Verstärkung für Team der Erstaufnahme

Die landesweite Anlaufstelle für Flüchtlinge hat im vergangenen Jahr Tausende Menschen versorgt. Nicht nur die dabei gewonnene Routine soll 2016 einiges erleichtern.

Gießen (dpa/lhe) - Die Mitarbeiter der hessischen Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge bekommen im neuen Jahr Verstärkung. "In 2016 werden wir die bestehenden knapp 139 Stellen um etwa 760 Stellen aufstocken und dann über rund 900 echte Stellen verfügen", sagte der kommissarische Leiter der Einrichtung, Ralf Stettner, der Deutschen Presse-Agentur in Gießen. Ende 2014 hatte die Erstaufnahme demnach noch unter 100 Mitarbeiter. Angesichts des Andrangs der Asylsuchenden wurde deren Zahl im Verlauf des vergangenen Jahres erhöht, auch mit Hilfe von abgeordneten Kräften anderer Behörden. Außerdem packten Pensionäre mit an oder Freiwillige.

2016 werde es auch darum gehen, Strukturen aufzubauen, "die auf den Erfahrungen des Sommers und Herbstes beruhen und zukunftsfähig sind", sagte Stettner. Die in den vergangenen Monaten erarbeiteten Abläufe sollen zudem konsolidiert werden: "Dazu gehört auch, Strukturen weiter zu verbessern, wo es notwendig ist, etwa Unterkünfte besser auszustatten."

Im vergangenen Jahr nahm Hessen mehr als 70 000 Asylsuchende auf. Die Auffangstellen sind mittlerweile über das ganze Land verteilt. Seit September seien mehr als 30 neue Standorte geschaffen worden, teilte das Sozialministerium in Wiesbaden mit. Bald sollen Unterkünfte unter anderem in Kronberg, Friedberg und Bad König belegt werden.

"Ich denke, wir haben die Kollegen schon sehr, sehr stark gefordert", berichtete Ministerialrat Stettner weiter. Um den Andrang der Flüchtlinge bewältigen zu können, sei Wochenenddienst und Rufbereitschaft eingeführt worden. In der Registrierung in Gießen werde wochentags im Schichtbetrieb von 8.00 bis 20.00 Uhr und länger gearbeitet.

"Ich wünsche mir, dass es sich für die Mitarbeiter rentiert, dass sie so hart arbeiten", sagte Stettner. Dies könne in Form von Anerkennung oder von Jobs geschehen. "Die Kollegen haben Außerordentliches geleistet in einer Zeit, in der ein normaler Beamter oder Angestellter hätte sagen können: Ich gehe um 16.15 Uhr. Es ist keiner gegangen."

Die Mitarbeiter hätten auch nachts angerufen werden können, etwa um 70 Betten zu organisieren. "Das sind Leistungen, die müssen anerkannt werden, vom Dienstherrn, von der Gesellschaft, auch von der Öffentlichkeit."

Für Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) ist klar: Die "enorme Leistung im Bereich der Erstaufnahme konnte auch nur deshalb gelingen, weil alle Beteiligten an einem Strang gezogen haben und weil so viele ehrenamtliche Helferinnen und Helfer sowie Hilfsorganisationen unermüdlich im Einsatz sind".

Ralf Stettner leitet seit Oktober kommissarisch Hessens Erstaufnahmeeinrichtung. Er ist zudem Chef der Projektgruppe Flüchtlinge, die beim Regierungspräsidium Gießen angesiedelt ist. Dieser Sonderstab, der sich täglich trifft, koordiniert die Ankunft, Unterbringung und Registrierung der Menschen. Daraus erwachse auch eine große Routine, meinte Stettner.

In den vergangenen Monaten habe es allerdings zu den "härtesten Lektionen" gezählt, "überhaupt in der Lage zu sein, jeden Tag 700 oder 1000 Flüchtlinge aufnehmen zu können". Es habe sich dabei aber nie "die Frage des Nicht-Schaffens" gestellt. "Das geht ja auch gar nicht. Die Menschen haben ein Anrecht darauf, ordentlich versorgt zu werden und unterzukommen."  

Quelle: Gießener Allgemeine

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