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»Schwerkranken Menschen Angst vor dem Ersticken nehmen«

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Wetzlar (wv). »Der schnelle Tod ist eher selten, allzu oft wird der Anfang vom Lebensende von schweren Erkrankungen bestimmt«, betonte Erich Koob, Sprecher des mittelhessischen Hospiz- und Palliativnetzes und Geschäftsführer des von Wetzlarer Hospiz »Haus Emmaus« vor über 100 Pflegekräften in der Wetzlarer Stadthalle.

Wetzlar (wv). »Der schnelle Tod ist eher selten, allzu oft wird der Anfang vom Lebensende von schweren Erkrankungen bestimmt«, betonte Erich Koob, Sprecher des mittelhessischen Hospiz- und Palliativnetzes und Geschäftsführer des von Wetzlarer Hospiz »Haus Emmaus« vor über 100 Pflegekräften in der Wetzlarer Stadthalle. Die Organisation hatte zu einem Vernetzungstreffen eingeladen, bei dem neben Fachvorträgen und Arbeitskreisen, die Diskussion mit den Gesundheitsexperten auf dem Programm stand. »Schwerkranke und sterbende Menschen pflegen, begleiten und ihre Symptome lindern«, so der inhaltliche Schwerpunkt des Treffens, an dem Fachkräfte aus ganz Mittelhessen teilnahmen.

»Aufgabe der Palliativbetreuung ist es, schwerkranke und sterbende Menschen zu begleiten und ihre Beschwerden wie starke Schmerzen, Atemnot und Übelkeit zu verhindern oder zumindest zu lindern. Für eine ganzheitliche Therapie zum Wohle der Kranken ist es wichtig, dass alle erforderlichen Fachdisziplinen vernetzt zusammenarbeiten« so Koob, als er die Teilnehmer begrüßte. »Palliative Netzwerke haben Gesichter, es sind Menschen, die dafür sorgen, dass Schwerstkranke würdig sterben können«, lobte Stadträtin Sigrid Kornmann, (FDP), die Arbeit der Einrichtungen.

Zuvor hatte sie die Grüße von Oberbürgermeister Wolfram Dette (FDP) und des Magistrates der Stadt Wetzlar überbracht.

»Zwischen 60 und 80 Prozent der Schwerkranken haben Probleme mit der Nahrungsaufnahme Die Folge ist eine durch Mangelernährung bedingte Entkräftung. Bei vielen Schwerst-kranken ist der Verlust an Körpersubstanz letztlich die eigentliche Todesursache«, erklärte Jens Reese, Oberarzt der Palliativklinik am Klinikum Wetzlar-Braunfels. Bei jedem Krebspatienten müssten die Gründe für die verweigerte Nahrungsaufnahme individuell diagnostiziert werden, denn dieses Verhalten kann viele Ursachen haben, bis hin zu starken Schmerzen oder dem Wunsch zum Sterben wollen. Besonders kritisch sieht der Mediziner die Situation bei Patienten, die sich zuhause nicht selbst versorgen können. »Wir können ihn doch nicht verhungern lassen«, so die Klagen der Angehörigen. Die Konsequenz, der Krebspatient braucht während dem gesamten Krankheitsverlauf eine Ernährungsbetreuung. Dabei machte der Oberarzt, deutlich, dass er in der Sondenernährung kein Allheilmittel sieht.

»Sauerstoffmangel im Blut, erhöhte Kohlenstoffdioxid-Werte und mehr Atemarbeit: So ent-steht das Gefühl von Lufthunger. Solche Qualen zu erleiden, ist eine der schlimmsten Befürchtungen von unheilbar kranken Krebspatienten. Die Therapie muss darauf abzielen, die Atemarbeit zu senken«, erklärte Andreas Günther, Chefarzt der Fachklinik Waldhof-Elgershausen.

Der Professor sprach über die medizinischen Aspekte von Atemnot. Luftnot entwickelt einen teuflischen Kreislauf hin zur Erstickungsangst und verstärkter Atemarbeit. Hier ist eine individuelle Behandlung angesagt, die auch den Einsatz von Opioiden notwendig macht. Sie lösen die Angstzustände, stillen die Schmerzen und verbessern die Atmung. Ziel aller Maßnahmen muss es sein: Nehmen sie dem Schwerkranken die Angst vor dem Ersticken«.

Die Palliativfachkräfte Susanne Horch und Monika Hoffer- Lorisch widmeten sich dem Thema »Berühren« - als einem qualifiziertem Element in der palliativen Versorgung. Menschen am Ende ihres Lebensweges haben aufgrund ihrer Krankheit nur begrenzte Kontaktmöglichkeiten. Jede Berührung wird hier zum Kontakt, zur Verbindung zum Leben. So kann schon die alltägliche Berührung während der Pflege zu einem wohltuenden Erlebnis werden.

Fazit des Arbeitskreises: Pflege in der Familie nur schwer zu ersetzen

Unter Leitung von Professor Wolfgang George (Fachhochschule Gießen/Friedberg) und Sabine Adams (Hospizverein Gießen) diskutierten die Teilnehmerinnen in zwei Arbeitskreisen: »Auswirkungen von schweren Erkrankungen auf Patienten und ihre Familie« und »Möglichkeiten von Gesprächsansätzen mit lebensbedrohlich erkrankten Patienten«. Die Erfahrung der Teilnehmer aus dem Arbeitskreis: Die Pflege in der Familie ist nur schwer zu ersetzten. Ein Hospiz kann nur die zweitbeste Möglichkeit sein.

»Aus der Praxis für die Praxis« so das Fazit von Erich Koob zur Veranstaltung. Dabei sei auch deutlich geworden, dass gerade in der Versorgung am Lebensende die Integration aller Fachkräfte notwendig sei. Er dankte der Diplom-Pflegewirtin Christa Hofmann-Bremer (Giessen) für die Organisation und Durchführung der Veranstaltung.

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