"Könnten Sie mal bitte rausgehen, alleine kann ich besser putzen", hat einer der Angeklagten zu seinen Opfern gesagt. Die haben sich dabei erstmal nichts gedacht. (Symbolfoto: nic)
+
"Könnten Sie mal bitte rausgehen, alleine kann ich besser putzen", hat einer der Angeklagten zu seinen Opfern gesagt. Die haben sich dabei erstmal nichts gedacht. (Symbolfoto: nic)

Putzfirma bestiehlt Kunden: Gaunerpärchen verurteilt

Butzbach/Friedberg (jwn). Am schlimmsten finden die älteren Damen, die vor Gericht aussagten, den Vertrauensmissbrauch. Sie ahnten nicht, dass es die beiden "Putzbacher" bei ihren Einsätzen auf Beute abgesehen hatten. Diese Woche wurden sie verurteilt. Doch den Schaden bekommen die Opfer wohl eher nicht ersetzt.

Am Ende kannte Richter Markus Bange keine Gnade. Eine Einbruchserie, die sich im vergangenen Jahr in Butzbach zugetragen hat, endete nun vor dem Schöffengericht in Friedberg mit Haftstrafen für die beiden Angeklagten.

Zwar hatte der 37-jährige Hauptverdächtige Ruben G. (Namen geändert/Anm. d. Red) alle Schuld auf sich genommen und versucht, seine 36-jährige Lebensgefährtin und Mitangeklagte Svenja F. vom Vorwurf des gewerbsmäßigen Diebstahls reinzuwaschen, doch das gelang ihm nur zum Teil. Denn sowohl er als auch seine Lebensgefährtin sind seit Jahren drogenabhängig und haben deswegen schon mehrfach vor Gericht gestanden. So gibt es für G. 18 Einträge im Bundeszentralregister. Und zwar fast immer wegen Beschaffungskriminalität. Und auch bei der gebürtigen Kasachin F. stehen bereits fünf Vorstrafen in der Akte, darunter eine Verurteilung wegen Raubes zu fünf Jahren Haft. Alle Strafen waren bisher wegen der Drogenabhängigkeit der beiden Angeklagten ausgesetzt worden. "Damit ist nun Schluss. Ansonsten macht sich der Staat unglaubwürdig", stellte Bange fest. Denn beide Angeklagten hatten die von den Gerichten stets angeordneten Entziehungskuren immer wieder abgebrochen.

Bei einer Entziehungskur hatten sich die beiden 2013 kennengelernt. Sie beschlossen zusammenzuziehen und ihr Leben auf eine solide Basis zu stellen. So schilderten sie es dem Gericht. 2013 gründeten sie in Butzbach eine Reinigungsfirma mit Namen "Die Putzbacher". Da die Branche sehr nachgefragt ist, kamen die Aufträge fast wie von selbst, die Erfolgskurve der Firma ging steil nach oben, erzählten die beiden Angeklagten. Der Bruch sei Anfang 2015 eingetreten, als den dem Pärchen kurzfristig die Wohnung gekündigt wurde und es in aller Eile eine neue Unterkunft suchen mussten. "Und die fiel dieses Mal leider viel zu groß und zu teuer aus", berichtete G. Auch sei er mit der Buchführung nicht nachgekommen, Finanznot sei die Folge gewesen.

Aus Verzweiflung und weil er die Verschlechterung der Lage seiner Lebensgefährtin nicht habe eingestehen wollen, sei er rückfällig geworden. Kokain und Heroin habe er sich beschafft. Und als Svenja F. dies bemerkt habe, habe auch sie wieder zur Spritze gegriffen. Reichten die Firmeneinnahmen ohnedies kaum für den Lebensunterhalt, so kamen nun die Kosten für die Drogen hinzu, die das Paar zunächst mit Einbrüchen finanzierte.

