Zahl der verunglückten Radfahrer in Hessen gestiegen

Frankfurt/Wiesbaden (dpa/lhe). Radeln entgegen der Fahrtrichtung ist die häufigste Ursache von Radunfällen – zumindest in Frankfurt.

In der größten Stadt Hessens geht mehr als jeder vierte Radunfall (27 Prozent) darauf zurück. Grund für Polizei und Straßenverkehrsamt seit Donnerstag mit einer Kampagne auf die vielen unbekannte Gefahr aufmerksam zu machen. Aber auch im übrigen Land passieren besonders viele Unfälle, wenn Radler auf der falschen Straßenseite fahren, wie es im Verkehrsministerium in Wiesbaden heißt.

Die Fachleute aus dem Ministerium warnen allerdings, die Dunkelziffer bei Radunfällen sei sehr hoch. Nur jeder dritte Radunfall mit Verletzten werde nach einer Studie der Stadt Münster überhaupt angezeigt. Und der Frankfurter Verkehrssoziologe Alfred Fuhr kritisiert im Gespräch mit dpa: Außer in einigen Großstädten gebe es in Deutschland keine verlässlichen Zahlen zu Radunfällen. »Die Unfallforschung hinkt hinterher.«

Im vergangenen Jahr war das »Falschfahren« bei den Unfällen, die von Radfahrern in Hessen verursacht wurden, mit 25,7 Prozent Ursache Nummer eins, heißt es im Ministerium. Gemeint ist damit nicht nur das verbotswidrige Fahren auf der linken – also falschen Seite – von Radwegen, sondern etwa auch das Fahren auf Gehwegen. Auf Platz zwei der bekannten Unfallursachen kommt das Missachten der Vorfahrt.

In Frankfurt war das Überfahren einer roten Ampel zweithäufigste Unfallursache, berichtet der Leiter der Verkehrsüberwachung der Frankfurter Polizei, Udo Gelbe, am Donnerstag zum Start der Kampagne. Auf Platz drei in der Metropole: »Fahren unter Alkoholeinfluss.«

In Hessen sind im vergangenen Jahr nach den Erhebungen des Statistischen Landesamts insgesamt 3653 Radfahrer verletzt oder sogar getötet worden. Das waren 466 mehr als im Jahr 2010. Von allen Unfällen, bei denen Menschen verletzt wurden, gingen 2780 auf Fehler von Radfahrern und 25 212 auf Autofahrer zurück, ergänzte das Ministerium.

Frankfurts Verkehrsdezernent Stefan Majer (Grüne) unterstreicht die Gefahren des Falschfahrens: »Wo nicht durch die Beschilderung ausdrücklich Zweirichtungsverkehr erlaubt ist, ist es grundsätzlich verboten«, betont er. »Einmündungen und Grundstückszufahrten bergen immer das Risiko, dass der Kraftfahrzeugverkehr den Radverkehr übersieht«, heißt es in seiner Mitteilung. »Hier müssen Autofahrer noch besser aufpassen. Wenn aber die Radler dann noch in der falschen Richtung unterwegs sind, erhöhen sie dadurch das Unfallrisiko dramatisch, von Zusammenstößen mit anderen Radfahrenden gar nicht zu reden.

« Sogenannte Zweirichtungsradwege dürften daher in Städten nur unter sehr strengen Maßstäben eingerichtet werden.

Verkehrssoziologe Fuhr sieht wie andere Fachleute in der »gigantischen Zunahme von Radverkehr« eine weitere Ursache für mehr Unfälle. Viele Radfahrer fühlten sich zudem anderen Verkehrsteilnehmern moralisch überlegen. Sie machten sich überhaupt nicht klar, was ihre Regelverletzungen für den gesamten Verkehr bedeuteten.

Mit großen Pappradlern machen Polizei und Verkehrsdezernat in Frankfurt jetzt rund drei Wochen lang auf die Gefahren des Falschfahrens aufmerksam. »Marc, Wirbelbrüche. Er fuhr auf der falschen Seite und machte einen Umweg über das Krankenhaus«, ist auf den Figuren zu lesen. An sechs Unfallschwerpunkten wurden mehrere dieser Figuren aufgestellt und Flyer verteilt. Bei 36 Kontrollen an neun Tagen werden aber auch Knöllchen verhängt: 15 Euro für das Radeln in die falsche Richtung und 10 Euro für Radeln auf dem Gehweg.

»Mehr Polizei löst das Problem nicht«, sagt Fuhr. »Die Kommunikationsfähigkeit von Radfahrern muss gestärkt werden.« Hilfreich seien Initiativen wie die »Radl-Joker« in München. In der bayerischen Landeshauptstadt sorgten die Schauspieler in auffälligen Kostümen für mehr Rücksicht im Radverkehr.

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