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Der Wald kämpft weiter gegen Dürre

  • Rüdiger Geis
    VonRüdiger Geis
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Es ist erst Ende April - und schon jetzt gibt es Waldbrandwarnungen. Die seit Wochen herrschende Trockenheit sorgt in den Wäldern Hessens für frühe Gefahr von Feuern. Doch das sind nicht die einzigen Sorgen, die der ausbleibende Regen den Forstleuten bereitet.

Dem April sagt man nach, dass er in Sachen Witterung nicht weiß, was er will. Doch auch in diesem Jahr hat er sich offensichtlich auf eine Variante festgelegt: sommerlich warm, trocken und extrem sonnig. Der seit Wochen ausbleibende Regen sorgt jetzt schon dafür, dass der Waldbrandgefahrindex des Deutschen Wetterdienstes für Teile Südhessens die höchste Gefahrenstufe anzeigt.

Nach zwei extrem trockenen Jahren plagen die Forstwirtschaft aber auch noch andere Probleme mit der Dürre: Baumsterben, Wiederaufforstung und Holzabsatz. Dabei war der laue Winter - zumindest was Feuchtigkeit betrifft - eigentlich gar nicht so schlecht. »Der Winter 2019/20 hat glücklicherweise die lang ersehnten ausgiebigen Niederschläge gebracht. Dadurch wurde der Bodenwasserspeicher in den meisten Regionen Hessens weitgehend aufgefüllt«, berichtet Michelle Sundermann, Sprecherin von Hessen Forst. Die Voraussetzungen für das Anwachsen der frisch gepflanzten jungen Waldbäume waren zunächst gut. Bei älteren Bäumen dürfte der Winterniederschlag zumindest zu einer gewissen Erholung geführt haben.

Insgesamt aber bleibt die Schadsituation auch in diesem Jahr angespannt. Die letzten Wochen seit Mitte März seien wieder deutlich zu trocken und zu warm gewesen, erklärt Sundermann. Die kommenden Wochen und die Witterung im Sommer werden entscheidend sein, wie sich die Waldschäden entwickeln.

Um die Fichte ist es schlecht bestellt

Betroffen sind davon alle Baumarten, wenn auch unterschiedlich stark. Schlecht geht es vor allem der Fichte. Durch die Trockenheit geschwächt, bietet sie dem Borkenkäfer ein ideales Angriffsziel. Insbesondere im nördlichen Lahn-Dill-Kreis an der Grenze zu Nordrhein-Westfalen ist ein förmlicher Kahlschlag bei der Fichte zu beobachten.

Aber auch die für Hessens Wälder prägende Buche hat massiv unter Hitze und Trockenheit der letzten beiden Jahre gelitten, macht Sundermann deutlich. »Es treten teilweise flächige Absterbeerscheinungen insbesondere älterer Buchenwälder auf.« Insgesamt sei Nordhessen von den Fichtenschäden am stärksten heimgesucht. »Auslöser hierfür war der Orkan ›Friederike‹ im Januar 2018. Dadurch wurden hier große Holzmengen geworfen. In Verbindung mit der anschließenden Trockenheit boten die geschädigten Fichtenwälder dem Borkenkäfer beste Bedingungen«, sagt Sundermann. Relativ glimpflich sei bisher der osthessische und südosthessische Raum davongekommen.

Die Dürre hat aber auch Folgen für die Forstwirtschaft. Die geschädigten Holzmengen müssen schnellst möglich aufgearbeitet werden, vor allem um eine Ausbreitung des Borkenkäfers möglichst einzudämmen. Dadurch aber besteht seit 2018 eine Überangebot an Nadelholz, das von der Holzindustrie nur noch zu deutlich reduzierten Preisen eingekauft wird, erklärt die Behördensprecherin.

Die Sägewerke hätten 2018 und 2019 aufgrund guter konjunktureller Rahmenbedingungen ihre Produktion ausgebaut. »Die Schadholzmengen übersteigen aber die Verarbeitungskapazitäten der Werke. Zudem stellen begrenzte Transportkapazitäten ein Nadelöhr dar, um das Holz möglichst schnell aus dem Wald in die Werke zu transportieren.«

Durch die aktuelle Corona-Pandemie verschärft sich die Situation zusätzlich, da der Export von Holz nahezu vollständig zum Erliegen gekommen ist. »Für den gesamten hessischen Wald - Staats-, Kommunal- und Privatwald - gehen wir aktuell von einer Schadfläche von etwa 26 000 Hektar aus. Die Schadholzmenge belief sich bis zum Herbst 2019 auf etwa 8,7 Millionen Kubikmeter«, beziffert Sundermann.

Aktuell wird mit Hochdruck an der Wiederaufforstung der Schadflächen gearbeitet. Nach den ergiebigen Niederschlägen im Winter waren die Bedingungen für das Anwachsen der jungen Bäumchen zunächst auch gut. »Allerdings waren die letzten Wochen wieder sehr trocken und vor allem zu warm. Aktuell ist aber noch nicht mit starken Trockenschäden oder gar massenhaftem Absterben der frisch in den Boden gebrachten jungen Bäume zu rechnen«, sagt Sundermann. Ob dies so bleibt, werden die kommenden Wochen und Monate entscheiden. Fest stehe aber: Wiederholen sich die langen Trockenphasen der Jahre 2018 und 2019, so ist mit größeren Ausfällen in den Aufforstungen zu rechnen.

Der Wald braucht also weiterhin dringend Feuchtigkeit. Jedoch: »Die Regenmenge allein ist nicht entscheidend. Wichtiger ist, dass es jetzt im Frühjahr und auch im Sommer regelmäßig ergiebige Niederschläge gibt, sodass die jungen Bäume gleichmäßig mit Wasser versorgt werden«, erklärt Sundermann.

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