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Der Schauspieler und Autor Andreas Hoppe.

"Kopper"

Früherer Tatort-Kommissar: Andreas Hoppe über seine erste Begegnung mit Wölfen

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Einst spielte er "Kopper", nun hat er sich dem Artenschutz verschrieben. Im Interview spricht Andreas Hoppe (59) über Wölfe, Klimaschutz und die Popularität als TV-Ermittler.

Herr Hoppe, Sie beschäftigen sich intensiv mit Wölfen. Am Samstag stellen Sie in Cleeberg Ihr Buch "Die Hoffnung und der Wolf" vor. Warum haben es Ihnen diese Tiere so angetan?

Andreas Hoppe:Ich habe Reisen nach Kanada unternommen, wo ich Wölfe gesehen habe. Das hat mich enorm fasziniert, weil ich finde, dass der Wolf eine besondere Aura mit transportiert - von einem anderen Leben, einer Natur, die nicht nur von Menschen eingeschränkt ist, sondern auch einen gewissen Freiraum hat. Ich glaube, darum geht es jetzt - gerade vor dem Hintergrund des sechsten großen Artensterbens, wie es von Wissenschaftlern genannt wird. Diesmal nicht durch einen Vulkanausbruch oder Meteoriteneinschlag, sondern von Menschenhand. Viele haben heute keine Empathie mehr für der Natur, keine Verbindung dazu.

Woran liegt das?

Hoppe:Ich denke, es hat mit all unseren elektronischen Spielzeugen zutun, über die wir vieles vergessen, und vielleicht auch mit der Enge. Wir sind in unserer Kulturlandschaft eben ziemlich dicht besiedelt.

Wie hat es sich angefühlt, als Sie in Kanada erstmals Wölfe in freier Wildbahn gesehen haben?

Hoppe:Ich war erstmal überrascht, selbst dort hätte ich das nicht unbedingt erwartet. Wir waren auf Wanderung und Kanutour in einem Nationalpark - und dann standen sie plötzlich vor uns. Wölfe halten ja schon ein paar Meter Abstand, wenn sie natürlich aufgewachsen sind. Wir guckten alle gleich. Die Wölfe waren überrascht, wir auch. Ich hatte keine Angst, war einfach nur überrascht, irgendwie erfreut und gespannt, wie es weitergeht. Wir haben uns angeschaut, dann sind die Wölfe verschwunden und wir sind weiter unseres Weges gegangen. Abends haben wir sie dann an einem großen See heulen gehört, das ist natürlich noch sehr viel faszinierender. Ich glaube, diesem Zauber kann sich selten jemand entziehen.

Ex-Tatort-Kommissar: Wölfe als "super heißes Thema"

Das Thema Wölfe polarisiert.

Hoppe:Das ist ein super heißes Thema. Ich bin zurzeit viel mit Lesungen unterwegs, da sind die Reaktionen ganz unterschiedlich. Kürzlich waren zwei Leute bei einer Lesung, da brauchte ich gar nicht erst anfangen. Die fanden es schon blöd, dass ich da war. Ich habe mich nur gefragt, warum sie dann zur Lesung gekommen sind. Was mir bei der ganzen Sache wichtig ist: Bei allem, was ich recherchiert habe, ist mir aufgefallen, dass jede Seite teilweise mit viel Emotionen und wenig Fakten umgeht. Wenn man sich dann mal Fakten ansieht und mit Fachleuten spricht, stellt man fest: Manches stimmt so nicht.

Es scheint eine diffuse Angst vor Wölfen zu geben. Was würden Sie einem Landwirt sagen, der Angst hat, dass seine Tiere von Wölfen getötet werden könnten?

Hoppe:Ich würde ihm schon sagen, dass es eine Gefahr und ein Risiko darstellt, wenn die Wölfe da sind - und dass man mit Herdenschutz reagieren muss. Das ist ganz wichtig. Die Wölfe sollen sich ja nicht daran gewöhnen, dass sie den leichtesten Weg gehen und Weidetiere reißen. Ich verstehe da die Weidetierhalter, man muss sie unterstützen. Das passiert auch schon, und es soll mit der reformierten Version des Naturschutzgesetzes noch einmal verstärkt werden. Es kann etwas passieren, und man muss sich dann mit Fachleuten zusammentun. Man kann nicht einfach sagen: Da passiert schon nichts. Das wäre eine Lüge.

Für wie realistisch halten Sie es, dass in absehbarer Zeit in Deutschland in der Fläche Wölfe und Menschen friedlich koexistieren?

Hoppe:Das verlangt uns etwas ab und man muss es wollen. Aber jetzt sind die Wölfe da und ich finde ganz wichtig, dass man darüber kommuniziert, miteinander statt nur aus Hass spricht. Ich dachte mir auch: Mich da mit dem Buch so zu zeigen, das wird mir bestimmt nicht nur Freunde einbringen. Ganz im Gegenteil, es ist teilweise hart umkämpftes Terrain. Mir war aber wichtig, das zu tun. Das ist auch eine Grundlage von Demokratie. Wenn wir alle nur noch das gleiche denken oder uns nicht mehr trauen, unsere Meinung zu sagen, dann brauchen wir keine Demokratie mehr.

Welche Rückmeldungen bekommen Sie bei Ihren Lesungen?

Hoppe:Bis jetzt ist es so, dass die Mehrzahl die Art, wie ich mich mit dem Buch dem Thema genähert habe, ganz schön finden. Ich gehe von verschiedenen Perspektiven aus. Andere hätten lieber ein rein wissenschaftliches Buch über Wölfe - das bin aber nicht ich, weil ich kein Wissenschaftler bin. Das können andere Leute viel besser. Aber ich bin viel rumgekommen, habe mit vielen Leuten gesprochen und begleite sozusagen als wolfsfaszinierter Mensch dieses Thema seit mehreren Jahren.

