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Samen-Hahn: Nach 114 Jahren kommt der Abrissbagger

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Gießen (mö). Es hat die Bombenangriffe im Dezember 1944 und die Abrissorgie der Nachkriegszeit überstanden sowie dem über 30 Jahre währenden Leerstand getrotzt. Am Freitag indes läutete der Abrissbagger einer Baufirma aus Kassel dem denkmalgeschützten Samen-Hahn-Haus nach 114 Jahren die Totenglocke.

In nur einem Tag wurde die Gebäudehälfte Bahnhofstraße 35 beseitigt. Bis zum Mittwoch soll die Adresse Reichensand 2 folgen. Danach kann die Straßensperrung aufgehoben werden.

Gegen acht Uhr hatte der in der Nacht nach Gießen gebrachte große Spezialbagger seine Arbeit aufgenommen. Entgegen der Erwartung, dass das – laut Gutachten – einsturzgefährdete Haus Stockwerk für Stockwerk von oben abgetragen wird, bekamen die Schaulustigen einen richtigen Abriss zu sehen. Um das unmittelbar angrenzende Haus Bahnhofstraße 39 zu schützen, hing zwischen beiden Gebäuden ein überdimensionaler Vorhang aus Lkw-Reifen an einem Spezialkran. Ein bewährte Methode, wie Bauleiter Arne Lengemann von dem Baunataler Unternehmen Schnittger erläuterte.

Die gegenüberliegende Bebauung in der Bahnhofstraße schützten einige Container, die auf der Straße abgestellt worden waren. Zudem war bereits am Vortag die Fahrbahn mit einer dicken Schicht aus Sand abgedeckt worden. Um hochgewirbelten Staub zu binden, wurde die Baustelle ständig mit Wasser aus Schläuchen befeuchtet.

Wie Lengemann sagte, sei der Abriss eher unkompliziert: »Durch die Freifläche hinter dem Haus haben wir genug Bewegungsfreiheit«. Von einem möglichen Arbeitseinsatz am heutigen Samstag habe man abgesehen. Der Bauleiter erwartet, dass Montag und Dienstag ausreichen werden, um den Auftrag zu erledigen. Jeden Tag kann bis 22 Uhr gearbeitet werden. »Wir wollen unseren Beitrag leisten, dass die Straßen in der Umgebung so schnell wie möglich wieder geöffnet werden können«, fügte der Polier hinzu.

Vor allem ab dem Mittag verfolgten etliche Gießener die Arbeiten. Die Jüngeren fotografierten mit ihren Handys, Ältere diskutierten über den »Fall Samen-Hahn«. »Traurig, traurig« meinten die einen, »das hätte man auch gleich haben können« die anderen. Ein Zuschauer meinte: »Hoffentlich müssen wir das bei der Alten Post nicht erleben.«

Gemünzt war diese Äußerung auf die Eigentümer des Samen-Hahn-Areals, denen bekanntlich auch das vor sich gammelnde Postgebäude aus Kaisers Zeiten am Bahnhof gehört. Die Eigentümerfamilie selbst war vor Ort, um den Abriss zu verfolgen.

Am kommenden Donnerstag sollen in der Stadtverordnetenversammlung die ersten Weichen für eine Neubebauung der Brachfläche gestellt werden. Die Stadt drängt auf einen Nachbau, um den bauhistorischen Dreiklang Dortmunder Eck, Schipkapass und Samen-Hahn wiederherzustellen.

Video vom Abriss des Samen-Hahn

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