Festakt in Hungen zum Partnerschaftsjubiläum

Hungen (dv). Der zweite Tag der Hungener Europawoche stand ganz im Zeichen der Jubiläumsfeier der Partnerschaft mit der französischen Stadt Saint- Bonnet-de-Mure, die seit 25 Jahren besteht.

Hungens Bürgermeister Rainer Wengorsch sagte bei der Begrüßung in der Stadthalle, dass es 1988 noch Schwierigkeiten im deutsch-französischen Verhältnis gegeben habe. Die Ressentiments der Vergangenheit seien noch lebendig gewesen. Der Beginn der Partnerschaft mit St. Bonnet de Mure sei ein bedeutendes Symbol neuer deutsch-französischer Beziehungen gewesen. Seitdem begegnen sich Bürger beider Städte nicht nur auf der offiziellen Ebene. Kontakte zwischen Vereinen oder Privatpersonen seien eine Selbstverständlichkeit geworden.

"Ein Pfeiler Europas"

"Den gemeinsamen Willen zu einem friedlichen Zusammenleben wollen wir heute in besonderer Weise hervorheben" sagte Wengorsch aus. Die Begegnungen auf der untersten Ebene seien einer der Pfeiler des Vereinten Europa, das man bei allen Schwierigkeiten nicht kaputt reden dürfe. Er sei sicher, dass die Partnerschaft auch noch die "Goldene Hochzeit" werde feiern können.

Als besonderer Ehrengast ergriff der stellvertretende französische Generalkonsul Stanislas Mrozek das Wort. Es sei ihm eine Ehre, im Jubiläumsjahr auch des "Elysée-Vertrages" die Hungener Partnerschaft mit einer französischen Stadt mitzufeiern. Seit 50 Jahren seien die guten deutsch-französischen Beziehungen Realität und mehr als eine Versöhnung. 2300 Städtepartnerschaften gebe es inzwischen, davon 261 in Hessen. Seit 1963 hätten acht Millionen deutsche und französische Jugendliche an Austauschprogrammen teilgenommen. Die derzeitige Krise in der Europäischen Union werde in Frankreich anders analysiert als in Deutschland. Aber fest stehe: "Wenn es Europa schlecht geht, wird es allen nicht gut gehen." Es müssten Lösungen gefunden werden, die auch aus freundlichen Spannungen entstehen könnten.

Jean-Pierre Jourdain, als Bürgermeister von St. Bonnet seit zwölf Jahren im Amt, sagte, er freue sich, diese 25 Jahre Partnerschaft zu feiern. Er habe eine gute Beziehung zum heutigen Bürgermeister Wengorsch und beide teilten den Wunsch, diese Partnerschaft zu pflegen. Wie auch die anderen Redner zitierte er Robert Schuman, der als französischer Außenminister wesentlich zur Gründung der Montanunion beigetragen habe und damit den Grundstein für ein geeintes Europa gelegt habe.

Für den Partnerschaftsverein Hungen sagte der Vorsitzende Josef Tonner, parallel zur Städtepartnerschaft bestehe der Verein ebenfalls 25 Jahre. Für ihn sei es eine Verpflichtung, diese Beziehung zu pflegen und weiter zu vertiefen. Er erinnerte an die vielen Aktivitäten der vergangenen Jahrzehnte. Es gelte nun, junge Menschen für die Pflege internationaler Beziehungen zu gewinnen. Die Jugend müsse den europäischen Gedanken weitertragen. "Wir sind zusammengewachsen und haben dabei in Respekt, Achtung und Toleranz voreinander unsere eigene Identität und Kultur bewahrt".

Am Ende meinte Tonner: "Wenn es diese Freundschaft nicht gäbe, würden wir sie heute wieder schließen."

Die Vorsitzende des Comité de Jumelage, Hélène Branche, erhielt Beifall für ihr zweisprachig vorgetragenes Grußwort. Aus einer Verknüpfung freundschaftlicher Beziehungen unter Bewohnern beider Städte habe sich vor 25 Jahren eine Partnerschaft entwickelt. Aus Begegnungen, Projekte und Taten sei eine Freundschaft gewoben worden.

