In der Rittal-Arena: Marschmusik und Pophits

Wetzlar (chl). Blasmusikanten, Militärmusiker, Dudelsackspieler, Alphornbläser, Sänger und Tänzer aus sieben Nationen marschierten in der Rittal-Arena auf und überbrachten den rund 2500 Zuhörern ihre klingenden Grüße.

Bei der Musikparade Militär- und Blasmusik bereiteten Orchester aus Bulgarien, Polen, Russland, Schottland, der Ukraine, Bayern und erstmals aus China ein über dreistündiges Vergnügen für alle Freunde der in Formationen und mit ausgefeilten Choreographien auftretenden Kapellen. Doch die in Trachten, Uniformen oder Schottenrock gekleideten Blech- und Holzbläser sowie Trommler hielten nicht nur die Fahne der Marsch- oder Volksmusik in den Wind. Auch Arrangements von Pophits, Filmmusiken, Schlagern oder Musicalohrwürmern gehörten zum Repertoire.

Moderiert von Björn Gehrmann, legten die rund 250 Musikanten eine stimmungsvolle Eröffnung hin: Denn zunächst durchstreifte »Superman« den Saal auf der Suche nach seiner »Superwoman«. Und schon marschierten das russische Militärmusikkorps Perm sowie das Militärorchester Tschernigov aus der Ukraine durch das Tor einer Schlosskulisse auf dem Paradeplatz der Arena mit der Titelmusik aus dem Film »Superman« auf. Fahnen schwenkend, winkend und klatschend gesellten sich die Mitglieder der anderen Orchester in Polonaisemanier dazu. Mit einem Medley aus Schlagern von Udo Jürgens sowie dem diesen ersten Aufzug beschließenden »Florentiner Marsch« war die grobe musikalische Bandbreite des Abends schon einmal abgesteckt.

Den Auftakt im Reigen der Einzelaufmärsche übernahm die bereits 1884 gegründete »Bulgarian Navy Band« aus Varna. Märsche, aber auch Whitney Houstons Olympiahymne »One Moment in Time«, der Discohit »YMCA« und flinke folkloristische Klänge standen auf ihrem Programm. Einen Kontrast dazu bildete die Dudelsackmusik der »Royal Air Force Waddington Pipes and Drums« aus Schottland. Neben traditionellen Weisen wie »Scotland the Brave« oder sogar »Muss i denn zum Städtele hinaus« stimmten die Sackpfeifenspieler und Trommler auch den der britischen Königin gewidmeten »Queen Elizabeth March« an.

Zackiger Drill und »Säbeltanz«

Aus Polen war das Polizeiorchester Breslau angereist. Die Kapelle um ihre sehr tänzerisch agierenden Dirigenten setzte neben Märschen ebenfalls auf eine moderne Tonsprache: »Smoke on the Water« von Deep Purple, die James-Bond-Titelmelodie, ein swingendes »Oh when the Saints« und – als hätte man sich nicht vorher absprechen können – nochmals »YMCA«. Auch nicht so toll: Einer der Trompeter versuchte sich stets, jedoch ohne die nötige Sicherheit, in sehr hohen Lagen.

Mehr Brillanz folgte gleich darauf: Denn als ein musikalischer Höhepunkt entpuppte sich der Auftritt des ukrainischen Militärorchesters Tschernigov. Es begeisterte nicht nur mit einem exquisiten Bläserklang, sondern gab seinen Anfangs zackigen Drill zugunsten einer gewissen Lockerheit bei Titeln wie der Filmmusik aus »Rocky« oder Michael Jacksons »Billie Jean« auf. Zudem glänzte Xylophon-Spieler Andrii Sheludiakov als Solist beim »Säbeltanz«.

Erstmals war mit dem Polizeiorchester aus der chinesischen Hafenstadt Tianjin (nahe Peking) eine Kapelle aus dem ferneren Asien zu Gast. Doch das mit rund 45 Musikanten stärkste Orchester des Abends hinkte mitunter im rhythmischen Zusammenspiel streckenweise auseinander. Bekannte Gesichter traten mit der Blaskapelle Bad Bayersoien und dem Militärmusikkorps Perm in Wetzlar auf (beide zuletzt 2011). Zünftig ließ es die oberbayerische Trachten-Blaskapelle angehen, die neben Schmankerl wie dem »Schneewalzer« oder dem »Laridah-Marsch« auch mit Alphornbläsern, Goaßlschnalzern, Schuhplattlern, Holzhacker-Buam und einen »Schmied« für die »Amboss-Polka« gefiel.

Zum Abschluss setzte das russische Militärorchester noch einmal Akzente mit Cha-Cha-Klängen, Folklore oder alten Schlagern wie »Ein Freund, ein guter Freund«. Als besondere musikalische Gäste waren der junge Akkordeonist Maxim Tokaev, der vor ein paar Jahren die russische Version von »Das Supertalent« gewann, sowie die neuseeländische Sängerin Crystel Benton, die mit viel Gefühl und klarem Timbre »Memories« aus dem Musical »Cats« anstimmte, zu hören.

Als großes Nationenorchester verabschiedeten sich alle Teilnehmer unter anderem mit dem »Radetzky-Marsch« und dem Marsch »Alte Kameraden« auf ein Wiedersehen bei nächsten Musikparade in Wetzlar – am 25. Januar 2014.

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