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Raser musste tief in seine Urlaubskasse greifen

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Mücke/Grünberg (rs). »Kann man sich anstecken, wenn einer neben einem sitzt und Drogen konsumiert?« Diese Frage konnte der vom Kumpel des Drogenkonsumenten gefragte Beamte der Autobahnpolizei Mittelhessen am Dienstag auf dem A 5-Parkplatz »Heg-Berg« bei Atzenhain zwar nicht beantworten.

Er konnte aber zusichern, dass das Fahren in diesem Zustand beendet sei und ein Verfahren nach sich ziehen wird. Bei einer großangelegten Kontrolle zogen 20 Autobahnpolizisten aus Butzbach und Bereitschaftspolizisten aus Lich Fahrzeuge mit auffälligem Fahrstil, mit zu viel Tempo in einer vorgelagerten Radarkontrolle sowie Lastwagen aus dem Verkehr, deren Gefahrenpotenzial bereits in Höhe der Rastanlage Reinhardshain von Fachleuten im Vorbeifahren geschätzt worden war.

Schon in den ersten zweieinhalb Stunden hatten die Polizisten mehrere herausgewunkene Fahrzeuge mit Fahrtrichtung Kassel stillgelegt beziehungsweise deren Fahrer zur Kasse gebeten. So war in einer Baustelle am Lumdaer Berg – wie so oft in den letzten Wochen – eine moderne Radaranlage aufgebaut. Die Werte ausländischer Fahrzeuge wurden gleich an die Kontrollstelle auf dem Autobahnparkplatz gemeldet und die Fahrer herausgewunken – an die mobile Kasse. Bis zum Mittag lag der bemerkenswerte Rekord in der Tempo-80-Zone bei 141 Stundenkilometer, der schnelle Norweger musste tief in seine Urlaubskasse greifen. Deutsche Geschwindigkeitssünder werden in den nächsten Wochen postalisch über ihre Werte und die Folgen informiert.

Handgemaltes Gefahrgutzeichen

Der Mann unter Drogen am Steuer hatte einen Lieferwagen mit VB-Kennzeichen gefahren. Weil für ihn auf dem Parkplatz Ende der Dienstfahrt war, kam sein Chef, um Mitarbeiter und Fahrzeug zu holen. Als die Polizei dann noch feststellte, dass bei dem Lieferwagen zwei Reifen abgefahren waren, hatte sich auch der Halter ein Verfahren eingehandelt.

Mit verbotener Ladung wurden ferner zwei Lkw erwischt; der eine aus Osteuropa hatte Gefahrgut im falschen Mix und in nicht mehr zulässigen Behältern geladen, bei dem anderen aus dem Vogelsberg tropfte eine gelbe Flüssigkeit von der Ladefläche, auf der Fahrzeugschrott gestapelt war. Das »A« für Gefahrgut war mit dem Finger auf die schmutzige rückwärtige Ladebordwand gemalt worden (kleines Foto unten). Ein Anruf der Polizei bei der Spedition ergab, dass es sich bei der Flüssigkeit um Wasser handeln müsse. Das glaubten die Beamten indes nicht, es wäre dann sehr schmierfähiges Wasser gewesen. So stellten sie eine Probe sicher, Fachleute der Polizei tippten auf Hydrauliköl. Der Zufall wollte es, dass von eben dieser Vogelsberger Firma ein zweiter Lkw herausgewunken wurde, bei ihm wurde eine geplatzte Bremsscheibe diagnostiziert.

Wahrscheinlich hatte sich die Reparatur aus Firmensicht nicht mehr gelohnt, denn bei der Zugmaschine war die HU-Prüfplakette im Mai abgelaufen, bei dem Auflieger im Juli. So wurde dieser Lastzug unter Polizeibegleitung zum nahe gelegenen Betriebshof geleitet, dort wurden die Fahrzeuge stillgelegt.

Schließlich wurde noch ein polnischer Auflieger rausgewunken, dessen Ladung von über drei Meter breiten Stahlschüsseln deutlich über den Auflieger hinaus und in die Fahrbahn hineinragte. Die eigentliche Gefahr ging aber von der Ladungssicherung aus, die aus Sicht der Beamten keine war. Unter die Stahlschüsseln geschobene und nicht gesicherte Holzkeile von über 30 Zentimeter Kantenlänge hatten sich gelöst, zwei lagen bei der Kontrolle nur noch lose auf der Ladefläche.

Letztlich bilanzierte Polizei-Pressesprecher Thorsten Mohr aus Gießen am Abend, dass in Summe 82 Personen, 28 Lkw, 17 Pkw, sechs Lkw-Tiertransporte, drei Sprinter sowie einen Reisebus kontrolliert worden seien. Bei der Schwerverkehrskontrolle gab es bei 50 Prozent der Lkw Beanstandungen. Bei den sechs observierten Tiertransporten hatte die Veterinärmedizinerin des Landkreises Gießen in allen Fällen Verstöße zu notieren.

Konsequenz unter anderem: zwei Ordnungswidrigkeitenverfahren. An Sicherheitsleistungen ausländischer Delinquenten verzeichnete die Polizei ein inkasso von 1350 Euro. Acht Trucker erhielten Anzeigen wegen des Verstoßes gegen Sozialvorschriften; sie saßen zu lang am Steuer oder hatten die vorgeschriebenen Pausen nicht eingehalten.

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