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In Flensungen stellen die Mitarbeiter der Straßenmeisterei Grünberg das neue Plakat auf.

Die Straße gehört keinem allein

Grünberg/Gießen (pad). "Du bist nicht allein" – den Schlager von Roy Black dürfte eher so mancher Autofahrer als ein Motorradler summen, wenn er auf den hessischen Straßen unterwegs ist. Doch beide – und Lastwagenfahrer – will die Aktion "Sicher unterwegs in Hessen" mit ihrem neuen Plakat ansprechen.

Das Wort "Allein?" ist darauf über einem Motorrad zu sehen, dessen Fahrer in einer Seifenblase unterwegs ist.

Am Dienstag brachten die Straßenwarte Joachim Hoffmann und Bernd Dörr von der Straßenmeisterei Grünberg die neue Tafel zusammen mit Leiterin Michaela Nägler an der Bundesstraße 49 zwischen Grünberg und Mücke an. Das Motiv hängt zudem an der Bundesstraße 457 zwischen Hungen und Rodheim, bei Annerod und am Ortseingang von Lindenstruth (B 49).

Wer nun ein Déjàvu hat, hat ein gutes Gedächtnis: Bereits 2005 war auf Plakaten dasselbe Motiv an hessischen Straßen zu sehen. Jedoch ist nicht Sparsamkeit, sondern die im letzten Jahr gestiegene Zahl von Unfalltoten Grund dafür, dass man es wieder verwendet. 52 Motorradfahrer kamen 2015 in Hessen ums Leben, fünf mehr als im Vorjahr. Zudem wurden 935 schwer, 2312 leicht verletzt. An 4087 Unfällen waren Motorräder beteiligt – 2006 waren es 4971. Man will damit für ein Miteinander und Rücksichtnahme unter den Verkehrsteilnehmern werben, statt drohend den Zeigefinger zu heben, sagte Manfred Möll, Koordinator von "Sicher unterwegs in Hessen", bei der Vorstellung in Mücke. Dafür hat man sich den Start der Motorradsaison ausgesucht. Denn wenn die Tage länger werden und die Sonne wieder warm vom Himmel scheint, steigen gerade an Wochenenden mehr Fahrer auf ihre Maschinen, um eine Ausfahrt zu unternehmen.

Unfallschwerpunkt Stadt

Den Zweiradpiloten wird oft eine rasante Fahrweise unterstellt. Dies sei aber nicht Hauptunfallursache, sagte Möll. So komme es häufig zu Unfällen, bei denen Pkw den Motorradfahrern die Vorfahrt nehmen. Aufgrund der im Verhältnis zu einem Auto schmalen Silhouette werden die Zweiräder leichter übersehen, wenn sie etwa von wuchtigen A- und B-Säulen der Fahrgastzelle verdeckt werden. "Der war eben noch nicht da" sei dann oft die Reaktion der Autofahrer.

Dass Raserei nicht die Hauptunfallursache ist, zeigt sich auch daran, dass es vor allem auf den Straßen der Städte zu schweren Unfällen kommt, insbesondere in Frankfurt. "Doch weder entlang der von Bergrennen bekannten Strecken im Taunus und Odenwald oder im gar Grand-Prix-erprobten Vogelsberg (Schottenring) fallen Unfallhäufungen für motorisierte Zweiräder auf", heißt es in der Pressemitteilung von "Sicher unterwegs in Hessen". Hier wollen die meisten Fahrer lieber die Landschaft und die Strecken genießen anstelle rennsportliche Höchstleistungen aufzustellen.

Mit dem neuen Plakat tauscht man turnusgemäß die Tafeln der Winteraktion aus. Unter dem Motto "Dich will ich sehen" hatte man dabei für im Dunklen besser sichtbare helle Kleidung und Reflektoren bei Fußgängern und Radfahrern geworben sowie Fahrzeuglenker auf eine angepasste Geschwindigkeit hingewiesen.

Seit rund 25 Jahren klärt "Sicher unterwegs in Hessen" über Themen der Verkehrssicherheit auf. Aktuell läuft die 50. Kampagne. Einige Motive blieben besonders in Erinnerung, etwa "Wild vorm Wald", bei dem einige Autofahrer den Eindruck hatten, die Augen würden leuchten. Bei "Sehen Sie den Traktor?" war 2012 auf dem Plakat eine lange Kurve im Wald zu sehen. Eine Landmaschine war darauf allerdings trotz intensivem Suchen nicht zu entdecken – denn diese verbarg sich hinter der Kurve von den Bäumen verdeckt. Unterstützt wird die Aktion vom Verkehrsministerium, dem ADAC Hessen-Thüringen, dem TÜV Hessen, der Landesverkehrswacht und HR 3. (Foto: pad)

Quelle: Gießener Allgemeine

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