+
Im Prozess um den Mord an einer Reiterhofchefin in Schöneck will sich der 23-jährige Angeklagte beim nächsten Termin am 6. September zu den Tatvorwürfen äußern.

Mordprozess

Reiterhof-Chefin umgebracht: Es sollte aussehen wie ein Suizid

  • schließen

Mord aus Heimtücke wirft die Staatsanwaltschaft Hanau einem 23-jährigen Pferdewirt vor. Er soll im September 2018 die Besitzerin des Reiterhofs "Am Buchwald" in Schöneck umgebracht haben. Vor Gericht kamen nun Details zur Sprache.

Am Donnerstag wurde der mit großem Interesse erwartete Prozess gegen den rumänischen Pferdewirt vor der Großen Strafkammer am Landgericht Hanau eröffnet. Laut Anklage soll der zur Tatzeit 22 Jahre alte Rumäne als Hilfsarbeiter auf dem Pferdehof seines späteren Opfers in Schöneck-Büdesheim gearbeitet haben. 

Nach vorangegangenen Streitigkeiten um die Höhe und den Auszahlungsmodus des vereinbarten Lohns und der damit im Zusammenhang stehenden Kündigung des Angeklagten durch die Reiterhofbesitzerin soll es zum Mord gekommen sein: Am 10. September 2018 habe der 22-Jährige seine 51 Jahre alte Chefin in den Vormittagsstunden zunächst gewürgt und später erhängt. "Er hat seine Chefin erst im Stall in ein Gespräch verwickelt, sie dann um Werkzeug für eine angebliche Reparatur gebeten, um dann schließlich in ihrem Wohnhaus ihre Arg- und Wehrlosigkeit dazu auszunutzen, sie umzubringen", sagte Staatsanwalt Dr. Alexander Voigt zur Vorgehensweise des Angeklagten.

Prozess um Mord an Reiterhof-Chefin: Schlinge um den Hals zugezogen

Mit Strick um den Hals soll die Pferdehofbesitzerin den jungen Mann angeschrieen haben, warum er das tue, und ihm ihr gesamtes Bargeld in Höhe von 2520 Euro angeboten haben. Doch das habe der Angeklagte mit den Worten ausgeschlagen: "Das ist jetzt zu spät. Du hast mich verarscht und Du hast auch alle anderen verarscht." Dann habe er die Schlinge um den Hals der Frau zugezogen. Um die Spuren seiner Tat zu verwischen und einen Selbstmord vorzutäuschen, habe er die Frau mit einem zweiten Seil am Treppengeländer aufgehängt.

Während der 22-Jährige - zu diesem Zeitpunkt noch als Zeuge - in einem ersten Verhör durch die Polizei den Tatverdacht auf den Ex-Ehemann des Opfers und den früheren Besitzer des Reiterhofs zu lenken versucht hatte, gab er bei der zweiten Befragung die Tat offen und völlig emotionslos zu. Die beiden Männer waren zu diesem Zeitpunkt schon von der Verdächtigenliste der Polizei gestrichen. Vom Angeklagten dagegen hatte die Polizei DNA-Spuren am Opfer und Blutspuren an dessen Kleidung gefunden.

Prozess um Mord an Reiterhof-Chefin: Internationaler Haftbefehl

Die Festnahme gelang der Polizei dann mittels eines internationalen Haftbefehls in Österreich; dahin hatte er sich nach einem Zwischenstopp in der Heimat abgesetzt. Als die Polizei ihn im Januar 2019 in der Nähe von Graz festnahm, sollen laut dem Vernehmungsbeamten dessen ersten Worte gewesen sein: "Ich habe eine falsche Entscheidung getroffen." Danach soll er die Tat "völlig unbeteiligt" geschildert und dabei Details genannt haben, die nur der Täter wissen konnte. "Ich hatte das Gefühl, er hat auf seine Verhaftung gewartet, denn er hat sich weder zur Wehr gesetzt, noch schien er irgendwie überrascht", berichtet der Polizeibeamte vor Gericht.

Als Bilder von dem Tatort gezeigt wurden, blickte der Angeklagte zu Boden. Abgesehen von einigen Tränen zu Beginn der Verhandlung wirkte er auch diesmal teilnahmslos. Seine beiden Rechtsanwälte teilten mit, der Rumäne wolle sich beim nächsten Termin am 6. September zu den Tatvorwürfen äußern. Er werde sich in etwa so einlassen, wie er es bereits bei der Polizei getan habe. Bei Vernehmungen hatte er die Tat gestanden.

Quelle: Gießener Allgemeine

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare