Christian Reim (Häuptling Abendwind, l.) und Kai Von der Heiden (Wilde Mähne) mit Jessica Schneider, der Häuptlingstochter.
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Christian Reim (Häuptling Abendwind, l.) und Kai Von der Heiden (Wilde Mähne) mit Jessica Schneider, der Häuptlingstochter.

Zwischenspiel präsentiert "Häuptling Abendwind"

Wetzlar (dw) "Endlich hört man den Donner nicht mehr." – Das war nach dem abendlichen Gewitter der erste Lacher im Lottehof. Auch in der Südsee kommt so etwas vor, zumindest da, wo Jacques Offenbach seine burleske Sommeroperette platzierte. Nachdem Bühne und Stühle trockengelegt waren, konnten "Häuptling Abendwind" und seine Insulaner bei den Festspielen, zumindest von Wetterkapriolen ungestört, ungehemmt ihrem Kannibalismus frönen.

Symbolträchtig lässt Offenbach (deutsche Fassung: Bettina Bartz) die so genannten Wilden hier Zivilisation und politisches Handeln des 19. Jahrhunderts ad absurdum führen. In ungehemmtem Kannibalismus haben sich die benachbarten Häuptlinge gegenseitig die Frauen weggefuttert. Während Häuptling Abendwind (Christian Reim) die Dummheit seiner ansonsten "gut erzogenen" Tochter (Anika Köpge) in flotten Rhythmen zu beklagen hat, wartet Häuptling Morgenbrise (Thomas Richter) auf den in Paris studierenden Sohn. Der landet unerkannt an den fernen Gestaden. Zu allem Unglück verliebt sich die ihrer schrumpfköpfigen Puppe Abendlieder singende Tochter entgegen den Konventionen in den vermeintlich Fremden (Stefan Schneider). Weil sich die Insulaner bevorzugt Fremdlinge einverleiben, landet der scheinbar im Kochtopf des Kochs "Ho-Gu" (Stefan Korst-Schneider). Versöhnlich laben sich die beiden Häuptlinge, staatsmännischen Traditionen verpflichtet, an diesem Eintopf.

Mit großer Lust an der derben Komik des Stücks brachte das Operettenensemble Zwischenspiel die abstruse Geschichte auf die Bühne, die auf drastische und vergnügliche Art mit Stereotypen und Klischees spielt und der so genannten zivilisierten Gesellschaft des 19. Jahrhunderts den Spiegel vorhält. Genüsslich zelebrierten die Akteure auf der Bühne die rustikale, bissige Burleske, die in Widerspruch zu den verspielten Melodien Offenbachs steht.

Auf der kultig komisch mit Palme, Strandbar und Schrumpfkopf dekorierten Bühnen präsentierten sich die Sänger in den fantasievollen Kostümen und komödiantisch einwandfreien Choreographien (Regie: Anika Köpge) gesanglich ansprechend.

Den stimmigen klanglichen Rahmen schufen, neben einigen Tonbandeinspielungen, darunter der Titelmusik aus "Piraten der Karibik", Larissa Kumatschewa (Klavier), Anette Hecht (Querflöte) sowie Julia Jeckel und Dorothea Keller an Klarinette und Klangspiel. Am 31. Juli wird "Häuptling Abendwind" erneut sein Unwesen im Lottehof treiben. (Foto: dw)

Quelle: Gießener Allgemeine

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