Ex-Tatort-Kommissar: Politik ist mit Klimaschutz überfordert

Neben Ihrem Engagement als NABU-Wolfsbotschafter engagieren Sie sich auch für Naturschutz und regionale Ernährung. Wie verfolgen Sie die aktuelle Klima-Debatte?

Hoppe:Jetzt, wo das Thema populärer wird und die Leute merken, dass sich beim Klima wirklich etwas verändert und es auch Druck von "Fridays for Future" gibt, kommt da Bewegung rein. Ich bin beeindruckt, wie eloquent diese jungen Menschen darüber reden können und mit Fakten kommen statt mit irgendeinem diffusen Gefühl. Ich merke aber, dass die allgemeine Politik bei dem Thema doch ganz schön überfordert ist. Und ich frage mich, was bei diesen ganzen Umweltgipfeln, die viel Geld gekostet haben, eigentlich passiert ist. Manchmal habe ich das Gefühl, das waren nur Alibi-Veranstaltungen.

Was heißt das in Bezug auf den Artenschutz?

Hoppe:Wir haben nicht das recht auszuwählen, welche Tiere bleiben. Es muss so sein, dass das, was wir mal geschenkt bekommen haben, ein Recht auf sich selbst hat - allein schon, weil es Teil der Schöpfung ist, weil es da ist. Der Wolf ist hier ein heimisches Tier, und ich finde nicht, dass wir in nützlich und nutzlos unterscheiden sollten. Das erinnert mich an andere Zeiten, die gerade auch wieder näherkommen. Von daher verbindet sich das Thema Wolf mit vielen anderen. Alle paar Minuten verschwindet eine Art von diesem Planeten, unwiderbringlich. Und bei manchen kriegen wir es gar nicht mit.

Aber Sie haben offenbar den Eindruck, dass sich beim Klima- und Artenschutz zurzeit wirklich etwas bewegt.

Hoppe:Ganz enorm. Es ist auch sehr schön, dass Leute darüber diskutieren. Ich hoffe nur, dass durch das Reden nicht plötzlich eine Langeweile eintritt, ohne dass etwas passiert. Auch in den Medien kocht so ein Thema manchmal hoch und ist dann nach wenigen Wochen erledigt, ohne dass sich Konsequenzen ergeben. Aber wir müssen sie ziehen, müssen anders mit der Natur umgehen, achtsamer sein. Einfach so weitermachen geht nicht. Und da gibt es genügend Wissenschaftler, die kein Interesse haben zu hetzten oder uns alle in Unruhe zu versetzen. Aber man muss schon unruhig sein. Ich glaube, es muss jetzt reagiert werden - ansonsten ist die letzte Chance auch verpasst.

Ex-Tatort-Kommissar: "Kopper" bleibt ein Stempel

Machen wir mal einen Strich unter den Wolf. Vielen sind Sie vor allem als Ludwigshafener Tatort-Kommissar Kopper mit italienischen Wurzeln bekannt.

Hoppe:Mit sizilianischen Wurzeln! Ich weiß das, weil es mal in einem Skript stand. Deswegen habe ich auch ein sizilianisches Kochbuch als Abschied von Kopper geschrieben. Ich bin dann zum ersten Mal nach Sizilien gefahren - als Andreas Hoppe.

Wie gut ist denn Ihr Italienisch?

Hoppe:Wenn wir uns am Anfang mal redaktionell geeinigt hätten und man immer ein bisschen Italienisch im Tatort gehabt hätte, dann wäre das toll gewesen. Dann wäre ich wahrscheinlich sprachlich schon etwas weiter. Es ist eine wunderschöne Sprache. Manchmal passierte aber jahrelang diesbezüglich gar nichts. Ich habe natürlich immer fleißig geübt, damit es sich zumindest einigermaßen anhört und man niemandem auf den Schlips tritt.

Kopper ist ja nur eine von vielen Rollen, aber Ihre bekannteste. Haben Sie das Gefühl, auf diese Rolle reduziert zu werden?

Hoppe:Es ist sicherlich so, dass ich einen Stempel davon mitgenommen habe, weil ich es auch so lange gemacht habe. Auf der anderen Seite habe ich auch die ganzen Jahre für diese Figur gekämpft und fand das eine tolle Rolle. Ich erlebe heute noch, dass Leute eine große Sympathie für Kopper haben, und die nutzt mir natürlich in einigen Punkten auch. Ich habe auch in den letzten Jahren nach dem Tatort durchaus gedreht. Aber diese Top-Popularität - da kann man, glaube ich, noch ein paar Jahre drehen und Auftritte haben, ohne dass es so prominent wird. Doch das finde ich nicht weiter schlimm. Kopper war Teil meines Lebens, ziemlich lange und auch durchaus positiv.

Werden Sie manchmal als Kopper angesprochen?

Hoppe:Fragen Sie mich lieber umgekehrt. Lange Zeit war es wirklich ständig so, auch auf der Straße: "Ey Kopper!" Das fand ich dann manchmal sehr lax. Aber die Verwechslung kommt schon oft, die Namen sind ja auch recht nah beeinander. Neulich sagte eine Buchhändlerin "Herr Koppe". Ich sage: "Ne, Hoppe". Das war ihr füchterlich peinlich, aber ich bin das über viele Jahre gewohnt.

Quelle: Gießener Allgemeine

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