Premiere im Neuen Kellertheater Wetzlar: »Der Schlüssel zur Lösung«

Wetzlar (kdw). Einen sehr vergnüglichen Abend gab es am Wochenende zum Saisonauftakt des Wetzlarer Neuen Kellertheaters. Mit Michael Bretts Krimi »Der Schlüssel zur Lösung« in Kerstin Freunds prägnanter Inszenierung lieferte das großartig aufgelegte Ensemble eine witzige und kurzweilige Vorstellung.

Wetzlar (kdw). Einen sehr vergnüglichen Abend gab es am Wochenende zum Saisonauftakt des Wetzlarer Neuen Kellertheaters. Mit Michael Bretts Krimi »Der Schlüssel zur Lösung« in Kerstin Freunds prägnanter Inszenierung lieferte das großartig aufgelegte Ensemble eine witzige und kurzweilige Vorstellung. Am Samstag fand die sehr gut besuchte Premiere statt.

Die Sache dreht sich um einen üblen Typ von einem Geschäftsmann, aus dessen Firmentresor die Lohngelder geklaut werden, und er kommt dabei auch noch ums Leben. Nichts Besonderes also, aber Regisseurin Freund hat das mit liebevollem Blick aufs Detail sehr versiert und rund gestaltet. Das erfahrene und hoch motivierte Ensemble zieht voll mit. Und so beginnt die Betrachterfreude ohne Übergang, denn das Allerwichtigste, die Typen in diesem Stück, sind wirklich exzellent gestaltet. Roland Groß als Philip Blythe gibt den fiesen Möpp routiniert, vor allem jedoch mit fast beunruhigender Glaubwürdigkeit. Der Autor legt ihm einige satte Gemeinheiten in den Mund, sodass seine Beliebtheitswerte sofort ab in den Keller gehen. Nach guter Tradition bevölkern auch noch allerlei merkwürdige, teilweise schön britisch-zickige Mitarbeiterinnen die Firma.

Etwa Theresa Gehring als Grace Johnson. Sie ist oberzickig, verliert jedoch zuweilen die leicht autistische Contenance; sehr attraktiv, aber gehemmt. Auch sehr lebhaft ist die formschöne Katharina Peuckert, sie schmeißt sich heftig an die Männer ran. Anja Euler gibt glaubwürdig eine unglückliche Chef-Geliebte, Franziska Hain und Bernhard Riedel bringen als leicht schräges Putzduo öfter mal proletarische Bewegung in die Bude. Die Hauptattraktion ist jedoch Lars Lembke als Inspektor. Der Autor legt ihm die typischen Polizistensprüche in den Mund (»Ich glaube nicht, ich stelle Fragen«), und Lembke verkörpert im besten Sinne die Rolle, detailliert inszeniert bis in die kleine Geste und den stets intensiven Blick. Melanie Biechlein als Sergeant Blake ist ihm ein tadelloser Adlatus, schön diszipliniert bis zackig. Eveline Lembke, Mareike Heil und nicht zuletzt Daniel Schwalbowski gestalten engagiert und genau weitere menschliche Hinter- und Abgründe; Kostüme und Maske sind wieder auffällig schick und professionell gestaltet.

Die Geschichte gehört zu jenen Klassikern, bei denen am Ende alles haarklein erklärt wird (und erklärt werden muss, die stummen Szenen als Erläuterung bringen nicht viel, obwohl die Idee gut ist), und da nickt man sehr leicht weg: »Aber in Wirklichkeit waren Sie gar nicht in der Oper, sondern im Keller!« - das hat man schon tausendmal gehört. Jetzt kommt die Inszenierung ins Spiel. Mit choreografischer Präzision und größter Geschlossenheit schafft es Kerstin Freund mit ihrem Ensemble, das Ende noch unterhaltsam und mit expressiver Substanz nach Hause zu bringen; schließlich hat sie schon bis dahin einen witzigen und ironischen Grundton zuverlässig durchgehalten. Das ausnahmslos erheiterte Publikum spendet der gelungenen Produktion großen, anhaltenden Applaus.

Gut machen sie das in Wetzlar!

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