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Die Berliner Autorin Marion Poschmann ist für drei Monate nach Lahntal-Goßfelden gezogen. Im Ubbelohde-Haus beschäftigt sie sich mit der Natur ringsum.

Schreiben in der Natur

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Ein mehr als 100 Jahre altes Künstlerhaus mitten in Hessen dient als temporäres Heim für Schriftsteller, die sich mit ihrer Umwelt auseinandersetzen. Als Erste zieht Marion Poschmann dort für drei Monate ein.

Vor dem Fenster Wiesen und das Lahntal, dahinter der Schreibtisch von Autorin und Lyrikerin Marion Poschmann. Aus der Großstadt Berlin ist sie in die Abgeschiedenheit eines Künstlerhauses mitten in Hessen gezogen, um sich drei Monate lang mit dem Ort und vor allem der Natur ringsum zu beschäftigen. Poschmann ("Die Kieferninseln") ist die erste Inhaberin eines Autorenstipendiums des neu gegründeten Vereins "Zwei Raben: Literatur in Oberhessen".

Sie habe sich in ihrem Werk schon viel mit der Natur in unterschiedlicher Form befasst, erzählt die mehrfach ausgezeichnete Schriftstellerin (49). "Aber meistens von Berlin vom Schreibtisch aus. Direkt in der Natur zu sein, das macht natürlich viel aus." Natur gibt es reichlich rund um ihr temporäres Zuhause, das ehemalige Wohn- und Arbeitshaus des Landschaftsmalers Otto Ubbelohde (1867-1922) in Lahntal-Goßfelden bei Marburg. Gebaut wurde es um 1900 und erhielt nun frisch renovierte Zimmer für die Autorenwohnung.

"Weit und breit nur wenig Menschen um sich", beschreibt Poschmann die Szenerie. "Man ist direkt mit verschiedenen Tieren konfrontiert: Vor dem Haus sind Alpakas, neben dem Haus sind Kühe, noch ein Stück weiter Pferde und Ponys. Ganz abgesehen von den Mäusen und anderem Getier, das sich hier im Garten aufhält, und das ist natürlich einfach sehr schön."

Region mit Literatur verknüpfen

Ein Ziel des Vereins "Literatur in Oberhessen" ist, die ländlich geprägte Region zwischen Lahn und Ohm, zwischen Gießen, Marburg und dem Vogelsberg, zurück ins literarische Bewusstsein zu holen und mit der Literatur der Gegenwart zu verknüpfen. Wichtiges Thema dabei: die Natur.

"Heute richtet die Literatur ihren Blick wieder neu auf die Natur", teilt der Verein zu seinem Vorhaben mit. Bücher in der Tradition des Nature Writing würden zu Bestsellern, das Naturgedicht erfahre eine Renaissance und Fragen nach einem besseren Leben außerhalb der Städte erschienen aktueller denn je.

Auch wenn Ober- beziehungsweise Mittelhessen einige Dutzend Kilometer von der Buchmessenstadt Frankfurt und anderen Zentren entfernt liegt - sie besitzt der Germanistin Erika Schellenberger zufolge literaturhistorische Relevanz, an die angeknüpft werden solle. Erinnert sei etwa an den Lyriker Rainer Maria Rilke (1875-1926), der in den Jahren 1905 und 1906 mehrere Wochen auf Schloss Friedelhausen bei Marburg verbrachte, oder an Schriftsteller Peter Kurzeck (1943-2013), der lange in der Region lebte.

"Wir brauchen starke Stimmen", betont Schellenberger, die zusammen mit dem Schriftsteller Thomas Hettche den Vereinsvorsitz innehat. Nötig seien "starke, wichtige Stimmen der Gegenwartsliteratur", die die Natur und auch den "absolut bedrohlichen Wandel" thematisierten. Das sagt die Germanistin nicht allein mit Blick etwa auf den Klimawandel, sondern auch auf andere Entwicklungen. Auf der einen Seite sei es eine Idylle, die aber auch mitunter zerschlagen und bedroht werde, wie überall auf der Welt, erläutert sie und deutet auf das viele Grün rund um das Lahntaler Künstlerhaus.

Der Verein "Literatur in Oberhessen" will das neue Autorenstipendium mit Unterstützung des Landkreises Marburg-Biedenkopf, der Gemeinde Lahntal und dem hessischen Kunstministerium künftig zweimal im Jahr vergeben. Dass die Autoren für drei Monate ins Ubbelohde-Haus ziehen und damit in das Haus eines Malers, passt aus Sicht des Vereines durchaus - weil die Natur sein zentrales Thema war. Ubbelohdes Werk umfasst Radierungen, Zeichnungen und Gemälde mit Landschaftsmotiven der Region.

Quelle: Gießener Allgemeine

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