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Grünberger Wohnmobilpark eröffnet

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Von: Thomas Brückner

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Alle Hürden genommen: Blick auf den neuen »Wohnmobilpark Grünberg«. © Thomas Brueckner

Christina Ziech hat in Grünberg ihren Wohnmobilpark eröffnet. 51 Stellplätze hält sie dort vor. Das Angebot freut auch die Touristiker der Stadt, denn diese Form des Reisens boomt.

Spätestens mit Ausbruch der Corona-Pandemie 2020 erlebte die Branche einen wahren Boom, die Zahl der Neuanmeldungen von Wohnmobilen schoss in Höhe. Aktuell hat sich der Markt zwar etwas abgekühlt (siehe Kasten), doch überzeugt das Versprechen eines vergleichsweise komfortablen Campingvergnügens in den »eigenen vier Wänden«, frei von festen Zielen, Buchungen und Terminen, immer breitere Kreise.

Entsprechend steigt der Bedarf an Rastplätzen. Sei es für längere Zeit auf einem Campingplatz, sei es nur für einen kurzen Stopp auf einem mit Ver- und Entsorgungsstationen ausgestatteten Stellplatz. Für Letzteres bietet die Stadt Grünberg acht Flächen in Nachbarschaft der Gallushalle an. Im Schnitt etwa eine Handvoll Wohnmobilisten nutzen im Sommer dieses Angebot - in diesem Jahr aber war der Platz wegen Arbeiten in der Zufahrtsstraße gesperrt.

Der Mangel aber ist eh passé: Im Jakobsweg, unterhalb des Campingplatzes, hat nun Christina Ziech ihren »Wohnmobilpark Grünberg« eröffnet. Stromanschlüsse für die 51 Stellplätze, eine Entsorgungsstation mit Frischwassersäule, Einzäunung des Platzes und Zugangskontrolle per Schranke sind hier Standard.

Direkt gegenüber findet sich zudem die vom TSV Grünberg erworbene und um eine Außengastronomie ergänzte Vereinsgaststätte, in der sich nach aufwendiger Renovierung auch sanitäre Anlagen befinden. Ein weiterer »dicker Brocken«, den Ziech in das Projekt gesteckt hat.

Insgesamt, verrät sie, belaufe sich die Investition auf eine mittlere sechsstellige Summe. Ein Lebenswerk? »Mein jüngstes«, antwortet die Reiskirchenerin. Ein älteres, nicht weniger ambitioniertes war das Überführen kleiner Privatflugzeuge aus den USA nach Europa gewesen. Ziech war lizenzierte Verkehrspilotin - und ist selbst Wohnmobilistin, das erklärt ihr jüngstes Projekt.

Der Startschuss fiel Anfang 2021, als in ihrem Namen die Eltern erste Gespräche mit der Stadt Grünberg führten. Ein erster Meilenstein folgte im November, als Ziech - nach dem Beschluss der Stadtverordneten - von der Kommune den Hartplatz im Jakobsweg erwarb und dafür ein anderes Grundstück fallen ließ. »Zu einem recht günstigen Preis, sonst hätte ich es auch gar nicht gemacht.« Mit Unterzeichnung des Kaufvertrags freilich war sie längst nicht am Ziel.

Viel Geduld und gute Nerven waren nötig, um die lange Zeit zu überstehen, bis endlich die Baugenehmigung auf ihrem Tisch lag. Da der Bebauungsplan, der den kommunalen Campingplatz wie den Wohnmobilpark umfasst, zwar in Arbeit ist, der Satzungsbeschluss aber noch aussteht, hatte sie erst nach Eingang einer Sondergenehmigung loslegen können.

Nicht die einzige Hürde: Ein naturschutzfachliches Gutachten, vom Landkreis verlangt, ergab, dass auf einer angrenzenden Wiese der Dunkle Wiesenkopf Ameisenbläuling zuhause ist. Der seltene Falter ist in der europaweiten geltenden Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie gelistet, steht unter strengem Schutz. Die Wiese hat Ziech auf Geheiß der Unteren Naturschutzbehörde einzäunen lassen, sie darf nicht betreten werden. Eine vorgesehene Nutzung als Parkplatz verzögert sich daher, bleibt doch die »Umsiedlung« des Falters abzuwarten. Das sei eine »Sache der Kommune«, unterstreicht die Betreiberin, so stehe es auch im städtebaulichen Vertrag.

Im Sommer aber dürfte auch das erledigt sein. Dann, zur Hauptreisezeit, dürfte sich zudem der neue Anziehungspunkt für Durchreisende rumgesprochen haben.

Bereits jetzt, so die Unternehmerin, erreiche sie viele Anfragen per Mail oder Facebook, überschreite die Zahl der Follower bei Instagram die 1000er-Marke. »Die Insider wissen längst davon, von dort habe ich bereits viel Lob für die Anlage erhalten«, meint Ziech. Sie vergisst dabei nicht die breite Zustimmung, die ihr Projekt auch durch den Verein »Region Gießener Land« und die federführende Behörde beim Lahn-Dill-Kreis erfahren habe: Mittel aus dem EU-Programm LEADER zur Förderung des ländlichen Raums seien umgehend bewilligt worden.

Seit Kurzem steht jetzt auch das Kassenhäuschen, sind die Außenanlagen komplett fertig. Mal abgesehen vom italienischen Springbrunnen als ihrem »persönlichen i-Tüpfelchen«.

Alle Aufträge seien an Grünberger Firmen gegangen, unterstreicht sie am Ende auf Nachfrage. Um sich nach kurzem Nachdenken und mit einem Schmunzeln doch zu korrigieren: »Ups, die Maler kamen aus Trohe.«

Camping ist angesagt. Insbesondere das Urlauben mit dem Wohnmobil (»Vanlife«) findet immer mehr Anhänger. Geradezu einen Boom erlebte die Branche in der Corona-Pandemie, meldete das Kraftfahrzeugbundesamt (KBA) doch 2020 einen Anstieg der Neuzulassungen um 44,8 Prozent - gut 78 000 neue Wohnmobile wurden damals verkauft. Im Vorjahr stieg die Zahl nochmals um gut 3000 an; ein Plus von 4,3 Prozent, während die Nachfrage nach Caravans bzw. Wohnwagen um rund 15 Prozent auf 25 000 abnahm. Zuletzt knickte der Absatz ein. Nach neusten Zahlen des KBA wurden im August »nur« 5065 Wohnmobile neu zugelassen, rund 1100 weniger als im Vorjahreszeitraum. Laut Caravaning Industrie Verband e.V. fehlt es hingegen nicht an Bestellungen, sondern an Bauteilen. Resultat vor allem von gerissenen Lieferketten; nur ein Stichwort: Halbleiter-Krise. tb

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