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»Allerlei(h)« in Hungen ist neu und nachhaltig

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Von: Ursula Sommerlad

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Leihen statt kaufen: Diese Idee findet immer mehr Anhänger. Auch in Hungen. Dort fällt am kommenden Samstag im Kulturzentrum der Startschuss für eine neue Leihothek.

Hungen - Stabile Regale, ein alter Bauernschrank, eine Empfangstheke mit Laptop und, ganz wichtig, jede Menge Stauraum unter der Dachschräge der alten Grundschule: Mit diesen Zutaten wollen zwei Hungener Vereine eine pfiffige Idee in die Tat umsetzen. »Bürger für Bürger« und »Kulturzentrum Hungen e.V.« gehen mit einer »Leihothek« an den Start.

Dort wird man sich künftig allerlei praktische Dinge ausleihen können, die man in besonderen Situationen unbedingt braucht, im Alltag hingegen eher selten. Zum Beispiel einen Tapeziertisch. Ein Kaffeegeschirr für 20 Personen. Oder einen XXL-Kochtopf mit 15 Litern Fassungsvermögen. »Man muss doch nicht alles kaufen«, findet Andrea Krüger, die Vorsitzende von »Bürger für Bürger«. Leihen sei viel nachhaltiger.

Ausgehend von dieser Grundidee überlegte sie eine Weile hin und her, »und dann habe ich Klaus gefragt.« Klaus: das ist Klaus Holler, Vorsitzender des Kulturzentrum-Vereins. Gemeinsam entwickelten die beiden das Konzept für den Verleihladen mit dem treffenden Namen »Allerlei(h)«. Am Samstag, beim Adventsmarkt, soll er erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt werden. »Dann sind die Leute ohnehin im Haus«, sagt Krüger.

Dass sie für »Allerlei(h) ordentlich die Werbetrommel rühren müssen, ist den beiden Initiatoren bewusst. Krüger macht sich nichts vor. »Das muss sich erst einmal rumsprechen, dass es in Hungen so etwas gibt.« Aber nicht nur künftige Kunden sollen für »Allerlei(h)« gewonnen werden, auch weitere Mitstreiter sind willkommen. Außerdem wollen die Organisatoren gezielt um Sachspenden werben, denn das Sortiment befindet sich noch im Aufbau. Den Grundstock konnten die Initiatoren dank einer Anschubfinanzierung der Bürgerstiftung Mittelhessen aufbauen. »Ohne diese 2000 Euro hätten wir alt ausgesehen«, weiß Krüger.

Sie und Holler mussten für die »Leihothek« das Rad nicht neu erfinden. Sie haben sich bei ähnlichen Institutionen in Maintal und Marburg Anregungen geholt und außerdem Kontakt mit den Betreibern der Leihothek an der Universität Münster aufgenommen. Deren Macher haben für die Ausleihe ein Online-Portal entwickelt, das sie den Hungenern als Provider zur Verfügung stellen.

»Das selbst zu programmieren, wäre viel zu aufwändig gewesen«, erläutert Holler. Eine Schwierigkeit allerdings konnte nur vor Ort gelöst werden: einen passenden Raum zu finden. Als die Hungener Tafel im September das Dachgeschoss des Kulturzentrums frei machte, schlug die Stunde für »Allerlei(h)«. Der Verleihladen teilt sich den Raum mit der Kleiderkammer für Geflüchtete aus der Ukraine. »Für die Ausgabe brauchen wir ja nicht viel Platz«, sagt Krüger. Wichtig sei die Lagerfläche weiter hinten unter der Dachschräge.

Noch ist das Angebot ausbaufähig. Schwerpunkte liegen auf Haushalt, Party und Handwerk. Größere Familienfeste beispielsweise sind ein klassischer Fall, in dem die Leihothek gute Dienste leisten kann. Die Initiatoren haben aber auch an spezielle Personengruppen gedacht. Großeltern zum Beispiel. Sie können, wenn das Enkelkind zu Besuch kommt, ein Reisebett oder einen Autositz leihen. Und wer kein begnadeter Handwerker ist, aber trotzdem mal ein Regal aufstellen möchte, findet hier Bohrmaschine und Akkuschrauber. Größere Baumaschinen wollen die Organisatoren nicht ins Sortiment aufnehmen. »Dafür gibt es Firmen. Wir wollen niemandem Konkurrenz machen«, betont Krüger.

Die Ausleihe erfolgt über das Portal »leihothek.de«. Dort kann man das Angebot einsehen, sich über die Gebühren informieren und den gewünschten Gegenstand auch für sich reservieren. Voraussetzung: »Sie müssen sich als Nutzer registrieren«, wie Klaus Holler erläutert. Die Leihgebühr wird üblicherweise über PayPal beglichen. Aber keine Angst: Wer nicht gerne digital unterwegs ist, kann auch telefonieren, einfach vorbei kommen und in bar bezahlen.

»Allerlei(h)« ist übrigens nicht die einzige Verleihinitiative in Hungen. Parallel dazu gibt es in der Stadtbücherei unter Regie von Anne Dietz die »Bibliothek der Dinge«. »Wir sind zeitgleich auf eine ähnliche Idee gekommen«, erzählt Krüger. Beide Initiativen arbeiteten getrennt voneinander. Man habe sich die Sortimente aufgeteilt. »Bei Frau Dietz gibt es Büro- und Bastelbedarf, Spiele und Sachen für den Kindergeburtstag, bei uns den Rest.«

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