Polizisten zogen Falschfahrer aus Lkw

Wölfersheim/Friedberg (süd/pm). Dienstagabend, 21.55 Uhr, die Notrufleitungen der Polizeileitstelle in Gießen und der Autobahnpolizei Butzbach stehen nicht still. Verkehrsteilnehmer melden einen Lastkraftwagen mit Hamburger Kennzeichen auf der falschen Fahrbahn der A 45 zwischen den Anschlussstellen Münzenberg und Wölfersheim.

Mehrere Autofahrer seien dabei bereits gefährdet worden. Erst nach 19 Kilometern ist die Irrfahrt des 75-jährigen Lkw-Fahrers beendet, mehrere Polizeifahrzeuge stoppen ihn.

Der Fahrer des Lasters war entgegengesetzt auf der Fahrspur, die in Richtung Gießen führt, unterwegs. Der 75-Jährige aus Wetter an der Ruhr wurde gegen 22.10 Uhr unmittelbar nach der Anschlussstelle Altenstadt zum Anhalten gezwungen. Ein Streifenwagen war dem Lastwagen entgegengefahren. Trotz Sondersignals mit Blaulicht und Martinshorn fuhr der Lkw zunächst weiter auf den Streifenwagen zu. Schließlich blieb der 7,5-Tonner etwa 30 Meter vor dem Dienstfahrzeug stehen.

Wie die Polizei berichtete, versuchten die Beamten anschließend vergeblich, den Lasterfahrer anzusprechen. Während ein Polizist neben dem Lkw stand, rollte dieser an der abschüssigen Strecke wieder 25 Meter zurück. Offensichtlich brachte der Fahrer den Laster dann aber zum Stillstand. Dem Beamten gelang es, den 75-Jährigen aus dem Fahrzeug zu ziehen. Unmittelbar danach rollte es wieder an. Ein Polizist sprang in das offene Führerhaus und konnte die Bremse anziehen.

Im Anschluss musste die A 45 in diesem Bereich durch mehrere Streifenwagen voll gesperrt werden. Im Schutz dieser Vollsperrung wurde der Laster gedreht und auf dem Seitenstreifen abgestellt. Später wurde das Fahrzeug, an dessen Seite sich ein Logo einer größeren Mietwagenfirma befand, auf einen Autohof gefahren.

Erste Ermittlungen ergaben, dass der Mann offensichtlich auf dem Weg von München nach Hagen war. Aufgrund der ersten Zeugenbefragungen dürfte er mindestens 19 Kilometer entgegengesetzt auf der Fahrbahn in Richtung Gießen unterwegs gewesen sein. Es ist derzeit noch nicht bekannt, an welcher Stelle er falsch auf die Autobahn gefahren ist. Der Fahrer wurde nach den polizeilichen Maßnahmen wieder entlassen.

Weitere Ermittlungen wie die Überprüfung des Fahrtenschreibers und die Untersuchung des entnommenden Blutes dauern derzeit noch an. Dabei soll laut Polizeibericht geklärt werden, warum der Mann als Geisterfahrer unterwegs war.

Genervt auf der Autobahn

Die Polizeiautobahnstation Mittelhessen sucht daher Zeugen, die den Lkw am Dienstagabend gegen 22 Uhr an der A 45 zwischen den Auffahrten Altenstadt und dem Gambacher Kreuz gesehen haben. Hinweise an die Polizeiautobahnstation in Butzbach, Telefon 0 60 33/99 30.

Eine Zeugin berichtete gestern vom Falschfahrer in einem Interview mit dem Hessischen Rundfunk. HR3-Hörerin Nadine Höch aus Rockenberg erlebte am Dienstagabend auf der Rückfahrt von ihrer Arbeitsstelle in Rodgau auf der A 45 dramatische Minuten. Nachfolgend Auszüge aus einer Mail, die eine Freundin von Nadine Höch dem Sender geschickt hat: »Gestern ist das passiert, von dem man immer nur im Radio hört und glaubt, einem selbst passiert es nie. Gestern Abend um 22.15 Uhr rief mich meine Freundin und Arbeitskollegin Nadine an und sagte zu mir, dass sie ab heute den 19. Februar als ihren zweiten Geburtstag feiert. Sie war von Rodgau aus auf dem Weg nach Hause auf der A 45 Richtung Gießen. Sie war müde, hatte Hunger, es hatte alles viel zu lange gedauert auf der Arbeit. Völlig genervt fuhr sie zügig über die Autobahn, hatte das Radio an. Vor ihr tauchte ein Lkw auf, der fuhr etwa 80 Stundenkilometer. Da kam in HR3 die Meldung, dass in Höhe Wölfersheim auf der A 45 ein Falschfahrer unterwegs sein soll, in Nadines Fahrtrichtung.

Eine Sekunde hat Nadine überlegt, ob sie den Lkw überholen soll. In der zweiten Sekunde dachte sie, ach was, ich fahre ja hier die Ausfahrt Rockenberg raus, brauche ich nicht überholen, ich bleib hinter dem Lkw. Und in der dritten Sekunde war der Falschfahrer genau neben ihr und fuhr an ihr vorbei. Gestern hat HR3 ihr das Leben gerettet. Danke an diejenigen, die diese Meldungen weitergegeben haben, an das Team vom Radio und an den Zufall oder wen auch immer, dass Nadine gestern das Radio an hatte und nicht CD gehört hat.«

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