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Umstrittener Kongress findet statt

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Marburg (dpa). Der Konflikt um einen wegen möglichen homosexuellen-feindlichen Rednern umstrittenen Kongress an der Universität Marburg ist noch immer nicht beigelegt.

Marburg (dpa). Der Konflikt um einen wegen möglichen homosexuellen-feindlichen Rednern umstrittenen Kongress an der Universität Marburg ist noch immer nicht beigelegt. Die Universität lehnte am Montag eine Forderung des Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) ab, dem für Ende Mai geplanten Kongress für Psychotherapie und Seelsorge die gemieteten Räume für die Veranstaltung zu entziehen. Dies wäre faktisch ein Redeverbot für alle Referenten und könne vom Universitätspräsidium nicht akzeptiert werden, teilte die Hochschule am Montag mit.

Das Präsidium habe sich beim Veranstalter dafür eingesetzt, zehn vom AStA zu benennende Studenten kostenlos an dem Kongress teilnehmen zu lassen. Der Studierendenausschuss habe diese Möglichkeit zur kritischen Begleitung des Kongresses jedoch abgelehnt.

Bei der Tagung der Akademie für Psychotherapie und Seelsorge (APS) sollen nach Angaben des Lesben- und Schwulenverbands Deutschland (LSVD) drei homosexuellenfeindliche Referenten sprechen. Dem Kongress wurde von Gegnern vorgeworfen, er unterstütze »Umpolungsseminare« für Homosexuelle. Generell wurde ihm Pseudowissenschaftlichkeit und die Verfolgung religiös-fundamentalistischer Ziele vorgehalten.

Der Veranstalter hat die Vorwürfe wiederholt zurückgewiesen. Aus dem Misstrauen der Gegner könne das Präsidium der Marburger Universität keine Rechtfertigung für ein Redeverbot einzelner Referenten oder gar für die Kündigung des Mietvertrages ableiten, schreibt die Sprecherin der Hochschule, Viola Düwert.

Die Akademie für Psychotherapie und Seelsorge aus Frankenberg weist dagegen darauf hin, dass das Oberthema des Kongresses die Identität sei. Die Referenten könnten und sollten unterschiedliche Meinungen vertreten, solange sie sich in einem soliden Diskurs bewegten, hieß es in einer Mitteilung. Homosexualität werde bei dem Kongress »allenfalls marginal thematisiert«. Die APS versteht sich als Plattform für christliche Therapeuten und Seelsorger.

Die Tagung mit sieben Hauptvorträgen, gut 120 Seminaren und rund 1000 Teilnehmer findet in Räumen der Universität und in der Stadthalle statt. Den Kongress in der Stadthalle zu untersagen, sah Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) keine Veranlassung. Zu einem wissenschaftlichen Diskurs gehöre die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Meinungen.

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