Die Rache der alten Männer

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Plötzlich ist er wieder da, als wäre er nie weg gewesen. Er ist zurück, der neue Heilsbringer, der Mann, der alles zum Guten wenden wird: Fritze Merz!

Plötzlich ist er wieder da, als wäre er nie weg gewesen. Er ist zurück, der neue Heilsbringer, der Mann, der alles zum Guten wenden wird: Fritze Merz!

Zeit also für einen neuen Hype, Zeit für den neuen Supervorsitzenden der CDU und Zeit für den zukünftigen Gottkanzler Friedrich Merz, unseren Barack Macron aus dem Sauerland. Ganz sicher – er wird es richten. Das Volk ist schon jetzt begeistert. Ein Volk, das in verlässlicher Regelmäßigkeit nicht in der Lage ist, über das abzustimmen, was wirklich zur Wahl steht, sondern stattdessen viel lieber emotionale Pauschal-Wutdenkzettel verpasst – dieses Volk hat endlich wieder einen Heilsbringer. Einen, der von außen kommt, der »Klartext« redet. Noch besser, einen waschechten Merkel-Gegner.

Ich halte es übrigens für ein Gerücht, dass sich unser neuer Friedrich der Große, die letzten zehn Jahre nach seinem Clinch mit der Kanzlerin und dem damit verbundenen Ausscheiden aus der Politik in teils fragwürdigen Finanzunternehmen als Lobbyist und Aufsichtsrat herumgelümmelt hat. Nein, das wäre mir zu banal. Da Friedrich Merz sich äußerlich null verändert hat, also eindeutig nicht gealtert ist, muss man schlicht davon ausgehen, dass er in all den Jahren in einer Eistruhe lag und sich auf diese Weise für künftige höhere Aufgaben frischgehalten hat. Dass er geduldig gewartet hat auf diesen einen Moment, den Moment, wenn Angela Merkel endlich ihren vaterlandserlösenden Rücktritt ankündigt.

Und zack, einen Tag später war er plötzlich da, der Friedrich. Frisch aufgetaut, senkte er wie eh und je gewichtig sein Haupt, legte denkerisch seine Stirn in Falten und verkündete wie demnächst der konservative Hase zu laufen hat. Lange genug hat diese pragmatische, viel zu sozialdemokratische Physikerinnen-Protestantin aus dem Osten, und dann auch noch Frau, die Geschicke bestimmt. Schluss damit!

Klar, der fast minderjährige Gesundheitsminister der Herzen, Jens Spahn, wird unserem Fritze auf seinem Durchmarsch nach ganz oben ebenso wenig im Wege stehen wie diese Generalsekretärin aus dem Saarland mit den vielen Rs im Namen. Nein, die wahre Gefahr lauert in den vielen anderen CDU-Eistruhen, in denen noch mehr Herren machtlos herumliegen, die sich im letzten Jahrzehnt an der Kanzlerin verzweifelt die Zähne ausbissen. Burschen wie Roland Koch, Christian Wulf, Norbert Röttgen oder Volker Rühe, um nur einige wenige zu nennen. Auch sie werden ganz sicher in den nächsten Tagen ihre Kampfkandidatur ausrufen. Ein knallhartes Kopf-an-Kopf-Rennen steht bevor, das selbstverständlich final mit der Kanzlerschaft belohnt wird. Sollte es dann wider Erwarten nicht gemeinsam mit der neuen CSU-Troika Guttenberg-Stoiber-Waigel zu einer absoluten Mehrheit reichen, stünde in diesem Fall selbstverständlich aus staatspolitischer Verantwortung wie immer die runderneuerte SPD bereit, so sie die Fünf-Prozent-Hürde überschreiten sollte. Mit einem Vizekanzler Scharping sowie Kurt Beck und Hans-Jochen Vogel im Rücken kann nicht wirklich etwas schiefgehen. Es sei denn, der neue Juso-Vorsitzende Sigmar Gabriel macht von der Seite aus zu viel Ärger.

Aber selbst dann stünden ja immer noch Joschka Fischer und Rezzo Schlauch bei den Grünen und Rainer Brüderle bei der FDP zur Verfügung, um endlich diese fürchterlichen Schreckensjahre der Regentschaft Merkel vergessen zu machen.

Es wird Zeit für die Rache der alten Männer!

Dietrich Faber ist Kabarettist und Autor der Krimikomödien rund um den Vogelsberger Kommissar Henning Bröhmann. Aktuell ist er mit seiner Show zum aktuellen Buch »Hessen zuerst«, sowie mit der brandneuen Manni Kreutzer-Bandshow »Das Manni-Fest!« auf Tour. Die nächsten Auftritte in der Region: 17. 11. Rodheim-Bieber (»Hessen Zuerst«) 18. 11. Schotten (»Manni-Fest«), 24. 11. Bad Orb (»Manni-Fest«). Alle weiteren Infos: im Internet unter www.dietrichfaber.de

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