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»Willkommen in der Heimat!«

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Wetzlar (chl). »Herzlich willkommen in der Heimat!« So begrüßte das Schlagerduo »Die Amigos« am Sonntagnachmittag ganz lokalpatriotisch sein Publikum in der Wetzlarer Stadthalle.

Wetzlar (chl). »Herzlich willkommen in der Heimat!« So begrüßte das Schlagerduo »Die Amigos« am Sonntagnachmittag ganz lokalpatriotisch sein Publikum in der Wetzlarer Stadthalle. So euphorisch wie die rund 800 Fans im zumeist Seniorenalter mitsangen und Leuchtstäbe schwenkten, hatten sie längst die singenden Brüder Bernd und Karl-Heinz Ulrich aus Hungen-Villingen auch als ihre »Freunde« ins Herz geschlossen.

Erstaunlich ist, dass die bereits ergrauten »Amigos« erst 16 Jahre nach der Gründung ihres Duos im Jahre 1970 ihren bundesweit öffentlichen Durchbruch feiern durften - und zwar in der Fernsehsendung »Achims Hitparade« (2006; die AZ berichtete mehrfach). Darüber sind die beiden, wie sie zugeben, immer noch erstaunt. Das wohlwollend raunende Publikum gönnt es ihnen. Im neuen Jahrtausend versinnbildlichen Bernd und Karl-Heinz mit ihrem Alter und ihrem seit je unveränderten romantisch-gemächlichen Schlagerstil für ihre mitgereiften Altersgenossen eine gewisse »gute alte Zeit«. Jüngere Schlagerkollegen haben ja schon längst auch modernere poppige Tonsprache verinnerlicht. Und so schafften es die Amigos tatsächlich mit ihrem 2007er Album »Der helle Wahnsinn« einen bestplatzierten Charterfolg zu landen.

Und weil die Brüder auf ihrer aktuellen Tournee »Ein Tag im Paradies« mit gleichnamigen neuen Album im Gepäck beständig im Schlager-Rhythmus »weiße Schiffe«, »heiße Vulkane« und Lobhymnen auf den Vogelsberg auf sentimentalen und eingängigen Melodiebögen besingen, stellte sich auch in Wetzlar schnell eine Wolke der Vertrautheit ein.

Saalumfassende Zustimmung schlug den »Amigos« entgegen, als sie beteuerten, nur auf die deutsche Sprache zu setzen und Musik zu machen, die die Menschen verstehen. Dieser Konsens befähige zwar »zum Abschalten von Alltagssorgen« aber auch zur unreflektierten Berieselung, statt der Auseinandersetzung mit der Musik. Klar, dass ein jeder nach einer handvoll Tönen das Fortschreiten der Melodien erahnen und mitsummen kann.

Doch so oberflächlich und heile Welt beschwörend ist der Inhalt der Musik gar nicht. »Kindesmissbrauch darf nicht verjähren«, predigte Karl-Heinz mit scharfem Ton als Botschafter der Kriminalitätsopfer-Hilfsorganisation »Weißer Ring«. Deshalb befasste sich ihr neues Lied »Gebrochene Kinderherzen« sehr eindringlich und nachdenklich stimmend mit diesem Thema. Trotzdem ging dem Duo nicht die Lust an peppigeren Titeln wie die Stimmungslieder »Du bist der helle Wahnsinn« und »Komm tanz mit mir« oder einer Portion Humor verloren.

Letzteren bewiesen sie in manchen Videoeinspielern (Sommerrodelbahn am Hoherodskopf) oder einer Anekdote über ihre Heimat: Alpenländischen Kollegen empfehlen die Brüder für einen Besuch im für diese unbekannten Hohen Vogelsberg schon einmal schelmisch: »Bringt die ganze Ausrüstung mit« - und meinen augenzwinkernd die Bergsteigerutensilien. Da kann die familiäre Fangemeinde schon mithalten: Als die »Amigos« zum Kauf von CDs und Fanartikeln animierten, rief ein weiblicher Fan: »Wir haben doch schon alles«. Gelächter im Saal! (Foto: chl)

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