Aller guten Dinge sind drei: Haussperlinge am Futterhaus in Nonnenroth.
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Aller guten Dinge sind drei: Haussperlinge am Futterhaus in Nonnenroth.

Warten auf den Spatz: »Stunde der Wintervögel« mit Rekordbeteiligung

  • vonPatrick Dehnhardt
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Der Nabu und die Vogelschutzgruppe Hausen riefen an diesem Wochenende zur »Stunde der Wintervögel« auf. Ein Selbstversuch in Nonnenroth.

In der Hecke neben der Futterstelle tummeln sich acht Spatzen. Als sie bemerken, dass ich die Haustür öffne, ist erst einmal Großalarm. Sofort ergreifen die Vögel die Flucht. Na, der Selbstversuch fängt ja gut an!

Der Nabu rief für das vergangene Wochenende dazu auf, bei der »Stunde der Wintervögel« mitzumachen. Da sollte man sich eine Stunde lang ans Fenster, vors Haus oder - wer hat - auf die eigene Wiese setzen und Vögel zählen. In Zeiten von Lockdown und Kontaktbeschränkungen eine willkommene Abwechslung.

Steckbriefe als Hilfe

Amsel, Spatz, Elster und Blaumeise zu erkennen sind für mich als Dorfkind kein Problem. Bei manchen Vögeln muss aber auch ich zweimal hingucken, um zu sehen, was ich da vor mir habe. Man muss jedoch kein Vogelspezialist sein, um bei der Aktion mitzumachen: Der Nabu hat auf seiner Internetseite Steckbriefe der meisten anzutreffenden Vogelarten hinterlegt.

Wenn ich hier direkt neben dem Futterhäuschen stehen bleibe, dürften die Beobachtungszahlen jedoch wohl kaum besonders hoch werden. Darum setze ich mich warm eingepackt in das direkt daneben geparkte Auto, lege die Kamera bereit. Nun wird es spannend.

Wer beobachtet wen?

Bereits einen Augenblick später wird der Beobachter zum Beobachteten: Die Spatzen nehmen mich vom Nachbarhaus ins Visier, checken ab, ob ich eine Gefahr bin. Nicht einmal von der Nachbarskatze lassen sie sich bei ihrer Beobachtung stören - gut, mit Glöckchenhalsband hat sie sowieso keine Chance, ihnen unbemerkt zu nahe zu kommen.

Dann traut sich der erste Spatz über die Straße. Schnell folgt ihm der Rest, am Ende sind es neun Stück. Von einem Baum aus wird noch einmal die Lage sondiert, dann zum Angriff aufs Futterhaus geblasen, beziehungsweise gepfiffen. Während sich drei auf die bereitgelegte Körnermischung stürzen, halten andere Vögel Wache. Ein Spatz scheint sich über seine Art nicht ganz im Klaren zu sein und macht sich über die Meisenknödel her. Naja, hauptsache es schmeckt. Kinderschokolade ist ja schließlich auch nicht nur für Kinder.

Rekordbeteiligung am Freitag

Bereits seit einigen Jahren ruft der Nabu zur »Stunde der Wintervögel«, im Frühling dann zur »Stunde der Gartenvögel« auf. »Da kann jeder mitmachen, egal ob Nabu-Mitglied oder nicht«, sagt Anette Barghi von der Vogelschutzgruppe Hausen.

Der Platz im Auto ist gut gewählt. Nur anderthalb Meter von mir entfernt tummeln sich die Spatzen, lassen sich problemlos und ohne Fernglas beobachten. Nur als eine Gruppe Spaziergänger sich nähert, ergreifen sie sofort die Flucht. Zehn Minuten lang passiert nichts mehr, außer dass der Schnee auf dem Dach des Nachbarhauses schmilzt. In der Ferne fliegt eine Elster vorbei. Na, die wird mal mitnotiert.

Während sich bei meiner Vogelzählung zunächst keine Spitzenwerte abzeichnen, freut sich der Nabu über zahlreiche Teilnehmer: Am Freitag haben bereits 13 000 Vogelbeobachter ihre Ergebnisse gemeldet - das gab es noch nie. Der Nabu vermutet auf seiner Internetseite, dass dies auch am Lockdown und Home-Office liegen könnte. 2020 hatten 143 000 Menschen bei der Vogelzählung mitgemacht.

Online-Meldung bis 18. Januar

Nach einer Viertelstunde werden die Finger kalt, dafür kehren aber auch die Spatzen zurück. Als kurz darauf wieder Spaziergänger vorbeikommen, ziehen sie sich nur in die Tujahecke der Nachbarin zurück und lassen laute Protestpfiffe wegen dieser Störung hören. Das macht Hoffnung auf eine baldige Rückkehr.

Moment - wenn die jetzt wiederkommen, muss ich die dann nochmal zählen? Anette Barghi schmunzelt hörbar, als ich ihr am Telefon diese Frage stelle. »Natürlich nicht. Es zählt immer der Maximalwert einer Vogelart pro Stunde.« Wenn zunächst sechs Spatzen am Futterhaus sind, später dann drei, dann werden diese nicht addiert, sondern schlagen am Ende die sechs Spatzen zu Buche. »Wenn ich zehn Mal eine Amsel gesehen habe, melde ich nur eine Amsel.«

Die Amsel, die sonst am Futterhaus Dauergast ist, lässt sich heute jedoch lange Zeit nicht blicken. Nach einer Stunde gehe ich wieder ins Warme. »Die Zählergebnisse konnte man am Wochenende über eine Hotline melden«, erklärt Barghi. »Außerdem kann man sie noch bis 18. Januar im Internet unter www.nabu.de/onlinemeldung eintragen.«

Dabei will der Nabu auch wissen, ob man an einer Futterstelle gezählt hat oder nicht, ob es ein Garten oder in freier Natur war, ob man am Feldrand oder mitten im Dorf wohnt. In einigen Tagen dürften dann die Ergebnisse der Vogelzählung vorliegen. Mal sehen, wer dann bei uns in der Region den Schnabel vorne hat.

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