1. Wetterauer Zeitung
  2. Hessen

Polizei kam »Drückerkolonne« auf die Schliche

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Alsfeld/Gießen (pm). Eine nicht bekannte Zahl von Verbrauchern hat sich möglicherweise von einer irischen »Drückerkolonne« vermeintlich günstige Notstromaggregate an der Haustür aufdrängen lassen.

Alsfeld/Gießen (pm). Eine nicht bekannte Zahl von Verbrauchern hat sich möglicherweise von einer irischen »Drückerkolonne« vermeintlich günstige Notstromaggregate an der Haustür aufdrängen lassen. Wie das Gießener Regierungspräsidium jetzt mitteilt, wandte sich vor einigen Wochen ein Käufer an die Polizeidirektion Vogelsberg, nachdem sein neu erstandenes Aggregat deutlich unter der angegebenen Leistung blieb und er sich »übers Ohr« gehauen fühlte. Da die Verkäufer noch am Stadtrand von Alsfeld campierten, konnte ein Kriminalbeamter die elektrischen Geräte vor Ort besichtigen. Er hatte sicherheitstechnische Bedenken, beschlagnahmte die Aggregate und wandte sich an das Regierungspräsidium.

Die Arbeitsschutzdezernate dieser Behörde sind auch für Geräte- und Produktsicherheit zuständig. Ein beauftragter Sachverständiger bestätigte schließlich sogar, dass bei den von ihm geprüften Notstromaggregaten Brandgefahr sowie Gefahr für Leib und Leben besteht.

Schon auf den ersten Blick waren den hinzugezogenen RP-Fachleuten zahlreiche Mängel aufgefallen; so fehlten unter anderem jegliche Angaben zum Hersteller und zum Gerätetyp, die CE-Kennzeichnung oder Hinweise zur Inbetriebnahme, Handhabung und Wartung des Geräts. Diese verlangt jedoch der Gesetzgeber verpflichtend im Interesse des Verbraucherschutzes; somit durften die Notstromaggregate im EU-Raum - ganz abgesehen von den Sicherheitsmängeln - nicht in Verkehr gebracht werden.

Da die »Drückerkolonne« längst über alle Berge war, sieht das RP kaum Chancen, die Verstöße mit Bußgeld - das bis zu 30 000 Euro betragen kann - zu ahnden; ebenso sah dies offenbar auch die eingeschaltete Staatsanwaltschaft.

Auch eventuelle Käufer dürften auf ihrem Schaden sitzen bleiben; ob sie eines der mangelhaften Notstrom-Aggregate erworben haben und besser die Finger davon lassen, lässt sich ggf. durch Nachfrage bei den RP-Fachleuten (Kontakt unter Tel. 0641/303-3228) klären.

Die vermutlich aus dem fernöstlichen Raum stammenden 132 Notstromaggregate wurden inzwischen - an Stelle einer kostenträchtigen Vernichtung - dem vom RP betreuten Katastrophenschutz-Zentrallager Hessen bzw. Technischen Hilfswerk Wetzlar übergeben und sollen dort so wenigstens noch einen Nutzen bringen: Im Rahmen der Jugendausbildung werden sie nun demontiert und danach sachgerecht entsorgt.

Grundsätzlich müssen derartige Geräte wie die sichergestellten Notstromaggregate sowohl dem deutschen Geräte- und Produktsicherheitsgesetz sowie der EU-Maschinenrichtlinie entsprechen. Danach müssen sie folgenden grundlegenden Sicherheits- und Gesundheitsanforderungen entsprechen. Auf der Maschine muss deutlich lesbar angegeben sein: Name und Anschrift des Herstellers, CE-Kennzeichnung, Bezeichnung der Serie oder des Typs/ggf. Seriennummer und Baujahr. Jeder Maschine muss eine Betriebsanleitung in der Sprache des Verwenderlandes (hier also in deutsch) mit folgenden Mindestangaben beigefügt sein: den bereits unter 1. genannten Angaben, wartungsrelevanten Hinweisen (z. B. Anschrift des Importeurs, Anschriften von Service-Werkstätten usw.

) und Angaben zur bestimmungsgemäßen Verwendung sowie alle Angaben, damit die Inbetriebnahme, Verwendung, Handhabung, Installation, Montage und Demontage, das Rüsten und die Instandhaltung einschließlich Wartung und Beseitigung von Störungen gefahrlos durchgeführt werden können.

Auch interessant

Kommentare