Mitbegründer Adolf Hampel (links) führt in eine Foto-Ausstellung über die Anfänge der Eigentümergemeinschaft vor 40 Jahren im Hungener Schloss ein.
+
Mitbegründer Adolf Hampel (links) führt in eine Foto-Ausstellung über die Anfänge der Eigentümergemeinschaft vor 40 Jahren im Hungener Schloss ein.

40 Jahre Eigentümergemeinschaft Schloss Hungen

Hungen (dv). Großen Zuspruch hat am Sonntag das Fest der Eigentümergemeinschaft Schloss Hungen zu ihrem 40-jährigen Bestehen gefunden. Schon die Eröffnung der Jubiläumsfeierlichkeiten mit einem Kammerkonzert des Trios "Divertimento Francoforte" im überfüllten Blauen Saal des Schlosses zeugten von dem großen Anklang.

Das Ensemble wurde 2009 zu Joseph Haydns 200. Todestag gegründet. Das Besondere an dem Trio ist ein Baryton, ein Streichinstrument des späten 17. Jahrhunderts, das das Lieblingsinstrument des Grafen Esterhazy, des Dienstherrn von Haydn, war. Drei der 120 Trios für Baryton, Viola und Violincello, die Haydn schrieb, hatten die Künstlerinnen Roswitha Bruggaier, Hiltrud Hampe, Viola und Lydia Blum ausgewählt. Die Künstlerinnen boten eine virtuose Leistung und hatten nach dem großen Beifall noch eine lockere Zugabe.

Der Geschäftsführer der Eigentümergemeinschaft, Alexander Wurz, verglich in seinem Grußwort die Entstehungszeit der Gemeinschaft 1973/74 mit einem Überraschungs-Ei, denn diese habe es immer wieder gegeben. Dorothea Gundlach, Vorsitzende des Freundeskreises Schlosses Hungen, überreichte der Schlossgemeinschaft einen symbolischen Spendenscheck über 1500 Euro. Die Spende ist ein Dankesschön, so Gundlach, weil die Eigentümergemeinschaft dem Freundeskreis immer wieder kulturelle Veranstaltung im Blauen Saal, dem Pferdestall und der Parkanlage ermöglicht.

Anschließend ist im Pferdestall des Schlosses eine Ausstellung von Fotografien aus der Entstehungszeit eröffnet worden. Auch hier war der Raum voller Gäste. Professor Adolf Hampel erinnerte in seiner humorvollen Art an die Übergabe des Schlosses durch das fürstliche Haus Solms-Braunfels gegen den Betrag von einer Mark an die Interessentengruppe. "Wir waren damals tatkräftig, aber unwissend und ein bisschen verrückt", so Hampel. Drei der Begründer leben noch heute im Schloss, in dem es mittlerweile 21 Wohnungen gibt. Aus verschiedensten Gründen gab es eine ständige Fluktuation, aber es herrschte immer Einvernehmen, so Hampel. "Wir sind in 40 Jahren ohne Prozess ausgekommen, nicht einmal einen Rechtsanwalt haben wir gebraucht."

Hungens Bürgermeister Rainer Wengorsch machte deutlich, dass der Denkmalschutz nicht nur steinerne Statuen, sondern auch gewachsene Gebäude und Siedlungen betreffe und nicht nur Last, sondern auch Freude bringe. Privates Engagement sei dafür unabdingbar. Sowohl die Stadt als auch die Kirche hätten damals aus finanziellen Gründen die Übernahme abgelehnt, und so bot der Besitzer Graf Hans Georg Oppersdorff das desolate Schloss zum Geschenk an.

Hampel fand nicht nur idealistische Mitstreiter, sondern auch die Zustimmung des Denkmalschutzes. Hungen könne sich glücklich schätzen, mit den Veranstaltungen im Blauen Saal und dem Pferdestall einen so wichtigen Träger des kulturellen Lebens zu haben.

Graf Johann von Oppersdorff war auch zu dem Jubiläum gekommen und hatte aus Braunfels eine Glocke des Schlosses mitgebracht, die sich nun im Glockenturm über dem Tor zum Seitentrakt befindet.

Am Nachmittag unterhielten die Musiker der "Akustik All Stars" im Schlosshof und die jungen Besucher übten mit Sebastian Hartings Zirkuskunststücke wie Jonglage und Tellerdrehen.

Quelle: Gießener Allgemeine

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare