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Aus meteorologischer Sicht beginnt morgen der Herbst. Und tatsächlich endet fast auf den Tag genau der Sommer. Dieser war 2019 nach vorläufigen Daten des Deutschen Wetterdienstes der drittwärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881.

Temperaturrekord in Hessen

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Der Sommer verabschiedet sich aus dem Kalender, aber er wird im Gedächtnis bleiben. Er brachte die heißeste Temperatur, die jemals in Hessen gemessen wurde, Sonne satt und auch bedrohliche Dürre.

Große Hitze, wenig Regen, viel Sonnenschein - so lässt sich der Sommer 2019 in Hessen zusammenfassen. Wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Freitag in Offenbach in einer vorläufigen Sommerbilanz mitteilte, wurden in Hessen in den Monaten Juni bis August durchschnittlich 19,1 Grad gemessen. Das waren 2,9 Grad mehr als der Vergleichswert der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990.

Am 25. Juli wurde im Frankfurter Westend mit 40,2 Grad ein neuer hessischer Temperaturrekord aufgestellt. Der vorherige Höchstwert hatte bei 39,6 Grad gelegen, gemessen 2015 ebenfalls im Frankfurter Westend. Einen nächtlichen Rekord gab es auch: Vom 25. auf 26. Juli fiel das Thermometer am Flughafen nicht unter 25,7 Grad.

Zugleich war es in Hessen relativ trocken: Es fielen 160 Liter pro Quadratmeter Niederschlag, der langjährige Vergleichswert liegt bei 222 Liter pro Quadratmeter. Besonders die hessischen Wälder litten unter den geringen Niederschlägen, zuletzt stieg die Waldbrandgefahr wieder an.

Dafür konnten sich die Hessen über reichlich Sonne freuen: Die Sonnenscheindauer lag mit 770 Stunden deutlich höher als im langjährigen Vergleich (586 Stunden). Auch einige schwere Unwetter prägten den hessischen Sommer: So sorgte ein Tornado am 12. Juli in Wetzlar-Naunheim für große Schäden. Ein heftiges Gewitter mit Hagel und Orkanböen zog am Abend des 18. August im Rhein-Main-Gebiet und Südhessen eine Schneise der Verwüstung - mehr als 20 Menschen wurden verletzt, es entstanden Schäden in Millionenhöhe. Schwerpunkt des Unwetters war der Kreis Offenbach.

Deutschlandweit war der Sommer 2019 der drittwärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881. "Jeder Sommermonat endete mit einem deutlichen Überschuss an Wärme und Sonnenschein sowie einem erheblichen Regendefizit", bilanzierte der DWD. Am Wochenende gilt es, die letzten Sommertage zu genießen - nächste Woche kommt der Herbst. Die Durchschnittstemperatur des Sommers lag im Bundesgebiet bei 19,2 Grad. Grundlage sind erste Auswertungen der Ergebnisse der rund 2000 DWD-Messstationen. Lediglich in den Jahren 2003 und 2018 waren die Sommer in Deutschland mit 19,7 und 19,3 Grad noch wärmer. Um wie viel Grad 2019 damit über dem Durchschnitt lag, hängt von der Betrachtungsweise ab: Verglichen mit der "international gültigen Referenzperiode" 1961 bis 1990 waren es 2,9 Grad mehr; gegenüber der Vergleichsperiode 1981 bis 2010 nur 2,1 Grad mehr.

Auch wenn der Sommer 2019 in Summe nicht der wärmste war: Für einige Rekorde sorgte er dennoch. Erstmals seit Beginn der Aufzeichnungen überschritten die Temperaturen die Marke von 42 Grad: Bei der Hitzewelle Ende Juli wurden im niedersächsischen Lingen 42,6 Grad gemessen. Vor Beginn des Sommers hatte die Rekordtemperatur bei 40,3 Grad im bayerischen Kitzingen gelegen. Dieser Wert wurde 2019 gleich mehrmals übertroffen. Auch ein Monatsrekord wurde übertroffen: Der Juni 2019 war der wärmste Juni seit Beginn der regelmäßigen Wetteraufzeichnungen. Ebenfalls noch nie da gewesen: Ende Juli wurden an mehreren Orten an drei Tagen hintereinander über 40 Grad gemessen. DWD-Sprecher Uwe Kirsche fasst es so zusammen: "Der Sommer 2019 war spektakulär."

Und es gab Sonne satt. Mit 755 Sonnenstunden lag der Sommer 2019 auf dem vierten Platz in der Statistik, die seit 1951 geführt wird. Das waren 25 Prozent mehr als im Mittel. "Den meisten Sonnenschein erhielt die Insel Rügen und Umgebung mit bis zu 900 Stunden", berichtete der DWD.

Ist das noch Wetter oder schon Klimawandel? Die Antwort auf diese Frage ist nicht so einfach. Einzelne Ereignisse auf den Klimawandel zurückzuführen, sei schwierig, sagt der Klimaforscher Mojib Latif vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung. Man könne aber sehen, dass "Extremtemperaturen über 30 Grad zunehmen in den letzten Jahrzehnten". Diese Häufung könne man durchaus mit dem Klimawandel begründen, sagte Latif im Rekordmonat Juni.

Es wird bis zu zehn Grad kälter

So toll der heiße und sonnige Sommer auch war - es gibt gravierende Nachteile. Der wichtigste betrifft Wälder und Landwirtschaft: Dürre. Der DWD kam in seiner vorläufigen Sommerbilanz nur auf 175 Liter Niederschlag pro Quadratmeter. Der langjährige Vergleichswert liegt bei 239 Litern - eine Differenz von 27 Prozent.

Aus meteorologischer Sicht beginnt morgen der Herbst. Und tatsächlich endet fast auf den Tag genau der Sommer. "Hoch ›Doris‹ sorgt für die letzten Zuckungen des Hochsommers", sagte Meteorologe Simon Trippler. Dann schlägt die Stunde von Tief "Egbert". "Der damit verbundene Temperatursturz von zum Teil über zehn Grad stutzt das Temperaturniveau auf ein für die Jahreszeit übliches Maß zurecht." Felder und Wälder warten trotzdem vergeblich auf Wasser: Längeren Regen wird es wohl nicht geben, kündigte Trippler an.

Quelle: Gießener Allgemeine

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