Schüler aus Fukushima erholen sich in Marburg

Marburg (dpa). Mit Sushi, Märchen und deutschem Liedgut haben für 18 Schüler aus der japanischen Region Fukushima ihre Ferien im Kreis Marburg-Biedenkopf begonnen. Die Jugendlichen sollen sich hier gut zwei Wochen lang von der Atomkatastrophe und den schlimmen Erlebnissen in ihrer Heimat erholen.

»Wir wollten ihnen die Chance geben, mal etwas anderes zu erleben«, sagte der Erste Kreisbeigeordnete Karsten McGovern bei der Begrüßung der Jugendlichen und ihrer fünf Betreuer am Mittwoch in Marburg. Die Reise bekamen die jungen Gäste spendiert – der Kreis hat dafür in den vergangenen Monaten mehr als 30 000 Euro Spenden gesammelt.

Die 13- bis 15-Jährigen kommen aus der nur wenige Kilometer vom havarierten Kernkraftwerk Fukushima entfernten Stadt Tomioka, die im März 2011 nach der Erdbeben-, Tsunami- und Atomkatastrophe evakuiert wurde. Sie können nach Angaben des Kreises auf unbestimmte Zeit nicht zurück in ihren Heimatort. Den Kontakt zu den Schülern hat eine in Marburg lebende Japanerin hergestellt.

Bei der Begrüßung in Marburg gab es gleich erste Gastgeschenke: Spielzeug-Froschkönige. Die verteilte der Kreistagsvorsitzende Detlef Ruffert, nachdem er das entsprechende Brüder-Grimm-Märchen erzählt hatte. »Japaner lieben Grimms Märchen«, begründete er die Aktion. Die berühmten Märchensammler haben zudem eine Verbindung zu Marburg – sie studierten hier. Die japanischen Gäste revanchierten sich mit Gesang – dabei stimmten sie auch »Sah ein Knab’ ein Röslein steh’n» an.

Besuch beim Metzger

Auf dem Ferienprogramm steht unter anderem ein Besuch der Wartburg in Thüringen, des Goethehauses in Frankfurt und ein Treffen mit deutschen Schülern. Das Programm sei nach den Wünschen der Kinder zusammengestellt worden, sagte Diplom-Pädagogin Verena Vögl, die die Besucher mitbetreut. Bei der Planung sei auch auf die traumatischen Erlebnisse der jungen Gäste Rücksicht genommen worden. Vor allem gehe es aber darum, dass sie in den kommenden Tagen viel Spaß haben. Der größte Wunsch der Jugendlichen: den deutschen Schulalltag kennenlernen, sagt Vögl. Dafür geht es nach Bayern, denn dort sind noch keine Ferien. Außerdem wollen die Jugendlichen einem Metzger bei der Bratwurstherstellung zusehen. Liebster Programmpunkt der 13 Jahre alten Aika Sakamoto: ein Treffen mit einem Jugendfußball-Club. Auch Frankfurt begrüßt laut einer Mitteilung Ende Juli ebenfalls eine Delegation aus Japan, darunter 70 Kinder und Jugendliche aus den Erdbebengebieten von Fukushima, Miyagi und Iwate.

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