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Über 150 000 Obdachlose sind in den Schulen untergebracht

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Bonbaden/Braunfels/Wetzlar(sti). Eigentlich war der Besuch von Sophie und Michel Kabré aus Koudougou in Burkina Faso als Möglichkeit eines persönlichen Danks an die Gemeinden, den Pfarrkonvent Braunfels und Privatunterstützer für die Berufsschule dort vorgesehen.

Bonbaden/Braunfels/Wetzlar(sti). Eigentlich war der Besuch von Sophie und Michel Kabré aus Koudougou in Burkina Faso als Möglichkeit eines persönlichen Danks an die Gemeinden, den Pfarrkonvent Braunfels und Privatunterstützer für die Berufsschule dort vorgesehen. Doch der Jahrhundertregen mit seinen schrecklichen Folgen für die Menschen am Tikato-Staudamm und die in der Hauptstadt Ouagadougou gewannen in den Berichten immer wieder die Oberhand. »Wenn Du noch kein großes Unglück erlebt hast, kannst Du gar nicht sagen, wie viele Freunde Du hast«, sagte Michel Kabré mit einem Sprichwort zu der Solidarität bei der Flutregenkatastrophe in Burkina Faso.

16 afrikanische Länder seien davon am 1. September betroffen gewesen, aber Ouagadougou traf es am schlimmsten. Von 100 Millionen Euro spricht man nach vorsichtigen Schätzungen zum Wiederaufbau von nicht mehr vorhandenen Straßen, einsturzgefährdeten Brücken, zusammengefallenen Häusern, weggeschwommenen Medikamenten, zerstörten teuren Röntgenapparaten im neuen Universitätskrankenhaus und den zwei gebrochenen Wasserrückhaltebecken in der Hauptstadt Ouagadougou.

Niemand wüsste, wann die Schulen wieder öffnen könnten, denn momentan seien sie ja von den rund 150 000 Obdachlosen belegt. »Wohin soll man dann mit ihnen?«, klagte Kabré auch bei den 40 Besuchern am Gemeindeabend im evangelischen Gemeindehaus in Bonbaden. Die gespeicherten Hirse- und Reissäcke seien ungenießbar, der Samen, die neu gewachsene Frucht und die damit verbundene Ernte ab Oktober und ganze Felder seien weggeschwemmt. Also könne erst mit einer neuen Ernte für die Millionenstadt im Oktober 2010 gerechnet werden: »Wir haben große Angst vor einer großen Hungersnot wie im Jahr 2001 durch die damals schlimme Dürre im zweitärmsten Land der Welt«.

Am Tikato-Staudamm arbeite man angestrengt daran, durch die Reparatur wenigstens den neu angekündigten Regen für die 5000 Menschen aufzufangen, berichtete Kabré. Er dankte allen Spendern im Lahn-Dill-Kreis und auch aus fernen Städten, die so schnell, so solidarisch mit kleinen und sehr großen Summen täglich für dieses Vorhaben spenden.

»Wir brauchen dort Hilfe dringend«, betonte er. Der Arbeitskreis Brot für die Welt-Tikato will sich mit den Spenden auf den Staudamm konzentrieren. Kommen Spenden deklariert für Ouagadougou, gehen sie direkt dann auch an den kirchlichen Partner. Strahlend berichtete Kabré als Direktor der Berufsschule (CET) in Koudougou (drittgrößte Stadt in Burkina) für Schlosser, Schreiner, Bauzeichner, Maurer und neu für Elektriker, dass Dank der verlässlichen Spenden von Einzelpersonen und Kirchengemeinden sowie der großen Mithilfe der Gemeinde Langeoog die Gefahr gebannt sei, die Schule als Gymnasium umzuwidmen. »Durch die jährlich zugesicherten 10 000 bis 11 000 Euro können wir nun die Handwerker weiter ausbilden, dem Land Handwerker zur Verfügung stellen und den jungen Leuten eine Perspektive aufzeigen. Damit verhindern wir auch die Landflucht«, so der Pädagoge. Zum Schluss der Veranstaltung gedachten die Bonbadener dem Staudamm mit einer großen Kollekte.

Zum Besuchsprogramm des Ehepaares gehörte auch ein Besuch bei den Superintendenten Ute Kannemann und Roland Rust, bei der TIKATO-Gruppe, ein Gespräch über die Schule mit den Pfarrern der das CET unterstützenden Kirchengemeinden, in der Familie eines heimischen Schreiners und Dauerspenders, beim Pfarrkonvent des Kirchenkreises Braunfels im Laufdorfer »Laurentiuskonvent« zum Thema »Den Frieden lernen«, im Aßlarer Eine-Welt-Laden und dem evangelischen Kindergarten sowie bei Oberbürgermeister Wolfram Dette, der eine Spende von 5000 Euro für den Staudamm an die Tikato-Gruppe übergab. Hilfreich waren dabei die Übersetzungen von Marie-Noelle von der Recke und Pfarrer Andreas Engelschalk, wie erläutert wurde.

Spenden werden erbeten auf das Konto des Evangelischen Rentamts 10030906, BLZ 515 500 35, Stichwort Tikato-Staudammkatastrophe. Weitere Infos unter der Adresse hstiewink@gmx.de und auch unter sowie Tel. 0 64 46/5 95.

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