Von »Rockern« und einer Entführung zum Junggesellenabschied

Butzbach (bnf). Jörg Reinemer, Pressesprecher der zum Präsidium Mittelhessen in Gießen zählenden Wetterauer Polizei, ist kein »Lautsprecher«, arbeitet am PC oder am Mikrophon quasi »druckreif«. Nach einem, wie er schrieb, »nicht alltäglichen Einsatz« am Samstag in Butzbach musste auch der erfahrene Mann sich erst einmal sammeln.

Immergin ging es um Rocker, Fehlzündungen und um einem Junggesellenabschied in Köln – und den Besorgnis erregenden Anruf einer Butzbacherin.

Eigentlich handelte es sich um zwei Einsätze, die die Beamten zu meistern hatten. Das war aber erst hernach so zu werten. Gegen 12.15 Uhr hatte eine Zeugin der Polizei in Butzbach telefonisch mitgeteilt, dass im Gewerbegebiet Ost, am Hetgesborn, eben gerade mehrere maskierte Personen aus einem Transporter ausgestiegen seien. Unmittelbar danach, so die aufgeregte Anruferin, seien noch Schüsse gefallen.

Mehrere Streifenwagen fuhren hin und trafen auf etwa 50 Personen aus dem Rocker-Milieu. Indes: Bei den »Rockern« handelte es sich um eine Hochzeitsgesellschaft, die sich dort getroffen hatte, und keiner von ihnen war vermummt. Zudem hätten die Beamten auch keinen Transporter sichten können. Erste Einschätzung: Fehlzündungen der Motorräder hatten sich wie Schüsse angehört. Letztendlich ergaben sich, schrieb Reinemer, »keine weiteren Hinweise darauf, dass diese Gruppe etwas mit der Beobachtung der Zeugin zu tun hat«.

Die Polizisten blieben aber am Ball, fragten bei der Anruferin nach. Doch, sagte diese, sie sei sich sicher, dass maskierte Personen geschossen hätten. Also suchte eine Streife anschließend nochmals das Areal ab – und stieß in der Nähe eines Autohauses auf einen 35-Jährigen Butzbacher, der endlich Licht ins Dunkle bringen konnte.

Und wer zahlt den Einsatz?

Der Mann habe glaubhaft schildern können, dass sich tatsächlich maskierte Personen in dieser Gegend aufgehalten hätten. Ein Bekannter von ihm wolle nämlich an diesem Abend seinen Junggesellenabschied feiern. Der Bräutigam in spe sei unter einem Vorwand an den Hetgesborn gelockt worden, wo dann mehrere maskierte Freunde in einem schwarzen Lieferwagen vorfuhren. Auch ein Schuss sei gefallen – mit einer Platzpatrone. Anlass fürs Kidnapping: Der Noch-Junggeselle sollte im Lieferwagen zur Feier nach Köln entführt werden.

Die »Rocker«, die einige Meter entfernt davon warteten, hätten »glücklicherweise nichts von der angeblichen Entführung mitbekommen«, stellte Reinemer klar.

Hat sich’s damit? Nein!

Die Polizei prüft, ob sich die Junggesellen-Entführer wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz strafbar gemacht haben. »Möglicherweise kommen die Kosten des Einsatzes auf die Urheber zu.« Letztendlich habe man aber nach dem Einsatz Entwarnung geben können. Reinemer zitierte abschließend aus dem Einsatzprotokoll: »Wie gut, dass die ›Rocker» die Sache nicht mitbekommen und somit nichts falsch verstanden haben.«

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