Jeder habe seine Tradition und eine eigene Identität. Aber man habe auch eine gemeinsame Zukunft, die einen dauerhaften Frieden garantiere. Die deutsch-französische Freundschaft sei kein leeres Wort, sondern werde von den Bürgern beider Städte gelebt.

Landrätin Anita Schneider gratulierte zum Jubiläum und hob die Europawoche als fest etabliert in Hungen hervor. Beides sei ein klares Bekenntnis für das Zusammenfinden von Menschen über die Grenzen hinweg.

Wilfried Schmied war vor 25 Jahren Bürgermeister in Hungen und somit maßgeblich am Zustandekommen der Partnerschaft beteiligt. In all seinen Dienstjahren als Bürgermeister, Erster Kreisbeigeordneter und Regierungspräsident sei die Begründung dieser Städtefreundschaft eines der wichtigsten Ereignisse gewesen. Schmied gratulierte zu der gelungenen Entwicklung und erinnerte an all jene, die dazu beigetragen haben, aber mittlerweile verstorben sind oder aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr dabei sein können. Stellvertretend für viele nannte er Dr Jacques Bandet, Christian Barthomieu, Gabriel Dubrois, Lilli Lardon, Jean Immer, "Schorsch" Georg Müller, Josef Kafka und Martin Schunke.

Unterhaltungsprogramm

Der Festnachmittag wurde zweisprachig von Ulrike Haupt vom Hungener Kulturamt moderiert. Nach einem musikalischen Beitrag des Obbornhofener Vokalensembles Lampenfieber traten Schüler der Gesamtschule auf. Sie hatten erarbeitet "was Schülern zur deutsch-französischen Freundschaft einfällt". Unterstützt durch ein Plakat mit den Schlagworten trugen zwei Schüler dies zweisprachig vor.

Es folgte der feierliche Augenblick der Besiegelung der 25-jährigen Partnerschaft. Das Forum Internationale Partnerschaft verlieh den beiden Städten aus diesem Anlass eine Ehrenurkunde. Darin werden die Aktivitäten der Partnerschaft gewürdigt. Eine Bläsergruppe der Gesamtschule unter Leitung von Ulrike Theiß spielte die Nationalhymnen und die Europamelodie.

Nach der Kaffeepause folgte der unterhaltsame Teil der Veranstaltung. Die Kunstradfahrer des Radfahrervereins Germania zeigten ihr Können, und eine Tanzgruppe des TV Trais-Horloff trat mit einem Piratentanz auf. Der Judo-Club demonstrierte Übungen aus seinem Trainingsprogramm, und die Kinder des SV Teutonia Steinheim zeigten einen Showtanz. Die Voltigierer des Reit- und Fahrvereins Horlofftal verblüfften auf ihrem Trainings-Holzpferd mit einer akrobatischen Übung. Im Abendprogramm trat zunächst der Gesangverein Eintracht Villingen auf. Mambo und Cha-Cha-Cha demonstrierte die Lateinformation des Tanzclubs Blau-Gelb. Zum Thema "Frankreich – so nah und doch so fern" hatte sich Alexander Wurz Gedanken gemacht.

Der Hungener betrachtet seit 15 Jahren das persönliche und wirtschaftliche Verhalten von Deutschen und Franzosen und hat dabei einige gravierende Unterschiede festgestellt: Während in Deutschland Pünktlichkeit und Fakten im Vordergrund stünden, agierten die Franzosen eher emotional.

Der Hungener Gesangverein "Liederkranz unter Leitung von Jürgen Schöffmann trat zunächst mit dem Männerchor auf und danach mit dem Gemischten Chor gemeinsam mit den Sängern von Frohsinn Steinheim. Eine Formation des Hungener Tanzclubs zeigte einen orientalischen Schleiertanz und einen Bauchtanz. Zum Abschluss trafen sich die Vertreter der Städte und Vereine zum Austausch von Jubiläumsgeschenken auf der Bühne.

Quelle: Gießener Allgemeine

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