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An den Wochenenden in Rechtenbach zurück in die Steinzeit

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Hüttenberg (sha). »Menschen hatten, haben und brauchen Wurzeln«, betonte Bürgermeister Dr. Manfred Schmidt bei der feierlichen Eröffnung der Ausstellung »Unter der Erde - Ein archäologischer Zeitreisekrimi durch die Gemeinde Hüttenberg«, die am Freitag ihre Pforten für die Besucher öffnete.

Hüttenberg (sha). »Menschen hatten, haben und brauchen Wurzeln«, betonte Bürgermeister Dr. Manfred Schmidt bei der feierlichen Eröffnung der Ausstellung »Unter der Erde - Ein archäologischer Zeitreisekrimi durch die Gemeinde Hüttenberg«, die am Freitag ihre Pforten für die Besucher öffnete. Im Beisein des Landesarchäologen Prof. Dr. Egon Schallmeyer und seiner Mitarbeiterin Dr. Sabine Schade-Lindig vom Landesamt für Denkmalpflege sagte Schmidt, dass sich die Gemeinde gern mit dieser Ausstellung über ihre Herkunft und Identität »schmücke« und dankte neben »allen Helfern, Ideengebern und Unterstützern« insbesondere Wiebke Hoppe und Nadine Richter für deren Einsatz. Die beiden Doktorandinnen der Gutenberg-Universität Mainz hatten seit November 2008 das Gesamtkonzept für die Ausstellung entwickelt, die noch bis zum 4. Oktober an drei weiteren Wochenenden im Bürgersaal der Hüttenberger Bürgermeisterei in Rechtenbach zu sehen ist.

Schallmeyer zeigte sich beeindruckt, dass in Hüttenberg »eine ganze Gemeinde in die Vorbereitungen involviert war«. Die »Mitmachausstellung« besitze »ein Konzept mit Hand und Fu?, das Hoppe und Richter für Kinder wie Erwachsene gleichermaßen ansprechend umgesetzt hätten. Schade-Lindig hob in ihrem Grußwort zur Ausstellungseröffnung hervor, unter welchem Zeitdruck die im März 2006 begonnen Ausgrabungsarbeiten entlang der insgesamt 130 Kilometer langen, quer durch Hessen verlaufenden Erdgas-Trasse abgewickelt werden mussten. In der Regel hätten die einzelnen Ausgrabungsgruppen nur »zwei Wochen pro Abschnitt« Zeit gehabt, um ihre Ausgrabungen durchzuführen, obwohl mehr als 80 Fundstellen zwischen Limburg im Westen und Lauterbach im Osten des Landes entdeckt worden waren.

In der Gemarkung Hüttenbergs waren, so Schade-Lindig, an zwei verschiedenen Fundorten unterschiedliche Objekte geborgen worden, die teilweise über 7000 Jahre alt sind und deshalb in der gegenwärtigen Ausstellung als Zeugen steinzeitlicher Siedlungen zu bestaunen sind. Dabei handelt es sich um Scherben sogenannter »Bandkeramik«.

Die Kultur der Bandkeramiker (5400 - 4900 v. Chr.) steht, wie Schade-Lindig ausführte, für die erste Bauernkultur, die sesshaft wurde und - teils palisadenumwehrte - Siedlungen angelegt hatte. Auch die Urnenfeldkultur (1000 v. Chr.) und die Hallstattkultur (800 v. Chr.) sind anhand der jüngsten Grabungsfunde siedlungsgeschichtlich in Hüttenberg nachzuweisen.

Entscheidende Hinweise auf »den Täter ...!

Bereits am Tag der offiziellen Eröffnung waren viele interessierte Besucher ins Rathaus gekommen, um sich ein Bild vom Leben in ihrer Heimatgemeinde vor über 7000 Jahren zu machen. Dieser Besucherstrom ließ während des Wochenendes nicht nach, wurde am Sonntag, dem »Tag des offenen Denkmals«, sogar zu einem eintrittsfreien Vergnügen, bei dem Archäologin Schade-Lindig die Gäste persönlich durch die Ausstellung führte.

»Unter der Erde - Ein archäologischer Zeitreisekrimi durch die Gemeinde Hüttenberg« lädt die Ausstellungsbesucher jedoch nicht nur zum Betrachten jahrtausendealter Handwerkskunst ein, sondern fordert vor allem die Kinder zum Ausprobieren und Mitmachen auf. So können die kleinen Besucher etwa mit Mahlsteinen Getreidekörner zu Mehl mahlen und über einem nachgebautem Lehmofen Stockbrot backen. Ein an der Kasse erhältlicher Fragenkatalog schickt neugierige Hobby-Detektive außerdem auf die Spur eines fiktiven Übeltäters, der archäologische Funde stiehlt. Extra für Kinder angebrachte Schautafeln vermitteln nicht nur jede Menge Wissenswertes über längst vergangene Kulturen, sondern geben auch die entscheidenden Hinweise zur Ergreifung des Täters.

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