+
Das elfstöckige Hochhaus am Richtsberg in Marburg ist seit einem Brand vor sechs Jahren unbewohnbar. Nun soll es abgerissen werden. FOTO: SCHÄFER

Auf Stillstand folgt Abriss

  • schließen

Jahrelang lag das große Studentenwohnheim in Marburg brach. Unbewohnbar nach einem Brand. Sechs Jahre Stillstand zwischen Studentenwerk und Versicherer um die Schadensregulierung folgten. Jetzt ist klar: Das elfstöckige Hochhaus, das einmal in 120 Wohneinheiten 280 Menschen eine Bleibe bot, wird abgerissen. Komplett.

Derzeit demontieren Facharbeiter die Fassade und entkernen die Innenräume. Teils sind heute als Schadstoffe klassifizierte Materialien verbaut, die zunächst beseitigt werden müssen. Dann rücken im März oder April die Abrisskräne und -bagger an. Dabei war das Hochhaus, wie viele der in den 1970er Jahren gebauten Gebäude am Richtsberg, ein Vorzeigeprojekt. "Das Haus am Richtsberg war unser Familienwohnheim", sagt Franziska Busch, Pressesprecherin des Studentenwerks Marburg.

In der Frühe des 24. Juni 2014 piepste im achten Geschoss der Rauchmelder schrill auf. Rauch war schnell überall, die Feuerwehr alarmiert. Dass der Brandherd tatsächlich im Keller war, wurde im Qualm zu spät erkannt. Das Gebäude war durchlüftet wie ein Schweizer Käse, heißt es aus Feuerwehrkreisen. Zudem waren Zwischentüren unterschiedlicher Segmente des Gebäudes durch Keile offen gehalten. Rauch breitete sich überall aus - und machte das gesamte Gebäude unbewohnbar. Die Polizei ermittelte Brandstiftung. Der oder die Täter sind bis heute unbekannt. Die Feuerwehr evakuierte die Bewohner zunächst in das entfernt gelegene Areal des Gassmannstadions im Lahntal. Damit wollte man den Drang der Geretteten unterbinden, doch noch zum Hochhaus zurückzukehren, um Habseligkeiten zu sichern. Später folgten Monate in Notunterkünften. Die Studierenden fühlten sich vergessen. Die Notlösung bot teilweise keine Kochmöglichkeiten und keine Möbel. Die Studierenden hofften daher, alsbald in ihre Apartments zurückzukönnen. Doch die Schadensermittlung und später -regulierung dauerte und dauerte.

Nach langwierigen Verhandlungen haben sich Versicherer und Studentenwerk erst Anfang des Jahres 2018 auf einen Vergleich geeinigt. Viele der Betroffenen sind inzwischen studienbedingt oder wegen einer Arbeitsstelle aus Marburg weggezogen.

Studentenheime an anderen Standorten

Was genau an Stelle des nun abzureißenden Studentenhochhauses "Am Richtsberg 88" entstehen soll, ist noch unklar. "Sicher kein neues Hochhaus", sagt Franziska Busch vom Studentenwerk. Aber jedenfalls eine ausgedehnte Wohnanlage. In der Zwischenzeit hat das Studentenwerk an anderer Stelle in Marburg weitere Häuser gebaut. In der Gutenbergstraße bietet ein Wohnheim seit dem Jahr 2016 rund 60 Zimmer. Die zentrale Lage macht das Wohnheim sehr begehrt bei Studierenden.

Eine neue Unterkunft entstand vergangenes Jahr mit Neubau am Studentendorf. Es bietet Platz für 80 Menschen. Doch Wohnraum für junge Familien werde hier kaum nachgefragt, erläutert Busch. Meist nutzen kleine 2er- oder 3er-WGs die Wohnungen. Und auf dem Areal des ehemaligen Sprachatlas nahe Erlenring erfolgte vergangene Woche die Grundsteinlegung für ein 74-Bewohner-Gebäude. "Es gibt weiteren Bedarf", sagt Busch zur Nachfrage nach Wohnraum für Studierende.

Das Studentenwerk Marburg betreut insgesamt 2100 Wohnplätze.

Quelle: Gießener Allgemeine

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare