1. Wetterauer Zeitung
  2. Hessen

Schwerverletzte blieben mehrere Stunden lang unentdeckt

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Münzenberg (en). Wie lebendig begraben müssen sie sich gefühlt haben: Am Montagabend sind zwei junge Männer aus Lahntal bei Marburg an der Anschlussstelle von der A 45 abgekommen, eine Böschung hinuntergefahren – und Dienstagfrüh erst gefunden worden. Die Feuerwehr schnitt sie aus dem Auto, mit Rettungshubschraubern wurden sie in die Klinik geflogen.

Bereits am Montagabend gegen 21.15 Uhr hatte sich der Unfall nach der Schilderung des 26-jährigen Fahrers ereignet. In Richtung Hanau waren er und sein 28-jähriger Beifahrer unterwegs gewesen, als ihnen genau an der Ausfahrt Münzenberg ein Reh in die Quere gekommen sei.

Das Ausweichmanöver endete fatal. Der 3er BMW kam nach rechts von der Fahrbahn ab, durchfuhr den etwa 70 Meter breiten Grünstreifen zwischen Aus- und Auffahrt, überquerte irgendwie den Graben und die Auffahrtspur und krachte mit einer solchen Wucht in die Leitplanke, dass sie stark nach hinten gebogen wurde.

Nicht nur das: Die Schutzplanke wurde zur Sprungschanze – 50 Meter weit flog das Auto mit den beiden Männern. Dann landete es nach einer zehn Meter tiefen Böschung neben der Autobahn auf einer Wiese, überschlug sich noch mehrmals und kam auf den Rädern zum Stehen.

Hilfe holen unmöglich

Fahrer und Beifahrer wurden dabei eingeklemmt. Weder konnten sie sich selbst befreien noch hatten sie eine Chance, ihre Handys zu erreichen, noch konnten sie mit Licht und Hupe um Hilfe bitten. So waren die schwer verletzten Männer, die nach Polizeiangaben mit zu hohem Tempo gefahren waren, auf Gedeih und Verderb aufmerksamen Mitmenschen ausgeliefert.

Und bis die das Drama gewahr wurden, dämmerte es Dienstagmorgen. Patrick Löffler (22) aus Feldatal im Vogelsberg saß bei einem Arbeitskollegen im Auto, die beiden wollten von ihrer Gießener Firma aus zu den Deutschen Baumpflegetagen nach Augsburg. Beim Auffahren auf die A 45 sah er den hellen BMW unten auf der Wiese liegen – jemand schien mit etwas Weißem heraus zu winken. Löffler und sein Kollege hielten an, er sprintete die Böschung hinunter, sah die Eingeklemmten. Sie waren bei Bewusstsein, der Fahrer bat um Wasser. »Rausgekommen wären die da nie«, berichtete der junge Vogelsberger gestern dieser Zeitung. »Dann haben wir den Notruf gewählt, das war alles«, fügte er bescheiden hinzu.

Auf die Alarmierung hin kam die Butzbacher Feuerwehr und schnitt die beiden Unfallopfer aus dem Wrack, bevor sie von den Johannitern und dem Notarzt erstversorgt und in Kliniken nach Gießen und Frankfurt geflogen wurden.

Auch interessant

Kommentare