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Besuch von Ziegenbock Leo beim Ortstermin an der Schäferwagen-Herberge: (v. l.) Werner Leipold, Doris Wirkner, Pfarrerin Dr. Tina Bellmann, Martin Luther mit Regenbogentuch, Pfarrer i.R. Hartmut Lemp und Jan-Niklas Volk.

Als Luther das Gießener Land querte

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Hungen (pm). Als Martin Luther vor 500 Jahren auf dem Weg zum Reichstag nach Worms war, kam er auch durch das Gießener Land. Die Schäferwagen-Herberge in Nonnenroth feiert dieses Jubiläum mit einer besonderen Aktion: Regional und überregional bekannte Persönlichkeiten haben Bibeltexte zum Thema Schäfer und Schafe eingelesen, die an der Herberge am Lutherweg 1521 zu hören sind.

»Wenige Tage vor der Anhörung vor dem Kaiser in Worms am 18. April 1521 muss der Reformator auf seinem Weg über die ›Kurze Hessen‹ hier in der Nähe vorbeigekommen sein«, erklärt Hartmut Lemp. Luther und seine Begleiter nutzten diese seit dem Mittelalter sogenannte kürzere Verbindung zwischen Eisenach und Frankfurt. Ob der Reformator nach seiner Übernachtung in Grünberg über Lich oder Nonnenroth seinen Weg fortsetzte, ist nicht vollständig geklärt. Beide Kommunen reklamieren dieses Privileg aufgrund eines Furier-Zettels für sich. Dieser unklare Befund sorgt aber für eine Besonderheit am Lutherweg 1521. Durch die Gabelung in eine Ost- und eine Westspange entstand zwischen Lich und Hungen ein landschaftlich attraktiver Rundweg, der eben auch an der Schäferwagen-Herberge vorbeiführt.

Obwohl wegen der Corona-Pandemie die Anlage derzeit nur von außen zu besichtigen ist, lohnt sich dank der Bibellesungen an der Luther-Skulptur ein Tagesausflug zur Schäferwagen-Herberge. Zusammen mit einigen Hirten und Schafen aus Holz wartet der sitzende Luther unter einem schützenden Dach auf Besucher.

Die können mit dem Druck auf einen großen, roten, am Boden verschraubten Schalter die Tonaufnahme mit den Bibellesungen auslösen. Gegenwärtig ist zum Beispiel die Stimme von Hermann-Otto Solms (ehemaliger Vizepräsident des Bundestags und FDP-Ehrenvorsitzender) zu hören. Er gehört zu den 27 Personen aus Politik, Wirtschaft, Kirche und Gesellschaft, die sich auf den Aufruf der Kirchengemeinde gemeldet und eine Bibelstelle gelesen haben.

Der ehemalige Nonnenröther Pfarrer Lemp, der die Aktion Anfang des Jahres angestoßen hat, unterstreicht, dass alle, die sich beim Kirchenvorstand melden, als Lesende willkommen sind.

Mit den Bibellesungen aus vielen verschiedenen Stimmen wollen die Betreiber der Schäferwagen-Herberge das ganze Jahr über an dieses für evangelische Christen bedeutsame Jubiläum erinnern. Der Weg Luthers nach Worms könne als weltveränderndes und welthistorisches Ereignis nicht hoch genug eingeschätzt werden, betont Lemp.

Er freut sich mit Pfarrerin Dr. Tina Bellmann, Ortsvorsteher Werner Leipold, Kirchenvorstandsmitglied Jan-Niklas Volk und der Referentin für Gesellschaftliche Verantwortung und Bildung in den Dekanaten des Gießener Lands, Doris Wirkner, über den großen Zuspruch für die Aktion.

Dass Luther mit einem Halstuch in Regenbogenfarben geschmückt wurde, zeigt nach Einschätzung der Verantwortlichen, wo der Reformator in der Frage der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare heute stehen würde.

Seit drei Jahren betreibt die Kirchengemeinde Nonnenroth die Unterkunft für Wanderer und Pilgerinnen direkt am Lutherweg 1521. Zu den Holzfiguren, die befreundete weißrussische Bildhauer zum Reformationsjubiläum 2017 angefertigt haben, gesellte sich auch eine Lutherfigur, die am Eingang der Schäferwagen-Herberge die Gäste begrüßt.

Thesen hinterlassen

Sobald die Unterkunft in diesem Jahr wieder geöffnet werden darf, erwarten die Betreiber zahlreiche Menschen, die den Lutherweg 1521 gehen, sich die überlebensgroßen Reformationsfiguren in Nonnenroth anschauen und in der Schäferwagen-Herberge übernachten und sich die Lesungen aus der Lutherbibel anhören.

Wem in Erinnerung an Luthers Auftritt in Worms noch weitere Thesen im Sinne des Reformators einfallen, kann diese an der Kirchentür neben dem großen Lutherstandbild an der Kirche hinterlassen.

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