Dafür spionierten die beiden frei stehende Einfamilienhäuser aus, in die G. dann einbrach. Dazu schlug er Scheiben ein und brach Kellertüren auf. F. will davon nichts gewusst haben, so ihre Einlassung vor Gericht, obwohl sie anschließend immer immer mit ihrem Partner nach Frankfurt fuhr, um die Beute gegen die Drogen einzutauschen. Sie habe es jedoch geahnt und G. deshalb öfters versucht, von seinen diebischen Streifzügen abzuhalten. Als das Gericht diese Version nicht überzeugte, schwenkte ihr Anwalt um und behauptete, dass sie zu der Zeit fast immer im Drogenrausch oder umgekehrt unter Entzugserscheinungen gelitten habe und deshalb nicht als schuldfähig angesehen werden könne.

Nach vier erfolgreichen Einbrüchen, die sogar am helllichten Tag in Butzbach und Münzenberg verübt wurden, änderte G. seine Vorgehensweise. Nicht mittels Einbruch wollte er an Schmuck, Laptops und Geld gelangen, sondern durch einfachen Diebstahl bei seinen Kunden. Also suchte er sich vor allem ältere und möglichst alleinstehende Damen aus, in deren Haushalten er schon einmal geputzt oder die Fenster gereinigt hatte.

Versicherungen zahlen eher nicht

"Ich kannte G. bereits von seinem ersten Auftrag und hatte deshalb volles Vertrauen zu ihm", berichtete die 73-jährige Rentnerin Heidemarie N. Deshalb habe sie sich auch nichts dabei gedacht, als er sie unter dem Vorwand, er könne allein viel besser arbeiten, aus dem Zimmer geschickt habe. Erst Tage später habe sie den Verlust ihres Schmuckes festgestellte.

So wie ihr erging es fünf weiteren Frauen, die gestern vor Gericht sich vor allem über den Vertrauensmissbrauch entsetzt zeigten. "Ich wusste, dass die beiden am Anfang standen mit ihrem Geschäft und wollte ihnen deshalb bei ihrem Start behilflich sein. Stattdessen klauen die mir den ganzen Schmuck", äußerte Sigrid H. ihre Enttäuschung. Auf rund 75 000 Euro beläuft sich der Gesamtschaden. Ein Großteil der Geschädigten bekommt den Verlust nicht ersetzt. Denn fast alle Versicherungen schließen Entschädigungen bei Trickdiebstahl aus. Und der liegt vor, wenn der Wohnungsinhaber den Dieb von sich aus in die Wohnung lässt. Aber selbst im Falle des Ersatzes durch die Versicherung bleibt ein Schaden, und der trifft alle.

Das sind zum einen die immateriellen Güter, also Erinnerungsstücke, die nicht ersetzt werden können. Oder die psychische Verunsicherung, die sich einstellen kann, wenn Fremde das persönliche Hab und Gut durchwühlen. Viele Opfer empfinden das als nachhaltige Beeinträchtigung. G wurde schließlich in Holland beim Einstieg in ein Einfamilienhaus erwischt und nach Deutschland überführt, wo er seitdem in Untersuchungshaft sitzt.

Auch wenn sich beide Täter vor der Urteilsverkündung bei den Geschädigten entschuldigten und die beiden Verteidiger Haftverschonung zugunsten einer Drogentherapie für beide forderten, so folgte das Gericht doch dem Ersuchen der Staatsanwaltschaft. Die hatte wegen der vielen einschlägigen Vorstrafen drei Jahre und sechs Monate Haft für G. und ein Jahr Haft für F. wegen gewerbsmäßigen Diebstahls gefordert, weil die Beute den beiden zur Finanzierung ihres Lebensunterhaltes dienen sollte. Auf die Aussetzung der Strafe auf Bewährung bei F. verzichtete das Gericht mit dem Hinweis, dass auch bei ihr mehrfach Strafen ausgesetzt worden seien und das alles bisher nichts genutzt habe. Außerdem fehle für sie eine positive Sozialprognose für die Zukunft.

Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

Quelle: Gießener Allgemeine

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare