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15 Jahre lang war der Rewe-Markt in Steinbach ihr Lebensmittelpunkt. In vier Wochen ist das vorbei. Katja und Thomas Kohl geben den Betrieb ab und wagen einen Neustart. Foto: ti

Führungswechsel

Nach 15 Jahren machen Steinbachs Rewe-Chefs Schluss

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Sie sind nicht krank und auch nicht pleite. Dennoch geben Katja und Thomas Kohl den Steinbacher Rewe-Markt zum Jahresende an Michael Simon ab. Weil sie mehr Zeit für die Familie haben möchten.

15 Jahre lang standen Katja und Thomas Kohl an sechs Tagen die Woche im Steinbacher Rewe. Mit viel Engagement und Herzblut führten sie den Markt. Für ihr Umfeld waren sie oft mehr als die Betreiber. Aus Mitarbeitern, mittlerweile 38, sind vielfach gute Freunde geworden. Und auch das Verhältnis zu vielen Kunden ist eng. "80 Prozent kenne ich mit Namen", sagt Katja Kohl, der viele Käufer ihre Lebensgeschichten anvertraut haben. Kinder wurden zu Jugendlichen, Erwachsene älter. Dennoch entschieden sich die Kaufleute, den Markt zum Jahresende abzugeben.

"2018 haben wir uns zum ersten Mal mit dem Gedanken auseinandergesetzt", erzählt Katja Kohl. Im Juni diesen Jahres fiel dann die Entscheidung. Nach den Sommerferien wurden die Mitarbeiter informiert. Seit dem kursieren in Fernwald allerlei Gerüchte, was es mit der Marktaufgabe auf sich hat.

"Wir sind nicht krank und auch nicht pleite", sagt Katja Kohl. "Wir hören auf, damit wir für uns als Familie mehr Zeit haben", ergänzt ihr Mann Thomas. Denn als Marktbetreiber ist man weit über die Stunden im Laden hinaus im Einsatz. Bei Zusatzveranstaltungen wie an Halloween, Nikolaus oder dem Sonntagsflohmarkt etwa oder in Sachen "Tour der Hoffnung", die in der Vergangenheit alljährlich am Rewe-Markt Halt gemacht hatte. "Das ist ein riesiger Aufwand, und wir haben das gerne gemacht", sagt Thomas Kohl. Aber es bedeutet eben auch, dass man viel Zeit investieren muss, die für die Familie fehlt. Dazu kommen wiederholt Einbrüche in den Markt, denen meist mehrere Fehlalarme vorausgehen. "Wenn dann die Polizei zwischen ein und zwei Uhr morgens anruft, ist die Nacht gelaufen", so Katja Kohl, und: "Wir waren einfach ständig und immer hier."

Leicht haben sich die Kohls ihre Entscheidung dennoch nicht gemacht. "Für mich ist das ein Riesenschritt. Ich kenne nichts anderes", sagt die Marktbetreiberin, die bei Rewe in Altenstadt den Beruf der Einzelhandelskauffrau gelernt und anschließend die Handelsfachwirtin draufgesattelt hatte. "Aber es stand die Frage im Raum, ob wir das in dieser Intensität bis zur Rente machen können", erzählt sie. Weil Halbherzigkeit aber nicht Katja und Thomas Kohls Sache ist, stand schließlich fest: Wenn etwas anderes, dann jetzt. Katja Kohl: "Ich bin 40 mein Mann 42. Jetzt können wir noch einen Neuanfang wagen."

Katja Kohl hat ab Januar bereits schon etwas Neues, als Angestellte im Handel, allerdings in einem anderen Bereich. Um welchen Job es sich genau handelt, will die Steinbacherin, die mit Mann und Tochter seit 2005 im Fernwalder Ortsteil lebt und hier heimisch geworden ist, nicht verraten. Thomas Kohl indes ist noch auf der Suche, aber auch er will als gelernter Groß- und Außenhandelskaufmann, der früher Bäder und Kopierer an die Kunden brachte, im kaufmännischen Bereich bleiben.

Vergangene Woche haben die Kohls angefangen, ihre Büros auszuräumen. Dabei fand sich mitunter längst Vergessenes, was die beiden zum Lachen bewegte, erzählt das Paar. "Aber manchmal hat man auch plötzlich einen ganz dicken Kloß im Hals gehabt", sagt Katja Kohl. Und ihr Mann ergänzt: "Rewe war eben wie ein zweites Kind für uns." Der 31. Dezember, da sind die beiden sich einig, wird kein leichter Tag. Der Schlüssel muss übergeben, der endgültige Abschied vollzogen werden. Katja Kohl: "Vermutlich werden wir dann erst wirklich realisieren, dass dieser Lebensabschnitt für uns vorbei ist."

Quelle: Gießener Allgemeine

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