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Thurau wehrt sich

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Frankfurt (dpa/lhe). Die ehemalige LKA-Chefin Sabine Thurau steht seit Dienstag in Frankfurt vor Gericht. Es geht um eine uneidliche Falschaussage, die sie als Polizei-Vizepräsidentin vor rund vier Jahren in einem Amtsgerichtsprozess gemacht haben soll.

Thurau lässt zum Auftakt ihres Prozesses keinen Zweifel: »Ich bin LKA-Präsidentin und möchte dies auch bleiben«, sagt die 57-Jährige. Das Verfahren belaste sie zwar: »Doch als Führungskraft muss man das eine oder andere aushalten.« Die Staatsanwaltschaft wirft der ins Innenministerium abgeordneten Spitzenbeamtin in dem Verfahren nun vor, 2009 als Polizei-Vize in einem Strafverfahren gegen einen Beamten vor dem Amtsgericht die Unwahrheit gesagt zu haben. Sie soll wissentlich bestritten haben, dem unter Verdacht des Spesenbetruges stehenden Kripomann ein »Kronzeugenangebot« unterbreitet zu haben. Im Gegenzug habe er einen weiteren Beamten mit einer Aussage belasten sollen.

Diese damals überraschend gestellte Frage sei ihr »absurd« vorgekommen, sagte Thurau am Dienstag vor dem Landgericht. Ihr sei klar gewesen, dass die Polizei grundsätzlich keine Kronzeugenregelung machen könne. Außerdem sei das Gespräch mit dem Beamten damals schon rund drei Jahre her gewesen. »Bei rund 3000 Mitarbeitern im Polizeipräsidium habe ich beinahe täglich Personalgespräche zu führen gehabt«, sagte Thurau. Sie habe dem Beamten seinerzeit eröffnet, dass gegen ihn und den Kollegen wegen Betrugsverdachtes ermittelt werde.

Der Beamte habe daraufhin geweint und um seine Versetzung nach Baden-Württemberg gebeten. Wenn er bei der Aufklärung der Unregelmäßigkeiten mitwirke, könne so etwas schneller gehen, habe sie ihm gesagt.

Der Amtsrichter, der 2009 gegen den Kripobeamten verhandelt hatte, schilderte im Zeugenstand das »Rumoren im Gerichtssaal«, als Thurau das Kronzeugenangebot bestritten habe. Er habe diesem Aspekt allerdings keine besondere Bedeutung zugemessen, weil es in dem Verfahren um andere rechtliche Dinge gegangen sei. Thurau war von 2005 an Vizepräsidentin der Frankfurter Polizei, im März 2010 übernahm sie den Chefposten im LKA. Später wurde sie entlassen – zu Unrecht, wie der Hessische Verwaltungsgerichtshof Ende 2012 festgestellt hatte. Im Falle einer Verurteilung droht Thurau nach Einschätzung von Juristen höchstens eine Geldstrafe. Ob und wann sie in ihr Amt als LKA-Präsidentin zurück kann, ist offen.

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