Tauber-Auftritt im Fokus Wichtig für Merkel

Gründau (dpa/lhe). Die Affäre um Mobbing-Vorwürfe gegen CDU-Generalsekretär Peter Tauber weitet sich aus und überlagert den Kreisparteitag der CDU Main-Kinzig. Eigentlich hat die Veranstaltung am heutigen Freitagabend rein kommunalpolitische Bedeutung. Die Kandidatin für die Landratswahl 2017 im Main-Kinzig-Kreis soll gekürt werden. Durch die zugesagte Teilnahme des Generalsekretärs – er ist Mitglied im Kreisvorstand – wird das Treffen in einer Mehrzweckhalle in Bruchköbel Nahe Frankfurt brisant und findet bundesweite Beachtung. Der CDU-Kreis sagte der Deutschen Presse-Agentur, dass Tauber ein Wort an die Verbandsmitglieder richten werde.

Gegen Tauber wurden Mobbing-Vorwürfe erhoben im Zusammenhang mit seiner Zeit als Kreisvorsitzender. Bekannt ist: In seiner Amtszeit kursierte vor einigen Jahren ein Papier mit Methoden, um die damalige CDU-Geschäftsführerin Anne Höhne-Weigl aus dem Amt zu drängen. Tauber bestreitet, es mitverfasst zu haben, sagte der Deutschen Presse-Agentur aber, es sei ein Fehler gewesen, es gekannt und nichts dagegen unternommen zu haben. Höhne-Weigl sagte der "Süddeutschen Zeitung" (Donnerstag), Tauber habe "das Programm in seiner Zeit als Vorsitzender selbst umgesetzt und mich gemobbt". Und: Ein Mitarbeiter Taubers habe "dienstliche und private Telefongespräche von mir mitgehört" und den Inhalt anschließend an Tauber berichtet. Mitarbeiter der Kreistagsfraktion hätten für Tauber festgehalten, "ob ich lächle, wie ich telefoniere (in welchem Ton), ob ich die Rollos der Fenster auch schließe", behauptete sie in der Zeitung. Höhne-Weigl war von 1999 bis 2014 Geschäftsführerin, Tauber von 2011 bis 2014 Kreisvorsitzender. Taubers Vorgänger als Kreisvorsitzender, Tom Zeller, gestand dem Blatt nach dessen Angaben seine Verantwortung für das Mobbingpapier ein, sagte aber, Tauber sei "an den Überlegungen beteiligt" gewesen. Die CDU-Zentrale in Berlin wollte zu den neuen Vorwürfen keine Stellungnahme abgeben. Der Kreisverbandsvorsitzende Johannes Heger sprach in einer Mitteilung vom späten Mittwochabend von "persönlichen und destruktiven Angriffen". Er habe "nicht den geringsten Zweifel an der persönlichen Integrität" Taubers. Für weitere Fragen war Heger nicht zu erreichen. Von Tauber werden somit heute Abend Antworten beim Auftritt vor seinem Kreisverband erwartet. Grünen-Chefin Simone Peter beklagte den Umgang der CDU mit den Mobbing-Vorwürfen. Bisher höre sie "vor allem Dementis, Verteidigungen und Diskreditierungen, wenig Problembewusstsein oder Konsequenzen", sagte sie der "Frankfurter Rundschau" (Donnerstag). Auch die hessische SPD kritisierte die Reaktionen der CDU. Generalsekretärin Nancy Faeser forderte lückenlose Aufklärung. (dpa). Peter Tauber gehörte zu den überraschenden Entscheidungen von Parteichefin und Kanzlerin Angela Merkel beim Wechsel von der schwarz-gelben zur schwarz-roten Koalition. Für Merkel ist Tauber wichtig. Beobachter gehen davon aus, dass sie ihn nicht so schnell fallen lassen dürfte. Sie hat kein Interesse daran, dass ihr Generalsekretär geschwächt ins Wahljahr 2017 geht. Tauber ist promovierter Historiker. Als 17-Jähriger trat er in die Junge Union ein, deren Landesvorsitzender er von 2005 bis 2009 war. Seit 2008 ist er im Landesvorstand, seit 2011 Kreisvorsitzender der CDU Main-Kinzig. Er vertritt den Wahlkreis 175, der auch in die Wetterau und den Vogelsbergkreis hineinreicht. “ Ein Mitarbeiter Taubers hat dienstliche und private Telefon- gespräche von mir mitgehört „

Quelle: Gießener Allgemeine

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