657 Wohnungen, amerikanisch geschnitten

Butzbach (en). Das Wort »zusammengerauft« wurde vermieden in der Pressekonferenz der Stadt und der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA), man sprach vielmehr von »angenäherten Standpunkten«. Fakt ist jedoch, dass das Exposé der BIMA zum Verkauf der amerikanischen Wohnsiedlung fertig und zur Zufriedenheit der Stadtverwaltung ausgefallen ist.

Von Freitag an soll es via Medien und Internet, von Montag an auf der Gewerbe-Immobilienmesse »Expo Real« in München bekanntgemacht werden.

Bis 26. November einen Investor zu finden, das hofft der für Hessen zuständige BIMA-Verkaufsleiter Claus Niebelschütz. Aber auch wer sich danach mit einem akzeptablen Angebot melde, werde noch berücksichtigt. Und wenn sich mehrere Interessenten an Teilen des 24 Hektar großen Geländes mit 35 Wohnblöcken plus Schule und kleinem Krankenhaus finden, die die Stadt mittels ihrer Planungshoheit in die gewünschte gleiche Richtung lenken kann, ist man auch einverstanden. Zumal eine Ausschreibung der Schule im Frühjahr nicht eine akzeptable Reaktion erfahren hatte. Klar ist für Niebelschütz und Bürgermeister Michael Merle, dass nicht alle 657 Wohneinheiten der seit zwei Jahren komplett leer stehenden Siedlung erhalten werden können. Zwar ist die Bausubstanz der in den 1950 / 60er Jahren errichteten Gebäude zum Teil noch recht gut (die Amerikaner hatten noch in den frühen 90er Jahren Küchen und Bäder erneuert), doch gibt es in der Kleinstadt Butzbach und ihrer Umgebung keinen Bedarf für zusätzliche knapp 700 Wohnungen.

In Hanau und Gießen sei das anders, betonte Niebelschütz auf kritische Nachfragen, warum es in Butzbach so lange gedauert habe bis zur Fertigstellung des Exposés. Ein besonderer Aspekt sei der Zuschnitt der Wohnungen: In den Groß- und Universitätsstädten gebe es genügend junges Publikum, das den amerikanischen Schnitt möge, das sei in Butzbach nicht so. In der Schrenzerstadt würden zudem eher Grundstücke für Ein- und Zweifamilienhäuser gesucht als Geschosswohnungen, fügte Michael Merle hinzu.

Zwischen 35 und 50 Prozent könnten vielleicht stehen bleiben, wagten Merle und Niebelschütz eine Prognose, theoretisch könnten aber auch alle Gebäude abgerissen werden. Im Bebauungsplan will die Stadt darauf hinarbeiten, dass sich das Areal der Wohnsiedlung künftig besser den benachbarten Wohngebieten am Schrenzerhang oberhalb der JVA und im Degerfeld anpasst.

Bereits aufmerksam gemacht werden die künftigen Besitzer des Geländes auf mögliche archäologische Grabungen - das Gelände liegt an der Trasse des römischen Limes.

Entwarnung gab es dagegen in Sachen Schadstoffbelastung: Lediglich der Parkettkleber in der Hälfte der Gebäude sei die Ursache einer Belastung, haben nach den Worten von Claus Niebelschütz stichprobenartige Untersuchungen ergeben. Bei den erhofften Angeboten spielt nicht nur der Preis eine Rolle (wieviel sich die BIMA mindestens von dem Gesamtkomplex verspricht, war nicht zu erfahren), sondern auch das Konzept, das mit den Vorstellungen der Stadt vereinbar sein müsse.

Finden sich Investoren, will die BIMA versuchen, bis Mitte nächsten Jahres den Verkauf perfekt zu machen.

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