Ein Stück Zukunft

Frankfurt (dpa). Freude, Zukunftsglaube und immer noch ein Stück Besonderheit: In der Frankfurter Westend-Synagoge sind gestern drei orthodoxe Rabbiner feierlich in ihr Amt eingeführt worden. Für Salomon Korn, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Frankfurts, war die Feier auch ein "Ausdruck von wachsender Hoffnung und vorsichtigem Vertrauen in die Weiterentwicklung jüdischen Lebens in Deutschland".

Die Ordination neuer Rabbiner bedeute auch, "dass wir die Zukunft der jüdischen Gemeinschaft auf deutschem Boden nicht weiterhin grundsätzlich in Frage stellen". Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) bezeichnete es als "unverdientes Geschenk der Geschichte", dass nach der Schoah wieder Rabbiner in Deutschland ausgebildet würden. Zugleich mahnte Josef Schuster, der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, derzeit wehe "ein kalter, heftiger Wind durch Deutschland". Die AfD und andere Bewegungen am rechten Rand hetzten auf, anstatt zu verbinden. "Sie treiben Keile in unsere Gesellschaft, statt auszugleichen", sagte Schuster. "Es ist sehr beunruhigend, was wir gerade in Deutschland erleben, und nicht nur in Deutschland, sondern in vielen europäischen Ländern." Auch die Zahl der Islamisten und Salafisten sei gestiegen, Terroranschläge schürten Angst und Verunsicherung, auch in den jüdischen Gemeinden. Die drei Absolventen des 2009 wieder eröffneten Rabbinerkollegs in Berlin, das 1938 von den Nationalsozialisten zur Schließung gezwungen worden war, sind 28 bis 34 Jahre alt. Während Jochanan Guggenheim von Oktober an Assistenzrabbiner in Leipzig sein wird, ist Nosson Kaplan bereits seit fast einem Jahr in der Jüdischen Gemeinde Osnabrück tätig. Benjamin Kochan ist nicht nur Gemeinderabbiner in Erfurt, sondern zugleich Landesrabbiner von Thüringen. Seit dem Zweiten Weltkrieg gab es in Frankfurt keine Ordination orthodoxer Rabbiner. Bisher wurden im Berliner Rabbinerkolleg insgesamt 13 Rabbiner ausgebildet. Die gestrige Feier war die fünfte Ordination.

Quelle: Gießener Allgemeine

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