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Uniklinikum: Weiterer Konzern greift zu

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Gießen (si). Die Zukunft des Uniklinikums Gießen und Marburg wird immer unklarer.. Die Asklepios-Kliniken (Königstein), drittgrößter privater Krankenhausbetreiber in Deutschland, gaben am Mittwoch überraschend bekannt, dass sie sich knapp mehr als fünf Prozent der Aktien des Konkurrenten Rhön-Klinikum gesichert haben.

Damit steht die eigentlich von Fresenius (Bad Homburg) geplante Übernahme der Rhön AG mehr denn je in Frage – wenige Stunden, bevor Fresenius das Geschäft in trockenen Tüchern haben wollte. Denn um 24 Uhr endete die Frist, bis zu der das Unternehmen mindestens 90 Prozent der Rhön-Aktien besitzen musste. Ob das trotz des Fünf-Prozent-Anteils von Asklepios gelungen ist, wird Fresenius frühestens an diesem Freitag mitteilen. Die Wirtschafts- und Börsenexperten hielten es am Mittwoch überwiegend für unwahrscheinlich.

Fresenius hatte das Übernahmeangebot Ende April bekannt gegeben. Der Konzern versprach den Aktionären einen Aufschlag von rund 50 Prozent auf den damaligen Kurs von knapp 15 Euro pro Aktie, wenn sie ihre Anteilsscheine abgeben würden. Tatsächlich sprang der Kurs bis auf 22 Euro, auf diesem Niveau verharrte er bis Dienstag. Dass es für Fresenius schwierig werden würde, die 90-Prozent-Mehrheit zu erreichen, war von Anfang an klar. In dem Wert sind sehr viele Kleinanleger investiert. Noch am Montag dieser Woche schaltete Fresenius gezielt Zeitungsanzeigen (auch in der Gießener Allgemeinen), mit denen ihnen der Verkauf schmackhaft gemacht werden sollte.

Offiziell hatte Fresenius am Mittwochabend erst 44,09 Prozent der Rhön-Aktien eingesammelt. Der Anteil dürfte sich bis Mitternacht sehr wahrscheinlich noch deutlich erhöht haben – wobei völlig unklar ist, ob es für die »90 Prozent plus X« reichte. Erst ab diesem Anteil kann Rhön für die angestrebte Verschmelzung mit den Helios-Kliniken, die zu Fresenius gehören, grünes Licht geben.

Fachleute gaben am Mittwoch unterschiedliche Antworten auf die Frage, warum Asklepios die 6,9 Millionen Aktien gesammelt hat. Die Einschätzungen reichten von »destruktiver Verhaltenstaktik« bis »cleverer Schachzug«. Asklepios könnte entweder verhindern wollen, dass mit dem Zusammenschluss von Fresenius und Rhön der mit Abstand größte deutsche Krankenhauskonzern entsteht. Oder aber mit Fresenius nachverhandeln, um die gekauften Aktien zu einem noch höheren Kurs abzugeben. Das Papier von Rhön verlor in der Spitze über 25 Prozent und notierte zu Börsenschluss bei 18,50 Euro. Auch dies ist ein Indiz dafür, dass immer mehr Beobachter ein Scheitern des Fresenius-Angebots für gut möglich halten.

Schon 2005 als Bieter dabei

Aus dem Universitätsklinikum Gießen und Marburg und den beiden Universitäten gab es bis Mittwochnachmittag keine offiziellen Reaktionen auf die neue Entwicklung. Bedienstete und lokale Politiker verfolgten gespannt die Nachrichten. Asklepios ist in der Region kein Unbekannter. Der Konzern betreibt das Krankenhaus in Lich. Und war im Übrigen 2005 bei den letzten drei Bietern für das Uniklinikum Gießen und Marburg. Nachdem Asklepios damals abgeblitzt war, prüfte der Konzern zunächst sogar eine Klage gegen die Landesregierung, um den Verkauf an Rhön rückgängig zu machen. Erst ein Jahr später gab das Unternehmen den Plan endgültig auf.

Auch der Wissenschaftsausschuss des hessischen Landtags wurde von der Asklepios-Offerte am Mittwoch überrumpelt. Dort hatten die Fraktionen von CDU und FDP einen Entschließungsantrag eingebracht, der noch vorrangig von einer Übernahme der Rhön AG durch Fresenius ausgeht. Gleichzeitig wird die Landesregierung darin aufgefordert, bei den Eigentumsverhältnissen »alle Optionen« zu prüfen.

Damit ist indirekt gesagt, dass sich CDU und FDP grundsätzlich auch einen Rückkauf des Klinikums durch das Land vorstellen können.

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