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Pflegenest im Seniorenzentrum?

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Von: Rüdiger Soßdorf

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Die Gemeinde Heuchelheim will im neuen Seniorenzentrum ein Pflegenest zur Kleinkinder-Betreuung einrichten. ARCHIV © DPA Deutsche Presseagentur

Heuchelheim (so). Geeigneter Raum zur Kinderbetreuung ist ein rares Gut. Deshalb greift die Gemeinde Heuchelheim jetzt zu: Sie erwirbt Räumlichkeiten von 149 Quadratmetern plus 61 Quadratmeter Terrasse im Erdgeschoss des neuen »Seniorenzentrums Heuchelheim« der Firma ABID im Linnpfad und will diese Tageseltern zur Verfügung stellen. Tageseltern können dort vornehmlich Kinder unter drei Jahren in einem so genannten »Pflegenest« betreuen.

Das hat die Gemeindevertretung am Dienstag auf Antrag von Bürgermeister Lars Burkhard Steinz kurzfristig beschlossen. Zustimmung gab es aus der Kooperation von CDU, Freien Wählern, FDP und KWI. Dagegen stimmte die SPD; die Grünen enthielten sich.

Die Opposition sieht noch Fragen offen: Warum gleich Kauf und nicht Miete? Was ist, wenn die Räume - eigentlich als Arztpraxis konzipiert - nicht mehr benötigt werden? Lässt sich dann eine solche »Spezialimmobilie« womöglich nur erschwert weiterveräußern? Gibt es Alternativen an anderen Standorten in der Gemeinde? Hat man sich ausreichend um solche bemüht? Deshalb hätten SPD und Grüne gerne vor einer Entscheidung weiter vertiefend beraten. Steinz und die Kooperation drängten derweil auf eine Entscheidung.

Angedacht ist laut Bürgermeister Lars Burkhard Steinz folgendes Konstrukt: Die Kommune richtet die Räumlichkeiten her. Zusammen mit dem Gießener Verein »Eltern helfen Eltern« werden zwei Tageseltern ausgewählt. Mit diesen wird ein Mietvertrag geschlossen. Es können dann bis zu zehn Kleinkinder im neuen Pflegenest betreut werden. In Heuchelheim gibt es zwar Menschen, die Interesse an einer Arbeit als Tagesmutter oder Tagesvater haben. Das scheitert derweil oft daran, dass die Interessenten selten geeignete Räumlichkeiten zur Verfügung haben, weiß man im Rathaus.

Steinz: »Die schon auf einem sehr guten Niveau befindliche Kinderbetreuung wird auf diese Weise weiter verbessert und die Eltern bekommen zusätzlich eine erhöhte Verlässlichkeit für ihre Bedürfnisse an Betreuung geboten.« Denn gerade für die Kinder ab dem ersten Lebensjahr ist es nicht so leicht, umgehend einen Betreuungsplatz bereitzustellen. So gibt es alljährlich einen Engpass bei den Plätzen für Kleinkinder zwischen 12 und 18 Monaten. Nach wenigen Wochen bis einigen Monaten Wartezeit gelingt laut Steinz in der Regel auch die Unterbringung. Aber, so räumt der Bürgermeister ein: »Dies ist verbunden mit einem gewissen Unmut in der Elternschaft.« Da soll das neue Angebot nun abfedern helfen.

Die Finanzierung

Der Kaufpreis liegt bei rund 480 000 Euro; Für die Räume werden 2700 Euro/Quadratmeter in Rechnung gestellt. Laut Steinz »moderat«, verglichen mit aktuell aufgerufenen Neubaupreisen in der Region zwischen 3500 bis 3800 Euro pro Quadratmeter. Mag sein, hält dem die SPD entgegen. Und macht eine andere Rechnung auf: Der Kaufpreis für die Räume ist gut die Hälfte dessen, was ABID ehedem an die Gemeinde für den Festplatz bezahlt hat, auf dem jetzt das Seniorenzentrum steht.

Der Bürgermeister räumt ein, dass eine angestrebte unmittelbare Gegenfinanzierung derzeit nicht ohne Weiteres möglich ist. Eigentlich war daran gedacht, ABID um Gegenzug die noch freie Fläche des Festplatzes (ohne Spielplatz) zu verkaufen. Dort bestehe großes Interesse am Erwerb - allerdings nicht jetzt gleich, sondern erst zu einem späteren Zeitpunkt.

Das für den Ankauf der Räume nötige Geld soll in einem Nachtrag zum Gemeindehaushalt 2022 bereitgestellt werden. Dort werde auch eine Gegenfinanzierung abzulesen sein. Der Bürgermeister erwartet für dieses Jahr 880 000 Euro mehr an Gewerbesteuereinnahmen.

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