Unter Männern

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Ich habe mich in der vergangenen Woche mal wieder unmännlich gefühlt.

Ich habe mich in der vergangenen Woche mal wieder unmännlich gefühlt.

An dieser Stelle hatte ich mich ja schon einmal geoutet, dass man mich selten bis nie an Samstagen in Baumärkten antrifft. Und an Nichtsamstagen auch nicht. Ich gebe offen zu, dass ich im Heimwerkerbereich eine Null bin, oder eher sogar eine Minus Eins. Ich war auch in keiner Studentenverbindung und bin auch nicht Kassenwart in einem trinkfesten Kirmesburschenschaftsverein. Autos liebe ich nicht, sondern nutze sie nur und wasche sie dabei viel zu selten. Ich besuche auf überhaupt gar keinen Fall "Monster-Truck-Shows" im Vogelsberg, sondern lese lieber Psychologie-Dossiers in der "Brigitte".

Bevor ich noch weitere längst überholte Geschlechterklischees bemühe, möchte ich trotzdem noch festhalten, dass ich mich für Fußball interessiere. Immerhin… und das wirklich leidenschaftlich.

Und so verfolgte ich vor ein paar Tagen, die Berichterstattung darüber, dass es beim Training des FC Bayern München zu Handgreiflichkeiten der Sportskameraden Robert Lewandowski und Kingsley Coman kam. Man war wohl so erbost aufeinander, dass man sich mehrmals gegenseitig ins Gesicht schlug. Selbstverständlich wurde dieser Zwischenfall gleich an die Medien weitergepetzt, sodass sich der Trainer Niko Kovac, den ich früher mal mochte, als er noch im richtigen Verein Trainer war, auf einer Pressekonferenz dazu äußern musste.

Er sprach davon, dass es für die beiden Schläger keine Strafen gäbe, sondern es "unter Männern" geregelt worden sei. Und außerdem, fuhr er schmunzelnd fort, sei dies alles ein gutes Zeichen, denn man merke daran, dass in der Mannschaft Leben sei.

Aha.

Ich fasse zusammen, wenn man sich gegenseitig auf die Fresse haut, dann ist also Leben da. Wenn nicht, dann wohl nicht. Gilt das auch in Ehen? Vermutlich nicht, denn dann kann man das ja nicht "unter Männern" klären.

Und wie läuft das in Frauenteams? Wie sollen die das dann klären, wenn es mal zu einem solchen Vorfall käme? Kann man das dann auch "unter Frauen" klären? Davon habe ich jedenfalls noch nie gehört.

Und obwohl ich trotz der oben angeführten Mängel unterm Strich eindeutig ein Mann bin, weiß ich trotzdem überhaupt gar nicht, was da so ganz konkret gemacht wird, wenn so richtige Männer wie die Bayern-Profis etwas "unter Männern" klären. Ich hätte mir gewünscht, dass einer bei Niko Kovac mal genauer nachgefragt hätte. Haben die beiden sich vielleicht als Ehrenmänner duelliert? Oder wie bei "Game of Thrones" mit Schwertern aus valyrischem Stahl gekämpft?

Gegen Werder Bremen am Mittwoch jedenfalls haben beide noch gelebt. Diese Klärung unter Männern ist also ohne Todesopfer über die Bühne gegangen. Schaut man mal so in die Welt hinein und in die Geschichte zurück, muss man leider feststellen, dass das nicht immer so glimpflich ablief und abläuft, wenn Männer etwas unter Männern klären. Aber ich möchte nun nicht zu moralisch werden.

Der eine der beiden Schläger übrigens, der Kingsley Coman, hat am Mittwoch auf dem Spielfeld gezeigt, wie man unter echten, harten Männern ein Spiel entscheidet. Man hebt luftig schon bei einer ganz, ganz zärtlichen Gegenspielerberührung und einem Hauch von Wind dramatisch ab, kommt dann urplötzlich im Strafraum zu Fall und schindet damit den spielentscheidenden Elfmeter.

Ganz schön männlich. Ehrlich!

Dietrich Faber ist Kabarettist, Musiker und Autor. Im Herbst erscheint der sechste und letzte Band seiner Krimikomödienreihe unter dem Titel "Sorge dich nicht, stirb! – Kommissar Bröhmann optimiert sich." Tour-Termine und alle weiteren Infos gibt es unter www.dietrichfaber.de.

Quelle: Gießener Allgemeine

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