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Ärger am Silbersee in Fernwald

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Von: Christina Jung

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Der Silbersee in Annerod zieht auch bei trübem Wetter Spaziergänger an. So wie er jetzt ist, kann er in Zukunft aber nicht bleiben. © Tina Jung

Der Silbersee in Annerod ist im Dorf gerade das Thema Nummer 1. Weil die Gemeinde Wasser abgelassen hat, sehen Anwohner das Naherholungsgebiet und die dort lebenden Tiere in Gefahr.

Vor drei Wochen hat die Gemeinde Fernwald damit begonnen, das Wasser im Anneröder Silbersee abzulassen. Dagegen regt sich im Dorf Protest, der sich vor Ort und in den sozialen Medien entlädt, aber auch bei der Bürgerversammlung vor zwei Wochen kundgetan wurde. Vom Abwandern oder gar dem Tod der am und im Weiher lebenden Tiere ist die Rede und davon, dass die Kommune den Naturschutz nicht Ernst nehme. Aber genau um den gehe es beim Ablassen des Wassers, sagt Bürgermeister Manuel Rosenke. Und um das Einhalten von Vorgaben der zuständigen Naturschutz- und Wasserbehörden. »Es ist Gefahr im Verzug«, so der Verwaltungschef. Und das nicht erst seit gestern.

Die Problematik ist lange bekannt. Denn für den See liegt eine geotechnische Untersuchung aus dem Jahr 2011 vor, aus der hervorgeht, dass der Damm, der in den 1970er Jahren künstlich angelegt wurde, um den Krebsbach in diesem Bereich zu stauen (siehe Kasten), nicht mehr standsicher ist. Er erfüllt nicht die notwendigen Anforderungen und hat seit 2012 keine Genehmigung mehr. Rosenke: »Deshalb sehen die Behörden und die Gemeinde hier dringenden Handlungsbedarf.«

In der Vergangenheit verfolgte die Kommune das Ziel, den Staudamm zu sanieren. Es gab bereits Pläne dazu. Allerdings würde eine solche »Ertüchtigung« einen enormen Aufwand, eine Vergrößerung des Damms und damit einen erheblichen Eingriff in die Natur darstellen, was wiederum den Zielen des Naturschutzes widerspreche, sagt Rosenke. Denn während es sich bei dem Weiher - wie seitens der Kritiker propagiert - nicht um ein geschütztes Biotop handele, existiere ein solches auf der anderen Seite des Staubauwerkes. Und dieses würde im Fall einer Damm-Sanierung nach Auffassung von Experten erheblich beeinträchtigt, möglicherweise sogar zerstört.

Die zuständigen Behörden, insbesondere die Obere Naturschutzbehörde, favorisieren deshalb eine Renaturierung im Bereich des Silbersees. Auch deshalb, weil das Staubauwerk eine Unterbrechung des natürlichen Fließgewässers darstellt und schon als solches den übergeordneten Zielen von Naturschutz, Landschaftspflege und Gewässerökologie widerspricht, erklärt Fernwalds Bauamtsleiterin Alisa Pfaff.

Pläne, wie eine Renaturierung aussehen könnte, sollen in den kommenden Wochen von einem Ingenieurbüro erarbeitet und den Bürgern bei einer Informationsveranstaltung Anfang kommenden Jahres vorgestellt werden.

Doch genau dagegen regt sich in Annerod Protest. Einige wollen keine Renaturierung. Sie wollen, dass alles so bleibt, wie es ist. Dr. Jürgen Gerhard, promovierter Geologe und Anwohner der Waldstraße zum Beispiel. Er fühlt sich in Sachen Silbersee seitens der Gemeinde nicht nur desinformiert. Er bezweifelt auch die Richtigkeit des eingangs genannten Gutachtens und fordert von der Kommune, bei den Behörden Widerspruch einzulegen.

»Die Standfestigkeit des Damms könnte ohne weiteres wieder hergestellt werden«, ist sich Gerhard sicher. »Damit wäre der Damm gerettet.« Und mit ihm ein Naherholungsgebiet, das für viele Bürger und die dort lebenden Tiere wichtig sei.

Die dort lebenden Tiere, insbesondere die schützenswerten Teichmuscheln und der vom Aussterben bedrohte europäische Edelkrebs, hat Christian Rösner, ebenfalls Anwohner, im Blick. Auch er gehört zu jenen, die das Wasserablassen kritisiert haben. Allerdings nicht, weil er den künstlich aufgestauten Silbersee unbedingt erhalten möchte. Ihm geht es um die Biomasse dort. Fische, Krebse, Muscheln - »ich will nicht, dass sie unnötig leiden oder gar sterben«, sagt Rösner. Denn wenn noch mehr Wasser abgelassen wird, wird in seinen Augen genau das passieren, weshalb er für ein zeitnahes Abfischen plädiert.

Und genau das ist laut Pfaff und Rosenke geplant. »Der Wasserstand ist noch ausreichend«, sagt die Bauamtsleiterin. Nach Rücksprache mit den zuständigen Behörden allerdings werde man das Wasserablassen erst einmal einstellen. Jetzt müssten die Tiere aufgenommen und umgesiedelt werden. Dazu würden Gespräche mit Biologen und Angelvereinen geführt. Rosenke: »Wir zerstören die Natur nicht, wir erhalten sie.«

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