Unternehmen in guter Verfassung

Friedberg/Gießen/Alsfeld (gäd). "Unsere Unternehmen zeigen sich robust und sind in guter Verfassung." Dies ist das Ergebnis der jüngsten Umfrage der Industrie- und Handelskammer Gießen-Friedberg. Präsident Rainer Schwarz und Hauptgeschäftsführer Dr. Matthias Leder gaben die Details der Befragung in den Räumen von Pegasus-Spiele in Friedberg bekannt.

Zwischen Mitte Dezember 2015 bis Mitte Januar dieses Jahres wurden knapp 1800 Mitgliedsbetriebe aus den Landkreisen Gießen, Wetterau und Vogelsberg befragt. Insgesamt habe sich die Konjunktur im Kammerbezirk im Vergleich zur Herbstumfrage noch einmal leicht verbessert, erläuterte Schwarz.

Den besten Klimaindex erzielte mit 124,7 erneut der Landkreis Gießen – eine große Verbesserung um neun Punkte zum Vorjahr und um fünf im Vergleich zur Herbstumfrage. Mit diesem Ergebnis übertreffen die Gießener Unternehmen sogar den hessischen Index von 124,2. Der Durchschnittswert im IHK-Bezirk lag bei 116,5 (Herbst: 113,6, Vorjahr: 111,5). Diesen übertrifft auch der Wetteraukreis mit 117,6 (Herbst: 115,9, Vorjahr: 111,6). Der Vogelsbergkreis erzielt mit einem Wert von 100,0 eine Punktlandung auf der Zufriedenheitsschwelle. Hier gab es im Vergleich zur Herbstumfrage (102,3) ein leichtes Minus, aber eine Steigerung zum Vorjahr (98,9). Der Klimaindex ist ein Durchschnittswert, ermittelt aus den Antworten zur Gegenwart und zur Zukunft. Er kann zwischen 200 als bestem und null als schlechtestem Wert liegen.

Mit der derzeitigen Geschäftslage sind laut Umfrage 43,8 Prozent der Betriebe zufrieden, eine klare Steigerung zum Herbst (39,2) und zum vergangenen Jahr (36,4). Schlecht beurteilen aktuell 10,1 Prozent der Betriebe die Geschäftslage, im Herbst waren es noch zwölf, vor einem Jahr 13,9 Prozent.   Ausblick zurückhaltender   Deutlich zurückhaltender ist die Einschätzung beim Blick auf das kommende Halbjahr: 17,5 Prozent der Unternehmen rechnen weiterhin mit günstigen Entwicklungen – kaum mehr als im Herbst und exakt so viele wie vor einem Jahr. 16,1 Prozent der Betriebe blicken skeptisch in die nähere Zukunft, nahezu unverändert zum Vorjahr (Herbst: 15,3).

Wichtigster Konjunkturmotor bleibe der Konsum: Es herrsche eine gute Beschäftigungslage, eine kaum wahrnehmbare Inflation mit insbesondere niedrigen Spritpreisen. Der sinkende Ölpreis sei wie ein kleines kostenloses Konjunkturprogramm. Allerdings werde auch die Nachfrage nach deutschen Exportgütern aus wichtigen Ölförderländern zurückgehen, erläuterte Schwarz.

Bedeutender Indikator für die Wirtschaftskraft ist die Exportquote. 2014 wurden im IHK-Bezirk 37,7 Prozent des Umsatzes mit Auslandsgeschäften erzielt – eine leichte Steigerung von 0,3 Prozent im Vergleich zu 2013. Im Landkreis Gießen lag der Wert bei 45,5 Prozent, gegenüber 45,2 Prozent im Vorjahr. Die Wetterau kommt in dieser Statistik auf 37,9 Prozent (2013: 34,7), der Vogelsbergkreis auf 25,9 Prozent. Im Vorjahr waren es bei den Betrieben zwischen Mücke und Lauterbach noch 22,8 Prozent. Bemerkenswert: Der Wetteraukreis steigerte seine Exportquote im Vergleich zum Jahr 2010 um rund zehn Prozentpunkte.

Auf dem Industriesektor sind die Wetterauer Unternehmen am zufriedensten. Ihr Klimaindex liegt klar über dem Durchschnittswert des IHK-Bezirks und auch über dem Hessens. Den größten Sprung auf diesem Sektor macht allerdings der Vogelsbergkreis: Hier stieg der Index im Vergleich zur Herbstumfrage um fast 13 Prozentpunkte. Auch die Gießener Unternehmen liegen klar über IHK-Durchschnitt.

Im Segment Einzelhandel rangiert der Landkreis Gießen deutlich an der IHK-internen Spitze. Der Gießener Index von 108 sei der höchste seit vielen Jahren – auch ein Verdienst der Stadt Gießen.

Als größtes Risiko für die konjunkturelle Entwicklung sieht die Hälfte der Unternehmen die Inlandsnachfrage, es folgen die Arbeitskosten und der Fachkräftemangel. In der Flüchtlingsdebatte hat die IHK zwei Szenarien entworfen: Eine positive Variante, bei der die Flüchtlingszahlen wie ein kleines Konjunkturprogramm wirken, und eine negative mit Flüchtlings-Soli, späterem Renteneintrittsalter und der Idee einer europäischen Benzinsteuer.

Quelle: Gießener Allgemeine

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