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»Tschernobyl ist plötzlich überall gewesen«

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Langgöns (hjp). »Wir schreiben das Jahr 25 nicht nach der Katastrophe von Tschernobyl sondern schreiben das Jahr 25 mittendrin,« erinnerte Pastor Eberhard Klein im Gottesdienst zum Gedenken an den Super-Gau in der Ukraine.

»Und seit dem 11. März blicken wir auf die havarierten Atommeiler in Japan. Es gibt eigentlich nichts schrecklicheres, als dass Atomkraftgegner mit ihren Warnungen recht behalten, dass die Abwiegler in Deutschland und auch in Japan, die uns die Wahrheit verschweigen, nun manches einsehen müssen«, so Klein, als damaliger Gemeindepfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Langgöns und vor etwas mehr als 20 Jahren Mitbegründer des »Arbeitskreis Leben nach Tschernobyl«.

Jetzt sei man zusammengekommen im »Gedenken der Opfer von damals und im Gedenken der Opfer von heute.« Gleichzeitig teilte Klein mit, dass zur gleichen Zeit in Borispol ein Mahnmal enthüllt werde, dass an die vielen Opfer der Atomkatastrophe in der Ukraine erinnern soll.

Klein ließ damals den Sand im Kindergarten austauschen

Gleichzeitig bat Klein im Gottesdienst um Kraft zu widerstehen für die Schöpfung Gottes. Schon vor 25 Jahren sei das in diesen Tagen diskutierte Restrisiko Wirklichkeit geworden - wie jetzt wieder. Die Strahlen des Todes sprengten damals wie heute alle Grenzen, auch Staatsgrenzen und halten auch an keiner 30-Kilometer-Zone inne. Tschernobyl sei plötzlich überall gewesen.

Als Gemeindepfarrer habe er den Sand der Sandkiste im Kindergarten austauschen lassen, in Dornholzhausen standen zwei, drei Kühe mit Milch für die kleinen Kinder in Langgöns, das Obst und das Gemüse wurde speziell beobachtet. Zwar habe man daran weder etwas gerochen, noch etwas geschmeckt, doch lebenswichtige Nahrungsmittel wurden zur Tod bringenden Gefahr, erinnerte Klein.

»Beitrag zum Ausstieg aus Atomenergie leisten«

Heute wisse man, dass Menschen noch über viele Generationen hinweg an diesen Strahlen sterben werden. Niemand könne sagen, wann die Städte in der Ukraine und Weißrussland wieder bewohnbar seien. Genau so wenig, wie niemand sagen könne, wann die Strahlung rund um das Atomkraftwerk Fukushima soweit abgeklungen sei, dass man wieder gefahrlos leben könne. Gerhard Keller von »Leben nach Tschernobyl« machte im Gottesdienst deutlich, dass jeder seinen Teil dazu beitragen könne, dass hierzulande aus der Atomenergie ausgestiegen werde. Dazu könne ein Stromanbieterwechsel genau so beitragen, wie die Forderung an die Kraftwerksbetreiber, ihre Kraftwerke zu realistischen Bedingungen zu versichern: »Dann würde der Strompreis unbezahlbar werden.

« Keller wie auch die anderen am Gottesdienst beteiligten Mitglieder des Arbeitskreises berichteten zudem über ihre politische Arbeit im Kampf gegen die Atomkraft und über die humanitäre Hilfe, die man iin den vergangenen 20 Jahre in Borispol geleistet hat. Zudem wurde mitgeteilt, dass demnächst wieder ein Transport mit wichtigen Hilfsgütern aus Langgöns in die Ukraine fährt.

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