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Der Verlust der Nacht Lichtverschmutzung

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Angestrahlte Bankentürme, der riesige Flughafen mit Zehntausenden Lampen und Leuchtfeuern, dazu die Lichtquellen der pulsierenden Großstadt – es gibt keinen anderen Ort in Hessen, an dem es nachts so hell ist wie in Frankfurt. Licht gibt Sicherheit, Licht ist Luxus – es ermöglicht, auf Knopfdruck die von der Natur verordnete Zwangspause in der Nacht auszuknipsen. Doch zu viel Licht ist schädlich – vor allem für Tiere und Pflanzen, aber auch für den Menschen.

Von DPA

Die Aufhellung des Nachthimmels mit künstlichen Lichtquellen wird als Lichtverschmutzung (aus dem Englischen Light Pollution) bezeichnet. Vor allem Insekten sind davon betroffen. »Wenn die Lichtquellen über Nacht leuchten, sich in der Nähe eines Waldes befinden und sich die Frequenz im Bereich des blauen Lichts bewegt, wird es besonders problematisch – insbesondere für Nachtfalter«, sagt Thomas Norgall vom BUND Hessen. »Die Lampen ziehen dann die Schmetterlinge wie ein Staubsauger aus dem Wald.« Hunderte Insekten verenden so in einer Sommernacht an einer einzigen Laterne. Aber auch nachtaktive Tiere werden aus den Städten vertrieben, und Zugvögel können wegen der künstlichen Lichtquellen die Orientierung verlieren, wie das Hessische Umweltministerium erklärt. »Dabei rührt ein großer Teil der Lichtverschmutzung von schlecht konstruierten oder ineffektiv installierten Lichtquellen«, sagt die stellvertretende Ministeriumssprecherin Franziska Richter. Das Land Hessen fördert deswegen die Modernisierung der Straßenbeleuchtung mit energiesparender LED-Technik, setzt zudem auf die Beratung der Eigentümer von Beleuchtungsanlagen. Da viele Menschen noch immer nicht über die Folgen von Lichtverschmutzung und Abhilfemaßnahmen informiert seien, arbeite man derzeit auch an einer Informationsbroschüre, sagt Richter. Der Zwiespalt zwischen Umweltschutz und den Anforderungen einer modernen Gesellschaft wird besonders am Frankfurter Flughafen deutlich. Rund 34 000 Lampen machen dort die Nacht zum Tag und sorgen für die notwendige Sicherheit. »Bei der Außenbeleuchtung gilt bei uns ganz klar: Safety first«, sagt Fraport-Sprecher Dieter Hulick. Sicherheit geht also vor. »Aber natürlich setzen wir beim Austausch von Lampen auf die LED-Technik, die weniger Streuverluste hat und punktgenauer strahlt.« Nach Angaben der International Dark-Sky Association leben 99 Prozent der Bevölkerung Europas und der Vereinigten Staaten unter einem lichtverschmutzten Himmel. Selbst an klaren Neumondtagen sieht man kaum noch Sterne am Himmel. In Städten sind es gerade einmal 200 bis 500 Sterne, die sich noch mit bloßem Auge erkennen lassen – früher waren es rund 2500. Die wohl dunkelste Region Hessens liegt rund 150 Kilometer östlich vom Frankfurter Flughafen: Die Rhön weist noch Gegenden mit nahezu natürlichen Nachtlandschaften und einem sternreichen Himmel auf. Diese Gebiete sind wichtig und wertvoll, weil sie neben der Schönheit des Sternenhimmels Lebensraum für zahlreiche tag- und nachtaktive Tiere und Pflanzen bieten. Im Jahr 2014 erhielt das Biosphärenreservat Rhön die Auszeichnung »Sternenpark«. Damit soll dieses Gebiet nachhaltig geschützt werden - etwa durch umweltverträglichere Straßen- und Privatbeleuchtungen, mit denen sich Energie sinnvoller nutzen lässt und die Lebensqualität in den Kommunen gesteigert wird. Abgesehen von der Lebensqualität der Menschen kann Lichtverschmutzung auch ihre Gesundheit beeinträchtigen. Denn das künstliche Licht kann Studien zufolge den Hormonhaushalt und damit die innere Uhr des Menschen stören – und damit unter anderem zu Schlafstörungen führen. Gesunder Schlaf hat eine überragende Bedeutung für die Funktion von Körper und Gehirn – chronische Schlafstörungen werden mitverantwortlich gemacht für Volkskrankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes und Fettleibigkeit. (dpa/lhe). Lichtverschmutzung (auch Lichtsmog) bezeichnet die Aufhellung des Nachthimmels durch künstliche Lichtquellen, die vor allem in dicht besiedelten Regionen auftritt. Ursache für die Lichtverschmutzung ist hauptsächlich der nach oben abgestrahlte oder reflektierte Anteil des Lichts, der an den Schichten der Atmosphäre, atmosphärischen Stäuben oder Wasser reflektiert und zerstreut wird. Dadurch entstehen die sogenannten Lichtglocken über den Städten. Lichtverschmutzung beeinträchtigt sowohl Pflanzen wie Lebewesen negativ. Für Insekten etwa wird die Straßenbeleuchtung eine tödliche Gefahr. Nachtaktive Tiere werden aus den Städten vertrieben. Zugvögel können durch die künstlichen Lichtquellen die Orientierung verlieren. Aber auch die Menschen können leiden, wenn es nicht mehr richtig dunkel wird.

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