passiert nun mit dem Holz? Wie groß ist die Gefahr für Passanten? Fragen und Antworten im Überblick.

Wie ist der Stand bei der Fällung kranker Ahornbäume im Wald bei Lich?

Seit dem 19. Februar ist im fürstlichen Wald bei Lich schweres Gerät im Einsatz – "Woodcracker" und "Harvester", mit denen die kranken Bäume vom Stamm abgetrennt werden. Dieser Teil der Arbeit ist nun erledigt: Die letzten der rund 30 000 Bäume sollten laut Förster Jörg Heßler am gestrigen Freitag gefällt werden.

Wie läuft der Abtransport der gefällten Bäume?

Da gibt es Probleme. Laut Förster Heßler ist bislang erst rund ein Viertel der Bäume an Waldwegen zwischengelagert, der Rest befinde sich noch an Ort und Stelle. Es sei schwierig, kurzfristig Unternehmen zu finden, die für dafür Kapazitäten haben. Außerdem mangelt es laut Heßler an Möglichkeiten zur Zwischenlagerung. Geplant sei, die Bäume zu häckseln und dann vorerst in einer Art Silo zu lagern, bis sie in einer Anlage verbrannt werden können. In diesem Punkt sei man noch in der Planung.

Ab wann sind die gesperrten Waldstücke wieder zugänglich?

"Solange das Holz noch nicht gerückt ist, wird die Sperrung aufrecht erhalten", informiert Heßler. Die Sperrverfügung gilt bis zum 15. April, nach Möglichkeit wolle man danach die betroffenen Bereiche wieder freigeben.

Ist der Waldboden auf den gerodeten Flächen noch mit Pilzsporen belastet?

Der Förster hofft auf Regen, denn dann könnten die Sporen ins Erdreich ausgewaschen werden. Heßler geht nicht davon aus, dass der Waldboden infolge der Rußrindenkrankheit dauerhaft geschädigt oder gefährlich ist. "Wie lange die Sporen des Pilzes, der die Rußrindenkrankheit bei Ahornbäumen auslöst, im Boden bleiben, ist in Deutschland bislang kaum untersucht", äußert sich Dr. Gitta Langer von der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt, die Waldbesitzer berät. Langer weiter: "Bei Pilzsporen kann das allgemein sehr unterschiedlich sein – von wenigen Minuten bis zu mehreren Jahren."

Wie gefährlich sind die Pilzsporen für Passanten?

Expertin Langer schätzt die Gefahr für Waldbesucher als sehr gering ein. "Da müsste man schon sehr nah an den Baum heran und die Sporen tief einatmen." Für Waldarbeiter werde aber Schutzkleidung empfohlen. "Die Sporen lösen keine infektiöse Lungenentzündung aus", sagt Langer. "Nur die einzelnen Partikel an sich können schädlich sein, wenn sie in die Lunge geraten. Wer eine Pilzallergie oder eine Vorerkrankung der Lunge hat, sollte vorsichtig sein." Grund zur Panik besteht also nicht.

Wie wird die Rußrindenkrankheit auf andere Bäume übertragen?

Die Krankheit wird durch einzelne Pilzsporen von Baum zu Baum übertragen, wobei hierzulande nur Ahornbäume befallen werden. "Dafür muss der Baum aber vorgeschädigt sein", erläutert Langer. "Der Pilz geht durch die Rinde in die Bäume. Die schwarzen Sporenlager an der Rinde zeigen sich erst, wenn es dem Baum schon sehr schlecht geht." Der heiße, trockene Sommer 2018 habe viele Ahornbäume geschwächt.

Wie weit ist die Rußrindenkrankheit in Deutschland verbreitet?

Laut Auskunft der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt wurden erste Fälle in Deutschland nach dem Hitzejahr 2003 nachgewiesen. Im Zuständigkeitsbereich dieses Instituts (Hessen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein) gab es den ersten Nachweis 2014 im Wald. Bis zum 21. Februar wurden der Versuchsanstalt zehn aktuelle Fälle der Rußrindenkrankheit in Hessen gemeldet. Seither sind weitere Meldungen eingegangen, die zurzeit ausgewertet werden. Ausbrüche in der Größenordnung wie in Lich sind ein neueres Phänomen.

Was ist auf den gerodeten Waldflächen bei Lich geplant?

Zunächst werden die Böden gelockert und gemulcht, teilweise ist dies schon geschehen. Die Flächen werden laut Förster Heßler so vorbereitet, dass sie ab Herbst neu bepflanzt werden können – unter anderem mit Kiefern, Douglasien und Eichen, also Bäumen, die als weniger klimaempfindlich gelten.

War die Rodung von rund 30 000 Bäumen unausweichlich?

"Aus Waldschutzsicht ist eine Fällung nicht erforderlich", äußert sich Langer. "Fällungen und Vernichtung des betroffenen Materials können aber aus anderen Gründen erforderlich oder angemessen sein" - etwa wegen der Gefahr umstürzender Bäume oder um neue Bestände zu pflanzen. Die Entscheidung liege letztlich beim Waldbesitzer. Im Fall des Waldes bei Lich in fürstlichem Besitz hatten sich die Verantwortlichen in Absprache mit Hessen Forst für die Rodung entschieden - auch unter Verweis auf den Gesundheitsschutz.

Info

Die Rußrindenkrankheit

Der Befall des Berg-Ahorn durch den Pilz Cryptostroma corticale als Auslöser der Krankheit ist in Nordamerika schon seit Jahrzehnten ein Problem. In Deutschland gibt es damit noch recht wenig Erfahrung. Ihren Namen hat die Krankheit wegen der schwarzen Sporennester, die sich im Endstadium zeigen und Ruß ähneln. Neben dem großflächigen Befall bei Lich gibt es im Kreis Gießen weitere Fälle in Reiskirchen und Hungen. (jwr)

Quelle: Gießener Allgemeine

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