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In Hungen pflanzen Vertreter der Stadt und der Religionsgemeinschaften einen Baum und setzen einen Stein.

»Mit jedem Menschen stirbt eine Welt«

  • vonConstantin Hoppe
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Hungen (con). Zum bundesweiten Trauertag der Pandemie-Opfer wurde auch in Hungen im Rahmen einer Gedenkstunde der Toten der vergangenen Monate gedacht: »Die Corona-Pandemie hat uns vor Augen geführt, wie verletzlich unsere Gesellschaft trotz allen wissenschaftlichen Fortschritts ist«, wandte sich Bürgermeister Rainer Wengorsch an die Teilnehmer der Gedenkstunde.

Mehr als 30 Personen waren der Einladung auf den Hungener Friedhof gefolgt, um dort gemeinsam zu trauern - selbstverständlich unter Einhaltung von Mindestabstand und dem Tragen von Masken. Neben dem Bürgermeister nahmen Vertreter aller vier in Hungen vertretenen Glaubensgemeinschaften an der Zeremonie teil; Pfarrer Marcus Kleinert (Evangelische Kirchengemeinde Hungen), Pfarrer Martin Sahm (Katholische Pfarrgemeinde Hungen), Gemeindevorsteher Michael Ehrnsperger (Neuapostolische Gemeinde Hungen) und Hoca Serdar Basali (Türkisch-muslimische Gemeinde Hungen).

Der Gedenktag ist insbesondere für die Angehörigen der Verstorbenen ein wichtiges Zeichen: Denn in Zeiten von Kontaktbeschränkungen ist es oft nur schwer möglich, Anteilnahme zu bekunden. »Wir müssen zeigen, dass uns die Toten nicht egal sind, dass sie nicht eine bloße Zahl in der Corona-Statistik sind, sondern dass wir uns der dahinterstehenden Schicksale bewusst sind«, führte Wengorsch am Sonntag aus.

Als Zeichen der Erinnerung an die Opfer der Pandemie wurde ein Baum gepflanzt. Zudem soll eine Gedenktafel die Anteilnahme ausdrücken. Die Inschrift, ein Wort von Gerhart Hauptmann: »Mit jedem Menschen stirbt eine Welt«.

Annähernd 80 000 Menschen sind in Deutschland im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion verstorben, davon über 300 Menschen im Landkreis Gießen. Die Fahnen an der Kreisverwaltung waren deshalb gestern auf Halbmast gesetzt. Landrätin Anita Schneider sprach von einem » Tag des Innehaltens und der gesellschaftlichen Anteilnahme. Gerade vor dem Hintergrund, dass Verstorbene oft nicht von ihren nächsten Angehörigen getröstet und gestärkt werden konnten und somit auch kein Abschiednehmen möglich war. Dies erzeugt unvorstellbares Leid und eine besondere Last für die Angehörigen.«

In einem Livestream mit Videobeiträgen gedachten Landrätin Schneider, Erste Kreisbeigeordnete Dr. Christiane Schmahl, hauptamtlicher Kreisbeigeordneter Hans-Peter Stock sowie der ehrenamtliche Kreisbeigeordnete Johann Gottfried Hecker der Verstorbenen der Corona-Pandemie und deren Angehörigen. Auch Mitarbeiter des Gesundheitsamtes stellen brennende Kerzen als Zeichen der Anteilnahme in ihre Fenster. Musikalisch begleitet wurde der Beitrag von Robert Varady (Violine) und Vassily Dück (Akkordeon).

Auch in einigen Kirchengemeinden der Dekanate im Gießener Land wurde in verschiedenen Formen der Opfer der Corona-Pandemie gedacht, unter anderem in Hungen, Lich, Villingen und Nonnenroth, Allendorf/Lumda und Treis.

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