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Riesige Zugvogelschwärme machen Rast im Lahntal

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Heuchelheim/Wetzlar (pm). Ein seltenes Naturschauspiel war dieser Tage in der Lahnaue zwischen Heuchelheim und Atzbach zu besichtigen. Wie Gerhard Wiese vom Naturschutzbund (NABU) Heuchelheim-Kinzenbach berichtete, ließen sich dort jetzt im Februar derart große Kranich- und Kiebitzschwärme zur Rast nieder, wie schon seit 20 Jahren nicht mehr.

Das Gießener Regierungspräsidium (RP), als verantwortliche Behörde für das Management des EU-Vogelschutzgebietes »Lahnaue zwischen Atzbach und Gießen« nimmt das Geschehen zum Anlass, die Bevölkerung nochmals auf den Schutz der Zugvögel hinzuweisen, die ausgeruht und gestärkt ihren Flug in die traditionellen Brutgebiete fortsetzen sollen.

Auch aktuelle Meldungen von Matthias Korn (Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz) erreichten das RP. Demnach zogen - getragen von einer starken Südwestströmung - innerhalb eines Wochenendes allein 1600 Kiebitze durch Mittelhessen. In den Augen der Experten unterstreiche das die hohe ornithologische Bedeutung des mittelhessischen Schutzgebiets.

Wiesen möglichst nicht benutzen, Hunde auch auf abgelegenen Wegen anleinen

»Damit sich die Vögel von ihrer langen Reise aus den Winterquartieren ausruhen und vor allem ausreichend Nahrung für ihren kräftezehrenden Weiterflug aufnehmen können, sind sie ganz besonders auf Rücksichtnahme angewiesen«, erläutert Kerstin Roth, Schutzgebiets-Expertin beim Regierungspräsidium.

Sie bittet die Bevölkerung, die Wege und Wiesen der Lahnaue möglichst gar nicht zu benutzen, solange die Vögel dort rasten. Auf jeden Fall sollen Hunde - auch auf abgelegenen Wegen - angeleint werden. Roth bedauert, dass immer wieder beobachtet werden müsse, wie nicht angeleinte Vierbeiner die rastenden Vogelscharen aufscheuchten und zum vorzeitigen Weiterflug zwangen. »Kiebitze sind sehr standorttreu und erreichen ein hohes Alter«, sagt Roth und hofft nun auf die erneute Rückkehr der hessenweit vom Aussterben bedrohten Kiebitz-Brutpaare, die in der Lahnaue schon Nachwuchs aufgezogen haben. Die gute Zusammenarbeit mit den Ortslandwirten von Heuchelheim und Atzbach, die bei ihrer Feldbewirtschaftung auf die am Boden brütenden Kiebitze achteten, sei maßgeblich für bisherige Bruterfolge gewesen.

Auch der NABU-Landesverband informierte über dieses »großartige Frühjahrsschauspiel am Himmel«. Landesvorsitzender Gerhard Eppler bittet ebenfalls alle Naturbeobachter um Rücksichtnahme: »An den Rastplätzen sollte man einen Abstand von 300 Meter einhalten, um erschöpfte Tiere nicht unnötig zu beunruhigen.«

Hessen liegt an Hauptzugroute der Kraniche auf dem Weg nach Norden und Osten

Hessen liege in einer Hauptzugroute der Kraniche auf ihrem Weg von den Winterquartieren in Nordfrankreich und Spanien nach Ostdeutschland und Nordeuropa. In den nächsten Wochen ziehen bis zu 250 000 Kraniche über Hessen hinweg. Erste Massenflugtage werden für Ende Februar erwartet. »Die Zahl der Kraniche hat sich in den letzten 30 Jahren verzehnfacht«, erklärte Eppler. Die starke Zunahme hänge vor allem mit den verkürzten Zugwegen und einem großen Bruterfolg zusammen.

Durch die Klimaerwärmung sei es für viele Kraniche nicht mehr nötig, im Winter bis nach Südspanien oder Nordafrika zu ziehen. Viele Vögel überwinterten an großen Seengebieten in Nordfrankreich. Typische hessische Rastgebiete seien die Auen von Rhein und Main, das Bingenheimer Ried und die Horloffaue in der Wetterau sowie die Flusstäler von Lahn, Fulda und Eder.

Der NABU bittet, alle Kranich-Beobachtungen zu melden. Sichtungen können im Internet auf www.kranich-hessen.de eingegeben werden. Auf der Kranichwebseite des NABU Hessen sind auch alle bisherigen Kranich-Beobachtungen abrufbar.

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