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Handfester Streit ums Holz

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Von: Patrick Dehnhardt

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Licher klauen Holz aus dem Langsdorfer Wald. © Patrick Dehnhardt

Lich (pad). Nicht von Pappe war das historische Spiel, welches am Samstagabend auf der Bühne am Hessentagsbrunnen aufgeführt wurde. Gut - ganz stimmt der Satz nicht: Gerhard Pappe hatte einmal mehr die Spielleitung inne und zudem den zugrundeliegenden Text überarbeitet.

Auf einem vollbesetzten Hessentagsplatz kam es gleich zu Beginn zu Handgreiflichkeiten zwischen den Schauspielern, die ins Jahr 1729 zurückversetzten. Damals hatten Licher in einem Waldstück Holz geschlagen, im Glauben, es gehöre zu ihrer Gemarkung. Die Langsdorfer bekamen das Spitz und schlugen mit Dreschflegeln und allem, was zur Hand war, auf die Holzdiebe ein.

Im Hungener Schloss wurde der Holzdiebstahl danach gerichtlich aufgearbeitet. Der Richter (Julien Neubert) stellte dabei fest, dass laut Urkunden das fragliche Waldstück zu Langsdorf gehöre. Er verurteilte die Licher dazu, »Vieh, Wagen und Geschirr der Übeltäter zu verkaufen und das Geld an Langsdorf zu überweisen«. Die Strafe war damit 161 Gulden hoch.

»Doch die Licher schworen bittere Rache«, sagte Sprecher Pappe. Mitten in der Heuernte fielen sie in Langsdorf ein und pfändeten Zugtiere und Gerätschaften. Diese wurden nach Lich gebracht.

In Langsdorf war man sich über die Konsequenzen dieser Aktion noch nicht wirklich im Klaren, als ein Bote (Paul Dörmer) einen Markt in Lich ankündigte. Schnell dämmerte es den Bauern, dass dort ihre Sachen verkauft werden sollten. Der Langsdorfer Bürgermeister (Horst Kächler) ließ seinen Schreiber (Ernst-Otto Finger) zwar einen Protestbrief an den Grafen schicken. Doch dessen Antwort war, dass die Licher Markt abhalten könnten, wann immer sie wollten.

Die folgende Szene war eine der Höhepunkte des abwechslungsreichen Stücks. Denn nachdem der Auktionator (Elmar Sandhofen) einen Sensen und einen Heurechen unters Volks gebracht hatte, trat ein als Pferd maskierter Schauspieler auf die Bühne, um versteigert zu werden. Dies sorgte für zahlreiche Lacher, ebenso wie die folgende Ziege.

Wie Sprecher Pappe berichtete, nahmen die Licher bei ihrer Auktion 434 Gulden ein. Das Geld stammte praktisch komplett aus Langsdorf, da die Bauern ihre Gerätschaften zurückkaufen mussten, um die Ernte abschließen zu können. Dies sorgte nun auf Langsdorfer Seite für Verdruss.

Im Theaterstück kam die Versöhnung zwischen beiden Orten schließlich aufgrund einer Liebesgeschichte zustande: Die Langsdorferin Gunda (Annette Rübsam) wollte unbedingt den Ludwig (Christian Dörmer) aus Lich heiraten. Der Vater willigte nach einigen Licher Bier ein.

Dieser Part war zwar frei erfunden, die Orte sind aber längst wieder Freunde, wie auch Bürgermeister Julien Neubert festhielt: »Der Holzstreit hat ein gutes Ende gefunden« und fügte schmunzelnd hinzu: »Jetzt haben die Licher einen Langsdorfer Bürgermeister.«

Ein Licher Zuschauer konnte sich jedoch noch gut erinnern, dass es früher bei Besuchen von Lichern auf der Langsdorfer Kirmes fast immer zu Schlägereien kam. Mittlerweile zum Glück Geschichte.

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Der Holzdiebstahl sorgt für Handgreiflichkeiten, später für ein Gerichtsurteil zugunsten Langsdorfs und eine Racheaktion. © Patrick Dehnhardt

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