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Wildkatze auf dem Vormarsch

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Mindestens drei Wildkatzen streunen durch den Wald bei Nidda, haben die Naturschützer herausgefunden.
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Mindestens drei Wildkatzen streunen durch den Wald bei Nidda, haben die Naturschützer herausgefunden. (Foto: Thomas Stephan) © pv

Büdingen (pm). Freude bei den Wildkatzenrettern: Durch die Erfassung der Tiere, die der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) mit dem Forstamt Nidda Anfang 2014 gestartet hatte, konnte nun erstmals nachgewiesen werden, dass die Wildkatze durch die Wälder des östlichen Wetteraukreises streift. Das berichtete Susanne Schneider, BUND-Koordinatorin des Projekts.

Vom Büdinger Wald über Ortenberg, Nidda bis nach Stornfels waren von Januar bis April ehrenamtliche Helfer unterwegs, um mit Hilfe sogenannter Lockstöcke den scheuen Waldbewohnern auf die Spur zu kommen. Sie verteilten die angerauten und mit Baldrian besprühten Holzpflöcke, an denen sich die Tiere im besten Fall reiben und Haare hinterlassen. Die Helfer sammelten insgesamt zwölf Haarproben. Die Analyse zeigte laut Schneider, dass es sich bei vier Proben um Wildkatzenhaare handelt, die drei verschiedenen Tieren zugeordnet werden können. Die Tiere hätten ihre Haare an Lockstöcken hinterlassen, die nördlich von Nidda aufgestellt gewesen seien.

»Mit dem Nachweis der scheuen Tiere in der Region ist es uns gelungen, eine weitere Wissenslücke über die Verbreitung der Wildkatze in Hessen zu schließen«, sagte Schneider. Dass keine Wildkatzenhaare im Büdinger Wald gesammelt werden konnten, bedeute nicht, dass diese dort nicht vorkomme. »Die Lage zwischen dem Hessischen Spessart und dem Vogelsberg, wo es Wildkatzen gibt, macht ein Vorkommen der Tiere wahrscheinlich. Wir beobachten in den letzten Jahren, dass sich die Wildkatze langsam wieder ausbreiten kann und dabei von unseren umfassenden Schutzmaßnahmen unterstützt wird«, sagte Schneider.

Auch für Forstamtsleiter Bernd Reißmann ist der Nachweis der Wildkatze in der Region von besonderer Bedeutung: »Die Waldrodungen im späten Mittelalter haben zu einem immensen Artenrückgang geführt, der durch mühevolle Wiederaufforstungen und das nachhaltige Waldmanagement der letzten 300 Jahre nun Früchte trägt. Wir Förster des Forstamtes Nidda wussten aus Beobachtungen, dass die Wildkatze unsere Wälder wieder besiedelt. Die Ergebnisse der Lockstock-Methode haben das bestätigt«, sagte er. Reißmann sieht die wissenschaftliche Bestätigung als Beweis dafür, dass das moderne Waldmanagement von Hessen-Forst mit dem Zusammenspiel von Ökonomie, Ökologie und sozialen Leistungen Stück für Stück zur Rückkehr vieler bedrohter Arten führe.

Die Lockstöcke ziehen die Wildkatzen insbesondere in der Paarungszeit im Winter an. Die Stäbe werden von den Helfern regelmäßig eingesammelt und zur genetischen Analyse an das Forschungsinstitut Senckenberg weitergeleitet. Mit der Lockstock-Methode ist es laut Schneider bereits gelungen, die Wildkatze in verschiedenen Teilen Hessens nachzuweisen. Durch die Untersuchungen erhofft sich der BUND weitere Erkenntnisse darüber, wie viele Tiere in Hessen leben, wie sie wandern und mit welchen anderen Wildkatzenvorkommen sie verwandt sind.

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